Sonicware Lofi-12 XT Test: LoFi-Sampler für elektronische Musik

Sonicware Lofi-12 XT Test

Mit dem Liven Lofi-12 hat Sonicware 2023 einen Sampler vorgestellt, der den LoFi-Sound der ersten Sampler authentisch reproduzieren soll. Das gelang dem japanischen Unternehmen anscheinend so gut, dass sich Sonicware kurz darauf entschloss, auch ihren Flaggschiff-Sampler, den SmplTrek V3 in einer LoFi-Variante anzubieten. Der Lofi-12 XT kommt nun im gleichen Format, konzentriert sich aber auf satten LoFi-Sound. Wie gut das Konzept aufgeht, erfahrt ihr im Sonicware Lofi-12 XT Test.

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Sonicware Lofi-12 XT Demovideo

Doch zuerst gibt es noch einen Disclaimer. Da ich Teil des Sounddesign-Teams für den Lofi-12 XT sein durfte, ist meine Einschätzung eventuell etwas vorbelastet. Trotzdem versuche ich, diesen Erfahrungsbericht sachlich anzugehen. Die mitgelieferte Soundlibrary werde ich allerdings nicht beurteilen.

Sonicware Lofi-12 XT auf einen Blick

  • 12-Bit Retro-Sampler mit wählbarer Sample-Rate (24 kHz oder 12 kHz)
  • Sequencer mit bis zu 128 Steps
  • Anschlagdynamische Pads
  • Kompaktes Format mit integriertem Mikro und optionalem Batteriebetrieb

Sonicware Lofi-12 XT Test: Erster Eindruck

Trotz des kompakten Gehäuses ist der Sonicware Lofi-XT kein Leichtgewicht und hinterlässt einen soliden Eindruck. Zwar vermittelt das Design – hier vor allem das Display – einen gewissen Spät-90er-Charme. Über die anschlagdynamischen Mini-Pads werden nicht nur Sequenzen einprogrammiert, sondern auch ein Großteil der Menüfunktionen direkt angesteuert.

Einmal ausgewählt, kommen die meisten Menü-Sektionen mit zwei Unterseiten aus. In diesen werden dann mit den vier gerasterten Minipotis neben dem Display dann die Parameter eingestellt. Ich bin weder ein Freund von Minipotis, noch lösen gerasterte Bedienelemente bei mir Begeisterungssprünge aus. Hier erscheint mir der Kompromiss aus Kompaktheit und gezielter Auswahl von Werten aber sinnvoll.

Das Display ist durch seine Größe schon eine Herausforderung für User mit einer Sehschwäche im Nahbereich, löst aber dennoch ordentlich auf. Hier und da hat die Unit aber noch mit Bugs zu kämpfen. So gibt die vergrößerte Anzeige im Finetuning eines Loops zum Beispiel gerne mal leicht abweichende Daten aus von dem, was man eigentlich hört. Nicht schlimm, aber etwas, was man hoffentlich noch durch ein Update löst.

Anschlüsse

Besonders gefreut hat mich zum einen, dass fast sämtliche Anschlüsse auf der Rückseite des Geräts zu finden sind. Zum anderen setzt Sonicware beim Lofi-12 XT auf das 5-Pol-MIDI-Duo und 6,3 mm Klinkenanschlüsse für die Ein- als auch Ausgänge. Lediglich der Kopfhörerausgang befindet sich als 3,5 mm Stereoklinke auf der Vorderseite des Gerätes.

Sonicware Lofi-12 XT
Anschlüsse auf der Rückseite

Gewünscht hätte ich mir hier mindestens ein weiteres Ausgangspaar, um einzelne Tracks an der Summe vorbei zu routen. Aber anscheinend scheint das in dieser Preisklasse generell aus der Mode gekommen (oder schlicht nicht möglich) zu sein.

Am Anfang steht das Projekt

Startpunkt sämtlicher Aktionen ist beim Sonicware Lofi-12 XT ein Projekt. Dieses enthält neben 128 Pattern und 16 Songs, auch 256 Sample-Slots, die insgesamt maximal 64 MB Speicher belegen können.

