Test LEWITT LW6: Kabelloser Studiokopfhörer ohne Klangverluste

LEWITT LW6 Test

Das österreichische Unternehmen LEWITT kennen einige von euch vielleicht schon durch ihre professionellen Studiomikrofone. Nun wagt sich der Hersteller mit dem LW6 auch ins Kopfhörer-Segment vor. Und nicht nur das: Lewitt versucht direkt den Spagat zwischen Referenzsound und kabelloser Übertragung.

Im Gegensatz zu anderen Lösungen soll diese hier unkomprimiert sein. Damit das gelingt, kommt mit RealSound eine eigene Technologie zum Einsatz. Ob der knapp 600 € teure Kopfhörer die hohen Erwartungen erfüllt, erfahrt ihr im Lewitt LW6 Test.

Sound 9
Features 10
Bedienung 9
Preis/Leistung 7
Pro
  • Kabellose Übertragung mit sehr niedriger Latenz
  • Betrieb ohne Rechner möglich
  • Umfangreicher Lieferumfang
  • Flexible Einsatzmöglichkeiten
Contra
  • Hoher Tragekomfort, aber Gewicht macht sich bei langen Sessions bemerkbar
  • Keine alternativen Polster im Lieferumfang

LEWITT LW6 in Kürze

  • Geschlossener Referenzkopfhörer mit verschiedenen Betriebsmodi: Kabellos (losless), Bluetooth, Analog, Digital über USB-C
  • 358 g Gewicht, Memory Foam Ohrpolster
  • Frequenzgang 20-20000 Hz und ausgewogener Klang
  • Interner DSP speichert EQ-Profile
  • Lautstärkeregler und zuweisbare Taster am Kopfhörer

LEWITT LW6: Warum ist dieses Wireless jetzt anders?

Kabellose (Studio-)Kopfhörer gibt es schon länger, allerdings musste man hier entweder Kompromisse beim Sound oder der Latenz eingehen. Der entscheidende Punkt beim LW6 ist die Trennung zwischen Bluetooth, analog und der eigentlichen Studio-Funkverbindung: Für den mobilen Einsatz gibt es Bluetooth 5.3 und die klassische Kabelübertragung der Audiosignale, im Studio kommt dagegen LEWITTs neu entwickeltes „RealSound“ zum Einsatz.

RealSound arbeitet im Ultrabreitbandbereich und überträgt unkomprimiertes PCM-Audio. LEWITT gibt für die Funkstrecke eine Latenz von 5,8 Millisekunden an, wodurch sich der LW6 auch fürs Monitoring beim Recording und Einspielen eignet.

Gerade beim Recording ist das interessant: Wer während einer Aufnahme nicht an das Kopfhörerkabel gebunden sein möchte, kann sich innerhalb der (Sicht-)Reichweite frei bewegen und bekommt das Monitorsignal trotzdem ohne relevante Verzögerung übertragen.

Die Reichweite liegt laut LEWITT bei bis zu fünf Metern. Hindernisse und die Position des Transmitters können die Funkverbindung allerdings negativ beeinflussen, was ich hier anhand einer Stahlbeton-Säule im Raum bestätigen kann.

LEWITT LW6 Test
Kabellos ohne Klangverlust: Der LEWITT LW6

LEWITT LW6 – umfangreicher Lieferumfang

Erste positive Überraschung war der Lieferumfang. Denn neben dem LW6 und dem LW TX RealSound Transmitter fanden sich neben zwei USB-C-Kabeln (1,5 m und 3 m), zwei 3,5-mm-TRS-Kabel, zwei Klinken-Adapter, ein USB-C-auf-USB-A-Adapter, ein Gewindeadapter für den Transmitter, sowie eine Transporttasche.

Vermisst habe ich Ersatzohrpolster, wie es bei anderen Herstellern der Fall ist. Da man kann die Polster recht einfach abnehmen kann, hätte ich mich über eine Velours-Alternative gefreut. Das Material finde ich im Dauereinsatz deutlich angenehmer, aber möglicherweise wird das bald separat angeboten.

LEWITT LW-6: Tragekomfort

Womit wir direkt beim nächsten Punkt sind, dem Tragekomfort. Der LW6 ist ein geschlossener Over-Ear-Kopfhörer mit 40-mm-Treibern. Die Ohrpolster sind aus Memory-Foam, überzogen mit einer Kunststoffoberfläche. Für heiße Sommer wäre hier die eben erwähnte Velours-Alternative praktisch. Das unauffällige Kopfband ist angenehm zu tragen und lässt sich in Stufen schnell an die Kopfform anpassen. Auch an größere Köpfe.

Im Praxiseinsatz sitzt der Kopfhörer angenehm mit einem moderaten Anpressdruck. Die weichen Memory-Foam-Polster verteilen den Druck grundsätzlich gut, wenngleich die Situation mit Brille etwas differenzierter zu betrachten ist. Die Polster drücken zwangsläufig leicht auf die Bügel, was nach längerer Tragedauer spürbar wird. Auch das Gewicht von 358 Gramm macht sich bei längerer Tragedauer bemerkbar.

