Sonicware LIVEN Texture Lab Test: Granular-Synthesizer

Sonicware LIVEN Texture Lab Test

Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Das japanische Unternehmen Sonicware hat sich auf kleinere Grooveboxen und Synthesizer im Low-Budget-Bereich spezialisiert. Trotz des relativ geringen Preises bietet die LIVEN-Klasse umfangreiche Features und charaktervollen Sound. Mit dem Liven Texture Lab stellt Sonicware nun einen vierfach polyphonen Granularsynth mit Sequencer vor. Wie gut das gelungen ist, erfahrt ihr im Sonicware LIVEN Texture Lab Test. Doch zuerst hören wir mal, wie er klingt.

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Sonicware LIVEN Texture Lab

Liven Texture Lab Test: Erster Eindruck

Der kompakte Granularsynthesizer versprüht dank des komplett aus Plastik gefertigten Gehäuse mit ebensolchen Tastern und Potis ein Low-Budget-Flair. Lediglich die Wahltaster über dem Sequencer sind aus Gummi, was dem Eindruck allerdings nicht entgegenläuft.

Zwar wirkt das Ganze durch die schicke Farbkombination aus türkisem Boden und weißer Oberfläche nicht ganz so dramatisch wie bei der Kombination aus Gehäuse und Papp-Overlay für die Synthengine des Liven XFM. Trotzdem sollte man hier keine allzu edlen Komponenten erwarten. Zumal auch die Poti-Kappen eher an das Billig-Feeling einer TB-303 erinnern.

Andererseits wiegt der Texture Lab dadurch auch recht wenig, wodurch er sich problemlos transportieren lässt. Und hierfür wiederum würde ich ihm schon eine gewisse Robustheit attestieren, die den meisten Live-Situationen gewachsen ist. Denn die Elemente sitzen allesamt fest, die Potis verfügen über einen angenehmen Drehwiderstand und auch die Taster des Sequencers reagieren schnell und zuverlässig.

Kommunikation mit der Außenwelt: Die Anschlusssektion

Für die Studiointegration besitzt der Texture Lab ein 5-Pol-MIDI-Duo, Trigger-Ein-und-Ausgänge für analoge Clocksignale, sowie Stereo-Ein-und-Ausgänge. Ein Kopfhörerausgang nebst Anschluss für das Netzteil rundet die Ausstattung ab. Leider sind sämtliche Anschlüsse auf der Oberfläche verbaut, was besonders bei Standard-Netzsteckern nervt, die dann im ungünstigen Winkel aus dem Gehäuse hervorstehen. Ich betone das, weil der Liven Texture Lab ohne ein spezielles Netzteil mit gewinkeltem Stecker ausgeliefert wird. Dafür kann man den LIVEN Texture Lab alternativ mit Batterien betreiben.

Sonicware LIVEN Texture Lab - Anschluesse auf der Oberseite
Die Anschlüsse befinden sich alle auf der Oberseite

Eine USB-Spannungsversorgung kommt ebenfalls nicht infrage, da Sonicware bei der gesamten LIVEN-Serie auf eine USB-Schnittstelle verzichtet. Das ist zwar einerseits vorteilhaft, holt man sich doch mit schlechten USB-Hubs oder USB-Kabeln gerne mal Störgeräusche in den Audiopfad. Andererseits ist USB gerade für die Spannungsversorgung oder den Datenaustausch sehr praktisch, hier läuft das ganz rudimentär über MIDI-SysEx.

Produzieren mit dem Liven Texture Lab: Workflow

Wer schon einmal mit anderen Sonicware-Geräten wie dem LIVEN XFM oder dem LoFi-12 gearbeitet hat, wird sich beim Texture Lab schnell zurechtfinden. Der Aufbau ist grundsätzlich identisch, wenngleich einige Elemente ihre Position getauscht haben. So zum Beispiel das Filter, das beim XFM ganz links und beim Texture Lab nun ganz rechts ist. Für Umsteiger ist das anfangs eine Herausforderung, aber man gewöhnt sich recht schnell daran.