Diskstreaming ist zwar nicht möglich, das steht meiner Meinung nach dem LoFi-Konzept aber auch eher entgegen. Und was sich im ersten Moment als überschaubar anhört, relativiert, wenn man die Samples ins geeignete Format von 24 kHz bringt. Wer noch mehr längere Samples benötigt und körnigen Sound liebt, kann während des Imports auch gleich auf die 12 kHz-Sample-Rate setzen. Kann man dann noch mit Mono-Samples leben, sollte das auch für riesige Ambientpads ausreichen.

Im Alltag jedenfalls war ich überrascht, dass am Ende des Auftragprojekts mit unterschiedlichen Stilistiken und längeren Samples gerade mal die Hälfte des Speicherplatz belegt war. Und das obwohl ich alle Samples in 24 kHz und einen Großteil davon in Stereo importiert hatte.

Die Projektstruktur im Sonicware Lofi-12 XT
Die Projektstruktur im Lofi-12 XT

Pattern programmieren

Ein Pattern im Lofi-12 XT besteht aus bis zu acht Tracks, die grundsätzlich jeweils ein Instrument beherbergen. Um die Möglichkeiten noch weiter auszuschöpfen, kann man mittels Sample-Lock innerhalb eines Tracks auch weitere Samples aus dem Projekt-Pool abfeuern.

Zusätzlich legt man für das Instrument fest, ob es monophon, polyphon oder gescliced wiedergegeben wird. In der monophonen Spielweise sind auch legato und Portamento machbar, Akkorde und Pads spielt man am besten im Modus polyphon. Slice wiederum ist praktisch um Remixe zu erstellen, oder sich ganze Drumkits zu bauen, die dann wiederum live im Padmode eingespielt werden können.

Sampling mit dem Lofi-12 XT

Die meisten, die sich einen Sampler holen, wollen damit vermutlich auch samplen. Das geht beim Lofi-12 XT einerseits mit dem Import vorgefertigter WAV-Files, die man erst auf die SD-Karte zieht, dann am Gerät einmal kurz konvertieren und im Anschluss wieder am Rechner noch einmal in die gewünschten Ordner einsortieren muss. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man schon beim Konvertiertungsvorgang den Zielordner festlegen kann, um sich den letzten Schritt zu sparen.

Sonicware Lofi-12 XT Navigation
Sonicware Lofi-12 XT Navigation

Der klassische Weg geht hier natürlich auch. Und zwar einerseits über die beiden Line-Eingänge auf der Rückseite, von denen einer auch den Anschluss einer Gitarre ermöglicht. Oder man nutzt das eingebaute Mikrofon auf der Vorderseite, das zwar keine überragenden Ergebnisse im Sinne eines professionellen Studiomikrofons liefert. Zur schnellen Erfassung von Fieldrecordings oder experimentellen Schnipseln ist die Qualität aber in Ordnung.

Der Samplingvorgang ist ebenfalls komfortabel gelöst: Eingangsquelle auswählen, einpegeln und aufnehmen. Um den Aufnahmevorgang automatisch zu starten, könnt ihr einfach einen Threshold-Wert festlegen. Dann startet die Aufnahme, sobald das Eingangssignal einen Minimalpegel erreicht. Die Samples müssen dann noch einem Slot in der User-Library zugewiesen werden und stehen dann unmittelbar für den weiteren Einsatz bereit.

Soundengine des Lofi-12 XT

Auch fürs weiter gehende Sounddesign bietet der Sampler eine gute Auswahl an Features.

Sample-Bearbeitung

Zum einen ist da natürlich die Sample-Bearbeitung, bei der man Start- und Endpunkt des Samples, sowie die Looppunkte auswählt. Mit einer AHR-Hüllkurve bestimmt man zudem, wie und wie lange das Sample abgespielt wird. Eine smoothe Überblendung beim Loop vermisst man allerdings ebenso, wie die Möglichkeit, Samples auch rückwärts abspielen zu können. Zumindest letzteres Feature soll aber in einem zukünftigen Update nachgereicht werden.

