Studiokopfhörer für elektronische Musik: die besten Kopfhörer für Techno

Studiokopfhörer für Techno, Ambient und House: Die besten Modelle

Studiokopfhörer gehören zur absoluten Grundausstattung, wenn man elektronische Musik produzieren möchte. Selbst teurere Modelle sind ähnlich teuren Studiomonitoren häufig noch haushoch überlegen, wenn es zur analytischen Beurteilung eines Mix kommt. Natürlich können Studiokopfhörer nicht die Hörerfahrung auf vernünftigen Studiomonitoren ersetzen. Denn gerade zur Beurteilung von Bass und unteren Mitten muss schon mal laut abgehört werden, was mit Referenzkopfhörern nur eingeschränkt möglich ist.

Allerdings ist das eine Disziplin, bei der auch viele günstige Referenzmonitore nicht besonders gut abschneiden. Zusätzlich fehlt den Einsteigermodellen noch eine gute Stereoauflösung oder es gibt Probleme bei der Mittenwiedergabe. Meine Empfehlung ist daher sich erstmal gute Kopfhörer anzuschaffen, dann Geld zu sparen und lieber in ein vernünftiges Paar Studiomonitore plus abgestimmter Raumakustik zu investieren. Worauf ihr bei Studiokopfhörern für Techno, Ambient, House etc. achten solltet, erfahrt ihr in diesem Artikel. Im zweiten Teil stelle ich noch ein paar Modelle vor, die ich teilweise selbst seit Jahren nutze und die ich auch immer wieder bei Kollegen im Studio sehe.

Worauf sollte man bei einem Studiokopfhörer für elektronische Musik achten?

Studiokopfhörer: Offen vs. geschlossene Bauweise

Das offensichtlichste Merkmal bei Studiokopfhörern ist ihre Bauweise. Hier wird vor allem zwischen offenen und geschlossenen Kopfhörern unterschieden. Und die Bezeichnung ist fast selbsterklärend. Während ein geschlossener Kopfhörer nur wenig bis keine Audiosignale in die Umgebung abgibt, beziehungsweise man Geräusche von außen kaum mitbekommt, sind die Ohrmuscheln eines offenen Referenzkopfhörers – nun ja – „offen“.

Geschlossene StudiokopfhörerOffene Studiokopfhörer
Lässt keinen Schall nach außen dringenKopfhörersignal ist auch von außen hörbar. Das kann bei Mikrofonaufnahmen stören.
Schirmt gegen Außengeräusche ab. Gut für Mikrofonaufnahmen.Lässt Umgebungsgeräusche durch
Betont Bass mitunter unnatürlich starkIst meistens ausgewogener im Klang
Ermüdet die Ohren schnellAuch geeignet für lange Mixing-Sessions
Prinzipiell auch geeignet für den Einsatz im Club (Ohm beachten)Nicht für den Clubeinsatz geeignet
Geschlossene vs. offene Studiokopfhörer: Vor- und Nachteile der jeweiligen Bauform

Ob man nun geschlossene oder offene Kopfhörer bevorzugt, ist wie so oft Geschmacksache. Ich würde euch empfehlen, mittelfristig beide Varianten anzuschaffen, damit ihr immer mal wechseln könnt.

Dadurch habt ihr nicht nur mehr Testumgebungen für euren Mix, sondern könnt z.B. auch unterwegs produzieren, ohne andere Passagiere zu stören. Der offene Studio kommt dann wiederum hauptsächlich im Studio zum Einsatz, wenn ihr mehrere Stunden am Stück produziert.

Wenn ihr aber noch ganz am Anfang der Studioeinrichtung steht, empfehle ich euch erstmal einen offenen Studiokopfhörer. Und hier bin ich der Ansicht, dass es sich eher lohnt, in einen etwas teureren Studiokopfhörer zu investieren, als in günstige Studiomonitore. Letztere machen vielleicht mehr Spaß, dafür kann man auf diesen einen Mix meistens nicht vernünftig beurteilen.

Frequenzgang

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Referenzkopfhörern ist die Signaltreue. Denn zur vernünftigen Beurteilung vom Mix sollte das Signal möglichst linear wiedergegeben werden. Je linearer der Frequenzband, umso besser.