Neueinsteiger werden ums Lesen der Bedienungsanleitung wahrscheinlich nicht herumkommen. Dafür sind einerseits die Möglichkeiten zu umfangreich und andererseits wird man spätestens beim Sequencer-Programming das Manual hin- und wieder konsultieren müssen. Nach einer kurzen Zeit hat man die meisten Funktionen verinnerlicht und kann recht flüssig mit dem Texture Lab arbeiten.

Sonicware LIVEN Texture Lab: Draufsicht

Die Ausgangsbasis eines Granularsynths ist ein Sample. Das kann entweder per aus dem Factory-Speicher stammen, direkt über den Line-Eingang mit bis zu sechs Sekunden (mono / 16 Bit / 32 kHz) Länge pro Sample aufgenommen, oder per SysEx importiert werden. Der Aufnahmevorgang ist extrem einfach gehalten: Audioquelle anschließen, Threshold festlegen und sobald der Schwellenwert des Pegels überschritten wird, startet die Aufnahme. Anschließend überprüft man das Ergebnis und wenn alles passt, wird dem neuen Sample einer der 32 Sample-Speicherplätze zugewiesen. Ab diesem Zeitpunkt kann das Sample in der internen Soundengine weiter verarbeitet werden.

Klang und Synthese des LIVEN Texture Lab

Kommen wir nun zum Wichtigsten – Synthese und Klang. Und hier weiß der LIVEN Texture Lab zu überzeugen.

Architektur des Sounds

Wie man es von einem Granularsynth erwartet, bestimmt man die Anzahl, Länge und Dichte der Grains, sowie die Überblendungsstärke einzelner Grains, was im Ergebnis je nach Intensität körniger oder verwaschener klingt. Darüber hinaus können Abspielgeschwindigkeit- und Richtung (vorwärts, rückwärts, alternierend, zufällig), Tonhöhe, sowie Jitter (wie weit sich das Wiedergabefenster von den einzelnen Grains entfernt) bestimmt werden.

LIVEN Texture Lab Test: Die Klangerzeugung im oberen Bereich
Die Parameter der Klangerzeugung findet man im oberen Bereich

All diese Parameter stehen als Modulationsziele für die beiden LFOs oder Parameter-Locks zur Verfügun. Leider kann man pro LFO nur ein Ziel festlegen. Dafür gibt es aber für die Position des Sample-Scans einen Zufallsmodus, der sich bei Bedarf auch zur BPM synchronisieren lässt. Ebenso übrigens die beiden LFOs, die bei Bedarf völlig frei, oder synchron zur BPM oder per Tastenanschlag neu getriggert werden.

Möchte man Aftertouch, KeyFollow oder ModWheel als Modulationsquelle nutzen, muss dafür jeweils ein LFO geopfert werden. Ich hätte mir diese als zusätzliche Modulationsquelle gewünscht, aber immerhin sind sie überhaupt vorhanden.

Klang

Wie die meisten Granularsynthesizer, egal ob Granular VST oder Hardware, gelingen vor allem Pads spielend einfach und überzeugend. Aber auch bei experimentellen Sounds liefert der Texture Lab ab. Schnell baut man aus einem Sprachsample exotisch morphende Vocal-Effekte oder baut aus einer Spieluhr eine dichte Klangwolke, die sich perfekt als Basis für Ambient-Tracks eignet. Mit Diffusion lässt sich diese auch schön im Stereofeld aufziehen, was in Verbindung mit dem guten internen Stereo-Hall zu beeindruckenden Ergebnissen führt. Eine leichte Tendenz hin zum LoFi-Sound ist wie schon bei den anderen LIVEN-Modellen aber immer vorhanden.

Sonicware LIVEN Texture Lab: Schraegansicht

Was dem Texture Lab nicht so liegt, sind knackige Bässe oder Leads. Wobei für diese Kategorien Granularsynthese generell eher meine letzte Wahl wäre. Zu groß ist hier das Potential bei anderen Sounds zu überzeugen, zu gering der Aufwand mit anderen Syntheseformen überzeugende Bässe und Leads zu erstellen.