Zusätzlich kann man festlegen, ob man die Samples per One-Shot oder Loop, mono- oder polyfon abspielen möchte. Alternativ kann man die Audiodatei slicen und über die anschlag- und druckdynamischen Pads auch als Drumkit spielen. So umgeht man auch die Limitierung auf acht Tracks und könnte sein Pattern in Gruppen vorsortieren. Track 1 enthält dann die Kick, Track 2 Snare und Clap, Track 3 die Percussion-Sektion, usw.

Filter

Pro Track gibt es ein Filter mit den Modi Lowpass, Bandpass und Hi-Pass. Auf Notch oder PeakEQ wie bei den elz_1-Modellen wurde hier leider verzichtet. Zwar kann man zusätzlich pro Track noch in der Effektsektion weitere EQs oder Filter hinzuschalten. Aber bei keiner Variante hat man die Möglichkeit gezielt einen Frequenzbereich in den Mitten abzusenken.

Das ist insofern schade, denn dadurch entfällt die Möglichkeit, zu dominante Mitten für einen ausgewogenen Mix zu eliminieren. Da auch keine Einzelausgänge für einen externen Mix vorhanden sind, empfiehlt es sich, das gesamplete Material bestmöglich im Rechner vorzubereiten.

Sonicware Lofi-12 XT Display
Sonicware Lofi-12 XT Display

Effekte

Ebenfalls pro Track kann man jeweils einen von 22 Effekten aktivieren, darunter Modulationseffekte, Overdrive, Delay, sowie Kompressoren. Die Qualität ist durchwachsen. Gut fand ich Delay, Modulationen und spezielle Sounddesigntools wie Ringmodulation, Bitcrusher oder Tape-Emulation.

Weniger brauchbar waren für mich hingegen die Kompressoren oder das sehr digital klingende Overdrive. Das ist aber letztlich auch Geschmackssache und ich bin mir sicher, dass andere User unterschiedlichen Nutzen daraus ziehen.

Zusätzlich gibt es global noch Delay und Reverb, die beide per Send angesteuert werden. Auch hier geht der Klang in Ordnung, kann aber nicht mit externen Spezialisten mithalten. Besonders beim Delay hätte ich mir noch einen EQ im Feedbackweg gewünscht.

Gelungen fand ich den Masterkompressor, der über einen frei definierbaren Sidechain-Eingang verfügt. Ebenfalls lässt sich bestimmen, welche Spuren tatsächlich vom Kompressor bearbeitet werden. Vom subtilen Glueing bis hin zum aggressiven Pumpen ist hier einiges möglich.

Modulationsmöglichkeiten

Neben der bereits erwähnten ASR(AR)-Hüllkurve beim Amp gibt es pro Track eine weitere für die Filterfrequenz, sowie zwei LFOs. Die Frequenzsspanne der LFOs reicht von relativ langsam bis leicht in den Audiobereich.

Die LFOs lassen sich zum Tempo synchronisieren, frei laufen oder per Note triggern, und können frei auf jeweils ein Modulationsziel geroutet werden. Damit sind jetzt keine Modulationsorgien möglich und als Sounddesigner hätte ich mir hier und da noch etwas mehr Optionen bei den Zielen gewünscht. Dennoch geht hiermit schon einiges und wer extremes Sounddesign sucht, kann immer noch mit aufgezeichneten Modulationen über den Sequencer Bewegung in die Tracks bringen.

Sequencer

Womit wir direkt zur letzten Abteilung kommen: dem internen Sequencer des Lofi-12 XT. Pro Track lassen sich Sequenzen mit flexibler Länge bis zu 128 Steps programmieren. Dabei stehen auch unterschiedliche Taktarten (Subdividions) bereit, wodurch auch triolische Muster möglich sind. Die Sequenzen können per Step oder Live eingespielt werden.

Die anschlagdynamischen Pads dienen auch zur Wahl der Tracks und Parameter
Steptaster und darunter die anschlagdynamischen Pads. Diese dienen auch zur Wahl der Tracks und Parameter

Für einzelne Steps können darüber hinaus auch Rolls eingegeben werden, was für Genres wie Psytrance, IDM und groovende Techno-Pattern ein essentielles Feature ist. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, per Parameter-Locks Soundveränderungen einzuprogrammieren, oder in einer Spur mehrere Instrumente aus dem Pool abzufeuern. Das ist etwa dann praktisch, wenn man als Fingerdrummer seine Beats lieber direkt über die Pads im Kit-Modus einspielt. Oder wenn man vorhat, nur mit dem Lofi 12-XT komplette Tracks zu produzieren.

Mix-Tape-Modus

Noch ein kurzes Wort zu einem versteckten Goodie im Lofi-12 XT: Wer möchte, kann im Hintergrund den Mixtape-Modus aktivieren. Wie bei einem Lauschangriff wird hier die ganze Zeit mitgeschnitten, was ihr bei euren Performances anstellt. Bis zu drei Stunden Audiomaterial landen dann auf der SD-Card und stehen euch zur weiteren Bearbeitung oder direkt als fertiger Track zur Verfügung. Das ist ein Feature, das ich sehr gerne in allen Grooveboxen sehe würde. Denn nicht selten hat man vor sich hingejammed nur um sich im Anschluss zu denken: „Hätte ich bloß auf Aufnahme gedrückt“

Alternativen zum Lofi-12 XT

Wenn man es speziell auf den LoFi-Sound abgesehen hat, gibt es zum Lofi-12 XT derzeit keine wirkliche Alternative, außer den LIVEN-Lofi-Modellen aus eigenem Haus. Hier muss man dann aber auf sehr viele sinnvolle Dinge wie etwa längere Samples, mehr Tracks, oder Polyfonie verzichten. Daher sehe ich den LIVEN Lofi 12 (oder 6) eher als Zweitgerät, während man mit dem Lofi-12 XT durchaus in der Lage ist, komplette Tracks zu produzieren.

Elektron Model:Samples verfügt über eine größere Oberfläche, bietet aber von allem ebenfalls deutlich weniger: Monosamples, nur 6 Tracks usw. Im Live-Einsatz finde ich die größeren Bedienelemente zwar praktischer, würde aber aufgrund der Feature-Dichte dann doch eher zum Lofi-12 XT greifen.

Bleibt noch der Teenage Engineering EP-133, den ich auch als stärksten Mitbewerber sehe. Die Taschenrechner-Groovebox mag vielleicht nicht so robust daherkommen wie der Lofi-12 XT, bietet zu einem etwas günstigeren Preis aber ebenfalls eine sehr solide Ausstattung mit sechs Stereospuren (oder 12 Mono-Tracks), (Master-)Effekten, sowie einen umfangreichen Sequencer.

Sonicware Lofi-12 XT
Rundes Gesamtpaket für LoFi-Fans: Sonicware Lofi-12 XT

Sonicware Lofi-12 XT Test: Fazit

Solide Verarbeitungsqualität, ein praktisches Handheld-Format und Pads mit Velocity, die gut reagieren; Ich hatte viel Spaß mit dem Lofi-12 XT, und für mich war das Gesamtverhältnis von Funktionen gegenüber intuitivem Workflow genau richtig. Lediglich die Sample-Organisation ist am Anfang etwas verwirrend.

Was für mich jedoch wirklich hervorstach, war der ausgewogene Klang. Natürlich ist er etwas LoFi (was natürlich das zugrunde liegende Konzept ist), aber die Sample-Raten-Reduktion in Kombination mit dem Master-Kompressor erzeugt einen schönen Glue-Effekt.

Vermisst habe ich vor allem Einzelausgänge oder zumindest EQs auf den einzelnen Spuren fürs Mixing. Als Workaround könnte man den Filter oder den EQ als Effekt pro Spur verwenden, aber das bleibt ein Kompromiss.

Auf dem Markt gibt es bereits einige Sampler, und selbst in dieser Preisklasse ist die Konkurrenz stark. Aber wenn ihr nach einem Sampler mit Charakter sucht, der zudem ein starkes Feature-Set bietet, solltet ihr euch den Lofi-12 XT einmal ansehen.

8.3 TOTAL SCORE

Sonicware LoFi-12 XT

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Sound 9
Features 7
Bedienung 9
Preis/Leistung 8
PROS
  • Runder Retrosound
  • Gute Feature-Ausstattung im kompakten Format
CONS
  • Keine Möglichkeit, dominante Mitten abzusenken, außer per Low-Cut
  • Keine Einzelausgänge
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