Als Akkulaufzeit gibt LEWITT bis zu 21 Stunden an, sicherlich abhängig vom Betriebsmodus und der Lautstärke. Eine Schnellladung von knapp 15 Minuten soll zusätzliche drei Stunden Wiedergabe ermöglichen.

LEWITT LW6 Lautstärkeregler und Transmitter
LEWITT LW6 Lautstärkeregler, frei belebgare Tasten und Transmitter

Verschiedene Wiedergabemodi: Analog, Digital, Bluetooth, Realsound

Der LW6 deckt mehrere typische Szenarien ab: RealSound für kabelloses Studio-Monitoring, USB-C für die direkte digitale Verbindung, analog für klassische Setups und Bluetooth für den mobilen Einsatz.

RealSound – Wireless mit minimaler Latenz

Der LW6 lässt sich auf mehrere Arten betreiben: Für den kabellosen Studioeinsatz dient der LW TX Transmitter. Wird der Transmitter per USB-C mit dem Computer verbunden, kann er dort direkt als Audioausgabegerät ausgewählt werden.

Alternativ lässt sich der Transmitter über USB-C mit Strom versorgen und an den Kopfhörerausgang eines Audio-Interfaces oder einer anderen Audioquelle anschließen. Tatsächlich war das in meinem Fall die häufigste Anwendung.

Die Übertragung vom Transmitter zum Kopfhörer erfolgt lossless mit einer Latenz von unter 6ms. Für diesen Test habe ich direkt den Härtefall ausgepackt: Seit einiger Zeit übe ich mit der App Melodics Finger Drumming. Wenn das Audiosignal hier nicht direkt kommt, kann man die Übungssession knicken. Zwar wäre die Audioübertragung hier nicht ganz so kritisch, das direkte Feedback kam aber ähnlich schnell, wie ich es sonst kenne. Direkt an der DAW dann das gleiche Spiel und auch hier war der Sound direkt da.

Nun muss ich zugeben, dass ich im klassischen Studiobetrieb den LW6 dennoch meistens ganz klassisch per Kabel betrieben habe – wahrscheinlich aus Gewohnheit. Wenn ich aber ohne Rechner produzierte, kam der LW TX Transmitter oft zum Einsatz. Denn sich komplett frei im Maschinenpark zu bewegen ohne hängende Kabel an den Armlehnen, ist schon ein berfreiendes Gefühl. Und das Ganze mit geringer Latenz und gutem Sound.

Übrigens: Falls ihr Gäste im Studio habt, könnt ihr über den analogen Ausgang des Transmitters noch einen weiteren Kopfhörer anschließen, um dasselbe Monitoring-Signal zu teilen.

Per USB-C-Übertragung …

Der LW6 selbst lässt sich auch direkt per USB-C betreiben. In diesem Szenario werden unkomprimiertes PCM-Audio, ASIO und Abtastraten von 44,1, 48 und 96 kHz bei 24 Bit unterstützt. Alternativ steht ein klassischer analoger 3,5-mm-Eingang zur Verfügung.

… und per Bluetooth 5.3 mit SBC und AAC

Falls ihr euch traut, könnt ihr den LEWITT LW6 auch unterwegs einfach zum Musikhören mitnehmen. Mir wäre es zwar etwas zu riskant mich mit einem 600 € Gerät draußen von der Umwelt abzuschotten, aber wer will… Nur bei stömenden Regen würde ich das Teil eher in der Tasche lassen.

LEWITT LW6 Test
LEWITT LW6

Der Sound des LW6 in der Praxis

Und damit kommen wir zum wichtigsten Kriterium bei einem Studiokopfhörer: Dem Klang. Anders als bei den meisten Consumer-Kopfhörern muss dieser möglichst neutral sein, damit man seinen Mix gut beurteilen kann. Eine Akzentuierung von Bass oder Höhen sind da kontraproduktiv. Und diesem Anspruch wird der LW6 durchaus gerecht.

Ich empfinde den Sound als ausgewogen, ohne spitze Höhen und mit definiertem Bassbereich. Die Bühne kam mir allerdings etwas kompakt vor. Das kann auch mit der geschlossenen Bauweise zusammenhängen, die konstruktionsbedingt häufig einen etwas weniger offenen Raumeindruck vermittelt. Trotz der eher kompakten Bühne bieten die LW6 aber eine ausreichende Stereobreite und eine nachvollziehbare Tiefenstaffelung.

Die geschlossene Bauweise des LW6 reduziert den nach außen dringenden Schall ausreichend. Das ist vor allem bei Aufnahmen hilfreich, weil weniger Schall vom Kopfhörer ins Mikrofon gelangen kann.

Parallel ist man weniger Ablenkungen von außen ausgesetzt, allerdings empfinde ich geschlossene Kopfhörer im stundenlangen Einsatz gerne auch etwas anstrengender als die offenen Vertreter. Aber dafür gibt es ja Pausen.