Am Ende der Signalweg steht noch ein subtraktives Filter mit Resonanz, das den Sound entweder als Tief-, Band- oder Hochpass formt. Eine dedizierte Hüllkurve fürs Filter wie beim Liven XFM habe ich hier zwar vermisst. Aber da mich der Plastiksound des LIVEN-Filters auch hier nicht richtig überzeugen konnte, reicht mir der statisch-subtile Einsatz etwa zur Bedämpfung unangemer Höhen oder zu Entschlackung von tiefen Frequenzen.

Sequencer

Ein wichtiger Bestandteil für eigene Performances ist der Sequencer. Die Ausführung im Texture Lab verfügt über bis zu 128 Steps, dessen maximale Anzahl sich in allen Abstufungen zwischen 1 und 128 bestimmen lässt. Per Default rattert der Sequencer mit 1/16-Noten, was sich aber inklusive triolischer Varianten auch auf andere Taktmaße abändern lässt.

Sonicware LIVEN Texture Lab: Klaviatur und Sequencer
Sonicware LIVEN Texture Lab: „Klaviatur“ und Lauflicht-Sequencer

Zusätzlich ist es möglich, Parameterveränderungen im Betrieb aufzuzeichnen oder einzelnen Steps unterschiedliche Parameterwerte zuzuweisen. Stutter- und Randomeffekte runden hier die Ausstattung ab. Lediglich Trigger-Wahrscheinlichkeiten und Microshifting habe ich hier vermisst, aber auch ohne diese ist das Angebot sehr umfangreich.

LIVEN Texture Lab als externes Effektgerät

Alternativ zu aufgenommen Samples ist der Texture Lab in der Lage, externes Audiomaterial live zu bearbeiten. Dabei stehen bis auf wenige Aufnahmen alle Parameter zur Verfügung – inklusive Sequencer und Locks!

Vom einfachen Einsatz als gut klingender (Shimmer-)Reverb, über Tape-Simulation, bis hin zu extremen Effekt-Loops, die bei laufendem Sequencer ständig neue Einstellungen abfeuern. Einzige Einschränkung ist hier eine gewisse Verzögerung am Anfang. Denn auch Sonicware hat es noch nicht geschafft, die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen und in der Zeit zurückzureisen. Mit anderen Worten: Damit man etwas aus der Granular-Engine hören kann, müssen erst einmal die ersten Soundschnippsel im internen Speicher landen. Hall und Filter kann man natürlich direkt einsetzen.

Sonicware LIVEN Texture Lab Test: Fazit

Ein polyphoner Granularsynth und Effektgerät für rund 300 € ? Der LIVEN Texture Lab hinterlässt einen postiven Gesamteindruck und sei allen ans Herz gelegt, die einen Klangerzeuger abseits der Subtraktiven und FM-Standards suchen. Seine Stärken spielt er bei Pads, experimentellen Sounds und als externer Kreativeffektprozessor aus. Dabei ist er durchaus in der Lage, komplett neue Klangnoten im Hardware-Park zu setzen.

Eine gewisse Experimentierfreudigkeit sollte man mitbringen, denn durch das fehlende Display gibt es optisch kaum ein Feedback, was gerade passiert. Mit der Zeit lernt man aber, bestimmte Verhaltensweisen vorauszusagen und kann gezielt einzelne Punkte ansteuern. Leichter geht so etwas natürlich immer mit Software oder Synths mit großem Display wie dem Tasty Chips GR-1. Die spielen dafür aber in einer ganz anderen Preisklasse, weshalb ich in diesem Artikel auf einen tieferen Vergleich verzichtet habe.

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Sound 8
Features 7
Bedienung 7
Preis/Leistung 10
PROS
  • Umfangreiche Granularsynthese im kompakten Format
  • Einfaches Sampling
  • Auch als kreativer Effekt einsetzbar
CONS
  • Anschlüsse auf der Oberseite
  • Filterklang

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