Jetzt ist es so, dass spätestens im Tieftonbereich irgendwann die Treiber im Kopfhörer aussteigen, weil sie physikalisch gar nicht dazu in der Lage sind, bestimmte Frequenzen wiederzugeben. Trotzdem empfiehlt es sich, vor dem Kauf einen genauen Blick auf die technischen Spezifikationen zu werfen.

Falls ihr euch bereits auf einen Kandidaten eingestimmt habt und dieser im Vergleich zu einem Mitbewerber unter diesem Aspekt nicht ganz so gut abschneidet: Bis zu einem gewissen Grad lernt man seinen Kopfhörer mit der Zeit so zu nutzen, dass man leichte Schwächen kompensiert.

Wer sich hierauf nicht verlassen möchte, dem empfehle ich noch die App Reference von Sonarworks. Ziel dieser Software ist es, Studiomonitore und Kopfhörer per EQ und Laufzeitausgleich so zu kalibrieren, dass die Wiedergabe möglichst linear geschieht.

Klirrfaktor

Der Klirrfaktor beschreibt das Verhältnis von ungewollten harmonischen/nichtlinearen Verzerrungen zum Originalsignal. Nichtlineare Verzerrungen fügen dem Signal Obertöne hinzu und verfälschen daher den Klang.

Der Klirrfaktor (manchmal wird der sehr ähnliche Wert THD angegeben, ohne jetzt auf die exakten Unterschiede einzugehen) wird in Prozent angegeben. Je niedriger dieser Wert ist, umso besser.

Allerdings ist es mittlerweile auch so, dass vernünftige Studiokopfhörer hier ohnehin keine Probleme bereiten. Denn ein niedriger Klirrfaktor muss einfach gegeben sein, wenn es darum geht, professionell Abzuhören. Das wissen natürlich auch die Hersteller und liefern entsprechend ab. Mittlerweile spielt der Klirrfaktor daher eher eine untergeordnete Rolle bei der Kaufentscheidung.

Tragekomfort

Wichtiger ist dann schon der Tragekomfort, denn je nach Hersteller und Modell kann sich das stark unterschieden. Hierbei solltet ihr euren persönlichen Präferenzen folgen. Auch die Kopfform spielt beim Tragekomfort eine große Rolle: Drückt der Kopfhörer irgendwo? Wird er im längeren Betrieb zu schwer? Ist mir der Kopfhörer insgesamt zu groß?

Denkt daran, dass ihr Studiokopfhörer zum Abmischen oder Produzieren häufig über mehrere Stunden am Stück aufhabt. Umso wichtiger ist der Tragekomfort.

Kann man die Pads beim Studiokopfhörer wechseln?

Zusätzlich spielt auch das Material der Pads eine Rolle. Je nach Hersteller besteht die Oberfläche aus Velours, Kunstleder oder anderen Stoffen. Was euch am meisten zusagt, werdet ihr spätestens im Sommer herausfinden, wenn die Temperatur im Studio steigt. Ich schwitze zum Beispiel unter Pads mit Kunstlederbezug deutlich stärker als unter Velours.

Manche Kopfhörer lassen sich für den Transport zusammenklappen wie der ATH M50X
Manche Kopfhörer lassen sich für den Transport zusammenklappen wie der ATH M50X

Nicht zuletzt aus hygienischen Gründen solltet ihr also darauf achten, dass es für euer Modell einerseits Ersatzpolster gibt, die sich leicht austauschen lassen. Andererseits ist es praktisch, wenn der Hersteller gleich mehrere Varianten anbietet, sodass ihr etwa zwischen Kunstleder und Velours wechseln könnt.

Referenzkopfhörer für elektronische Musik – die besten Modelle

Nachdem wir uns durch die grundsätzlichen Anforderungen und Unterschiede durchgearbeitet haben, wird es jetzt konkret. Die nachfolgenden Studiokopfhörer kann ich entweder aus eigener Erfahrung oder aufgrund von Gesprächen mit Künstlern bedenkenlos empfehlen. Wenn ihr noch Ideen oder Fragen habt, hinterlasst gerne einen Kommentar unter diesem Artikel.

AKG K-701

Die K-701 Referenzmonitore sind schon einige Jahre auf dem Markt und haben seit ihrer Veröffentlichung nichts an Popularität verloren. Und das aus gutem Grund: Denn vor allem die sehr detaillierte Auflösung und exzellente Stereobreite ermöglichen analytisches Abhören auch über mehrere Stunden hinweg.