Fürs abschließende Mastering würde ich den LW6 dennoch nicht als alleinige Abhöre verwenden. Denn gerade bei Entscheidungen über Räumlichkeit, Stereoabbildung und Tiefenstaffelung ist ein Gegencheck über eine zweite Abhöre sinnvoll. Falls das vorübergehend nicht möglich ist, könnten die zusätzlichen DSP-Funktionen und die im Lieferumfang enthaltene Space Replicator Essential App dabei helfen, verschiedene Hörsituationen und Kontrollmöglichkeiten abzubilden.

DSP und EQ: Was kann die Software?

Mit der LEWITT HEADPHONES App kann man den Sound mit einem vollparametrischen 5-Band-EQ individuell anpassen und direkt auf dem Kopfhörer speichern. Insgesamt bis zu drei Custom-EQ-Profile können im LW6 hinterlegt werden. Dank des DSP-Chips muss nach erfolgter Konfiguration also auch keine Software im Hintergrund laufen.

LEWITT LW6 Headphones App
Mit der enthaltenen LEWITT Headphones App lassen sich eigene EQ-Profile erstellen und Funktionen ferrnsteuern.

Neben dem EQ stehen weitere sinnvolle Monitoring-Funktionen zur Verfügung. Dazu gehören Mono, Left/Right Swap, Side Mono, Side Stereo, Zielpegel und Loudness Guard. Mit letzterem wird ein Schwellenwert für den Lautstärkeschutz definiert.

Frei belegbare Tasten

Neben dem Lautstärkeregler, Tastern für die Wahl des Betriebsmodus und der Wiedergabetaste, verfügt der LW6 verfügt außerdem über zwei frei belegbare Tasten. Über die mitgelieferte LEWITT Headphones Software lassen sich ihnen verschiedene Funktionen zuweisen. Das ist praktisch, um schnell einen Mono-Check oder andere Monitoring-Funktion direkt am Kopfhörer aufzurufen.

Alternativen zum LEWITT LW6

Im rein analogen Betriebsmodus gibt es etliche Alternativen, wenn die Hauptanwendung aber im kabellosen Betrieb liegt, ist der stärkste Mitbewerber wohl AiAiAi mit dem TMA-2 Studio Wireless. Von der Ausstattung her sind sich beide Modelle recht ähnlich: Auch der geschlossene TMA-2 Studio Wireless kommt mit einer Sendeeinheit, Memory-Foam-Ohrpolster, und einer App zur Klanganpassung. Die Details machen dann aber den Unterschied.

AiAiAi gibt für ihren TMA-2 eine minimale Latenz von unter 10 ms an. Das ist für die meisten Anwendungen ausreichend, liegt aber noch einmal gute 4 ms über den Werten des LW6 – und das kann in der Praxis dann doch zu viel sein.

Auch ist die Audioübertragung beim AiAiAi nicht lossless, sondern auf 320kbps, 48kHz 24-bit begrenzt. Dafür liegt der TMA-2 Kopfhörer preislich bei der Hälfte. Wenn ihr also nur gelegentlich mal kabellos produzieren wollt, könnte der TMA-2 Studio Wireless für euch ausreichen. Falls ihr hingegen dauerhaft im kabellosen Betrieb arbeitet und keine Kompromisse beim Klang eingehen wollt, seid ihr mit der lossless-Übertragung des LW6 auf der sicheren Seite.

LEWITT LW6 Test – Fazit

Derzeit ist der LEWITT LW6 mit seiner unkomprimiertes PCM-Audio Übertragung und sehr geringen Latenz eigentlich alternativlos – wenn man genau dieses Feature möchte. Gerade beim Jammen oder Aufnahmen ist das ein realer Vorteil. Wenn man hingegen ohnehin die meiste Zeit am Abhörplatz sitzt, muss es nicht zwingend kabellos sein.

Aber auch hier schlägt sich der Kopfhörer mit seinem ausgewogenen Sound gut, wenngleich ich offene Studiokopfhörer im Dauereinsatz beim Mixing vorziehe. Da diese aber bei Mikrofonaufnahmen kaum nutzbar sind, versteht man, warum sich LEWITT beim LW6-Konzept für eine geschlossene Bauweise entschieden hat.

Auch bei den Anschlüssen zeigt sich der LEWITT LW6 flexibel: RealSound, USB-C, analoger Eingang und Bluetooth 5.3 decken praktisch alle relevanten Einsatzbereiche ab.

Hinzu kommt eine umfangreiche DSP-Ausstattung: 5-Band-EQ mit eigenen EQ-Profilen, sinnvolle Monitoring-Tools und frei belegbare Tasten. Durch dieses Gesamtpaket wird der LW6 zu einem umfangreichen Studiotool, das weit über den Einsatz als reines Wiedergabegerät hinausgeht.

Weitere Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert