MFB Synth Pro Test und Sound Demo

MFB Synth Pro Test und Sound Demo

Das Berliner Unternehmen MFB schickt mit dem Synth Pro seinen ersten „großen“ polyphonen Analogsynth ins Rennen. Die Daten sind vielversprechend: Acht Stimmen mit je drei Oszillatoren, zwei Filter, Frequenzmodulation, sowie zahlreiche Modulationsmöglichkeiten. Und das alles ist komplett analog für knapp 1000 € zu haben? Mal sehen, wie sich der MFB Synth Pro in diesem Kurztest schlägt. Bevor wir tiefer einsteigen, gibt es noch ein Sounddemo mit einigen selbst erstellten Patches.

Mit acht analogen Stimmen liegt dem MFB Synth Pro eine Disziplin besonders gut: Breite analoge Pads mit ordentlich Retro-Feeling. Klanglich erinnert der Synth etwas an eine Kreuzung aus Stringmachine, Orgel und der alten Yamaha CS-Reihe. So könnte man den Sound als schwebend, mit einem Hang zum Nasalen beschreiben. Oberheim-artige Brass-Sounds und massive Streicherwände wollen mit dem MFB Synth Pro nicht so richtig gelingen, dafür überzeugt er umso mehr, wenn es um mittige warme Streichersounds und rhythmische Texturen geht.

Umfangreiche Modulationsmöglichkeiten

Vorhanden sind zwei LFOs, die jeweils überblendbare Standardwellenformen (Dreieck, Pulse, Sägezahn und S&H) bieten und sich natürlich auch zur MIDI-Clock syncen lassen. Im One-Shot-Modus können sie als Hüllkurve herangezogen werden, wobei der MFB Synth Pro hiervon bereits drei besitzt. Besonders gefreut habe ich mich über die Möglichkeit, die Hüllkurven zu loopen und als LFO zu verwenden. Das geht dank der schnellen Decay-Phase bis in den hörbaren Bereich und damit auch theoretisch schneller als mit den beiden LFOs. Umso bedauerlicher fand ich, dass man jeweils nur eine Hüllkurve loben kann.

Die Filtersektion

Die beiden Filter weisen eine Besonderheit auf, die man leider nach wie vor eher selten sieht: Sie lassen sich im Stereopanorama verteilen (Spread), was zu unglaublich breiten Stereoeffekten führt. Wenn man die Filter dann noch separat voneinander moduliert, geht die Sonne auf. Allerdings muss man hier vorsichtig dosieren, denn schnell handelt man sich so Phasenschweinereien ein und reißt Löcher ins Frequenzspektrum. Das kann ein wünschenswerter Effekt sein, beim MFB Synth Pro schießt man aber ganz schnell übers Ziel hinaus.

Klanglich sind die Filter hervorragend: Die Resonanz erzeugt Glanz ohne dabei den Klang zu sehr auszudünnen. In ihren unterschiedlichen Modi und Flankensteilheiten bieten die Filter einen eigenständigen Charakter, der gut zum Rest der Klangerzeugung passt. Ultrafett wäre sicherlich nicht das Adjektiv, das ich hier verwenden würde, eher mittenbetont. Bässe und Leads gehen damit auf jeden Fall, nur würde ich für richtige Bretter dann wohl doch eher zu einem Moog oder einem Pro-1 greifen.

Die Oszillatoren – leider noch nicht ganz fertig

Die Version des MFB Synth Pro, die mir hier vorlag, hatte leider noch ziemliche Probleme mit der Stimmstabilität der Oszillatoren. Zwar spendierte MFB dem Synth Pro das Feature, zwischen rein analoger und digital gesteuerter (aber natürlich immer noch analoger) Betriebsart der Oszillatoren umzuschalten. Die häufig empfohlene Aufwärmphase von 15 Minuten ist hier dennoch Pflicht. Erst dann sollte der MFB Synth Pro noch einmal nachgetuned werden (Drücken und Halten von DCO/Tune für 2 Sekunden). Das funktionierte bei mir manchmal besser, manchmal weniger gut. Klanglich waren die Oszillatoren im oberen Mittelfeld, hier hätte ich mir nur etwas mehr Biss beim Sägezahn und mehr Bauch beim Rechteck gewünscht.

Dafür entschädigen sinnvolle Zusatzfeatures wie Noise, Ringmodulation und analoge FM. Letztere kann allerdings nur dann aktiviert werden, wenn die Oszillatoren nicht im DCO-Modus sind.

Fazit

Der MFB Synth Pro hinterlässt bei mir gemischte Gefühle: Einerseits ist es ein gut klingender analoger Poly-Synth, der für den aufgerufenen Preis ein ziemlich komplettes Funktionspaket mitbringt. Alleine die Filtersektion ist schon eine massive Bereicherung. Über die eingebauten Effekte muss man nicht wirklich ein Wort verlieren und ich sehe sie eher als Ideengeber, wie der Sound mit Effekten klingen könnte. Im Studio- oder Bühneneinsatz sollte man hingegen auf externe Effekte zurückgreifen.

Auf der Schattenseite bleiben ziemliche Probleme bei der Speicherung eigener Patches in Erinnerung. Nachdem der Synth nach einer Ruhephase wieder im Einsatz war, klang kein Preset so, wie ich es ein paar Stunden zuvor abgespeichert hatte. Mal waren die Oszillatoren verstimmt, mal die Effekteinstellungen falsch übernommen, mal das Filter zu weit geschlossen, manchmal auch alles auf einmal. Eventuell hat sich MFB diesen Dingen mittlerweile angenommen, was zu wünschen wäre. Unterm Strich ist der MFB Synth Pro nämlich das Geld Wert und klanglich eine echte Alternative zu den Oberheims, Moogs und Junos da draußen.

Hier geht es zur Webseite von MFB.

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