Lediglich im Bassbereich ist der K-701 etwas schmalbrüstig, was bei der Beurteilung von Clubtracks schon mal stören kann. Hier könnte man sich entweder mit dem bereits angesprochenen Sonarworks Reference behelfen. Oder man lernt einfach, im Kopf das leichte Defizit beim Mixing auszugleichen.

Zudem hat sich der Preis der Kopfhörer im Laufe der Zeit sogar noch nahezu halbiert, weshalb ich den K-701 sofort empfehlen würde, wenn man einen präzisen offenen Studiokopfhörer benötigt, der nicht zu teuer sein darf.

AKGK-701
Bauformoffen
Frequenzbereich10 Hz – 39800 Hz
Impedanz62 Ohm
Club-tauglichX
Zur Aufnahme geeignetX
Austauschbare ElementeX
Gewicht mit Kabel371 g
Klangliche EigenschaftenSehr detaillierte Auflösung mit exzellenter Stereobreite. Etwas schwach im Bassbereich, dafür aber für den Dauereinsatz geeignet.
AKG 701 Kopfhörer: Eigenschaften

Audio-Technica ATH-M50 X

Sozusagen als Gegenentwurf zum AKG K-701 kommt der Audio-Technica ATH-M50 X daher. Dieser geschlossene Kopfhörer erzeugt auch im Bassbereich mächtig Druck. Daher wäre dieser meine erste Wahl, wenn es um einen flexiblen Allrounder geht, den man einerseits im Studio für Aufnahmen nutzen kann und der andererseits auch bei Performances im Club funktioniert.

Zur Beurteilung eines Mix empfinde ich den ATH-M50 X auf Dauer allerdings zu anstrengend. Hier macht sich der starke Bassanteil und die geschlossene Bauweise bemerkbar, sodass Arbeiten mit dem Kopfhörer schnell anstrengend wird. Dazu treiben auch die recht scharfen Höhen bei. Keine Frage: Der ATH-M50 X macht sicherlich mehr Spaß als ein stark analytischer Kopfhörer, sollte im Studioalltag aber eher als Zweitreferenz genutzt werden.

Audio-TechnicaATH-M50 X
BauformGeschlossen
Frequenzbereich15 – 28000 Hz
Impedanz38 Ohm
Club-tauglich
Zur Aufnahme geeignet
Austauschbare Elemente✓ (Kabel und Ohrpolster)
Gewicht mit Kabel341 g
Klangliche Eigenschaften
Audio Technica ATH-M50 X: Eigenschaften

beyerdynamic DT-770 PRO / 80 Ohm

Damit kommen wir zu einem weiteren Klassiker, dem beyerdynamic DT-770 PRO. Die DT-Serie von beyerdynamic ist seit Jahrzehnten stilübergreifend in etlichen Studios im Einsatz. Die hier geschlossene Variante DT-770 PRO sieht man häufig auf dem Kopf von Sängern oder Schlagzeugern, nicht so häufig jedoch am Arbeitsplatz des Sound-Engineers.

Und das hat seine Gründe: Wie der ATH-M50 X zeichnet sich der DT-770 PRO durch einen kräftigen Bass aus, der hier nicht ganz so akzentuiert kommt, aber dennoch Durchsetzungsvermögen beweist. Im Vergleich zum AKG K-701 schneidet der DT-770 PRO hinsichtlich Stereobreite und analytischem Klang aber ein gutes Stück schlechter ab. Ich habe jahrelang nur mit einem DT-770 PRO gemixt bis ich dann einen AKG K-701 ausprobierte. Es war, als hätte jemand eine Wolldecke von den Membranen gezogen und Details entblößt, die vorher nicht mal im Ansatz zu waren.

Also gilt auch beim DT-770 PRO mein Kurzfazit: Als Aufnahmekopfhörer und Zweitreferenz top, aber kein Kopfhörer für den längeren Mixing-Einsatz.

BeyerdynamicDT-770 PRO
Bauformgeschlossen
Frequenzbereich5 – 35000 Hz
Impedanz80 Ohm
Club-tauglichX
Zur Aufnahme geeignet
Austauschbare Elemente✓ Ohrpolster
Gewicht mit Kabel346 g
Klangliche Eigenschaftenausgewogene Höhen, aber Überbetonung im Bassbereich. Wird auf Dauer anstrengend, aber gut für Aufnahmen.
beyerdynamic DT-770 PRO / 80 Ohm: Eigenschaften

Sennheiser HD-650

Als teuerstes Modell schließt der Sennheiser HD-650 die Liste der besten Studiokopfhörer für Techno, Ambient und House ab. Mit rund 350 € ist der HD-650 sicherlich schon recht teuer. Dazu möchte ich allerdings einen Gedanken kurz anführen.

Wie bei nahezu jedem Produkt fürs Studio sind auch bei Kopfhörern dem Preis nach oben kaum Grenzen gesetzt. Und häufig fördert ein Kopfhörer im Segment Ü-1000-Euro noch mehr Details zutage, als Kopfhörer im mittleren Preissegment. ABER! Mit zunehmendem Anspruch bezahlt man für jedes Zehntel Prozent mehr Sound dann auch einen deutlichen Aufpreis. Hier bin ich der Meinung, dass man sich das Geld eher sparen kann und dafür in bessere Studiomonitore und Raumakustik stecken sollte.

Beim HD-650 jedoch ist der doppelte Preis gegenüber den vorangegangenen Modellen gerechtfertigt, denn hier bekommt man noch einmal einen ordentlichen Qualitätsschub mit. Denn der Kopfhörer zeichnet sich durch eine hervorragende Tiefenstaffelung aus. Trotz der offenen Bauweise liefert er zudem noch einen recht kräftigen Bass, was für elektronische Musik essentiell ist. Die Höhen tendieren hier eher in Richtung HiFi, die gut aufgelösten Mitten erscheinen etwas dominanter als etwa bei einem AKG-701. Wer den Sound etwas weniger HiFi haben möchte kann auch zum nächst kleineren Modell, dem Sennheiser HD-600, greifen.

Noch ein kurzer Hinweis zum Schluss: Falls ihr euch für den Sennheiser HD-650 entscheidet, denkt daran, dass ein Kopfhörer mit so viel Ohm auch einen adäquaten Vorverstärker benötigt. Die meisten Soundkarten verfügen zwar über gute Kopfhörervorverstärker, allerdings fahren manche User eine All-in-the-Box-Lösung und wollen den Kopfhörer direkt an den Rechner anschließen.

SennheiserHD-650
Bauformoffen
Frequenzbereich10 Hz – 41000 Hz
Impedanz300 Ohm
Club-tauglichX
Zur Aufnahme geeignetX
Austauschbare Elemente✓ (Kabel und Ohrpolster)
Gewicht mit Kabel346 g
Klangliche EigenschaftenTendenz zu HiFi, gute Bass-Wiedergabe und gute Tiefenstaffelung. Perfekt für den Dauereinsatz im Studio
Sennheiser HD-650 Kopfhörer: Eigenschaften

Studiokopfhörer für elektronische Musik: Fazit

Bei der Wahl des richtigen Studiokopfhörers für Techno, Ambient etc. hilft nur ein: Ausprobieren. Falls ihr die Möglichkeit habt, probiert erstmal zwei oder drei verschiedene Modelle aus. Sei es bei Freunden, im Laden vor Ort oder – was ich persönlich eher unschön finde – mithilfe der 30 Tage Money-Back-Frist im Onlinehandel.
Dabei ist es wichtig, dass ihr die Kopfhörer mit Tracks ausprobiert, die ihr bereits sehr gut kennt. Ansonsten ist es schwer, den Klang vernünftig einzuschätzen.

Aus der oberen Liste kann ich jeden Kopfhörer empfehlen. Allerdings ist es sinnvoll, erstmal eine offene Variante zu wählen, insofern ihr nicht vorhabt, Mikrofonaufnahmen zu machen. In dieser Kategorie ist der AKG K-701 der beste Kompromiss aus Preis, Klang und Neutralität. Falls es die finanziellen Mittel erlauben, würde ich zum Sennheiser HD 650 raten, der den bereits guten Klang des K-701 noch einmal übertrifft. Allerdings ist der HD 650 im Vergleich auch nicht ganz so analytisch, wodurch er aber etwas mehr Spaß macht.

Als geschlossene Variante bietet der Audio-Technica ATH-M 50 X für mich den größten Mehrwert. Dieser Kopfhörer lässt sich einerseits flexibel im Studio einsetzen und macht andererseits auch im Club eine gute Figur. Hier kommt lediglich der Nachteil der geschlossenen Bauweise ins Spiel, denn für den Dauerbetrieb sind diese Kopfhörer dann doch etwas zu anstrengend.

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