Die besten Studiomonitore für elektronische Musik

Die besten Studiomonitore für elektronische Musik wie Techno, Ambient, House

Wer im Studio oder zuhause elektronische Musik produziert, steht früher oder später vor der Entscheidung, welche Lautsprecher man sich kaufen sollte. Die Bandbreite an (semi-)professionellen Lautsprechern ist mittlerweile extrem groß und nicht jedes Modell eignet sich gleichermaßen zur Beurteilung von Techno, Ambient, House etc. In diesem Artikel geht es also um die Frage: Welches sind die besten Studiomonitore für elektronische Musik?

Bevor ich konkrete Modelle vorstelle, möchte ich aber noch einen Gedanken loswerden. In vielen Studios sehe ich Synthesizer und Outboard-Equipment dessen Gesamtwert nicht selten mehrere Tausend Euro übersteigt. Ich kann das verstehen, denn Hardware-Klangerzeuger machen beim Produzieren oftmals mehr Spaß als die Peripherie drum herum. Dazu kommt, dass Synthesizer den Klang direkt haptisch begreifbar machen. All das ist etwas, was ein Studiomonitor nicht sofort bietet.

Nun ist es aber häufig so, dass neben den Synthesizer-Burgen dann ein paar Billigbrüllwürfel stehen. Ihr trauriges Dasein fristen diese entweder in der Ecke ganz an der Wand, oder halb versteckt hinter dem Computer-Bildschirm. Und an dieser Stelle stelle ich mir dann doch die Frage, wozu ständig vom besseren Hardware-Sound die Rede ist, wenn auf der anderen Seite die Mittel fehlen, diesen vernünftig zu beurteilen.

Gute Raumakustik und hochwertige Lautsprecher sind essentiell

Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: In einem guten Studio sollten erst zwei grundsätzliche Dinge vorhanden sein, bevor man in teure Klangerzeuger investiert. 1. Eine vernünftige Raumakustik. Da kann man mit DIY-Maßnahmen bereits für deutlich unter 1000 € wahre Wunder bewirken. Wenn Punkt 1 erfüllt ist, kann man sich dem zweiten Punkt widmen, gute Studiomonitore. Bis diese beiden Punkte abgehakt sind, kann man problemlos mit einem Computer, DAW, Softsynths und einem guten Paar Studiokopfhörer sensationell klingende Tracks produzieren.

Damit möchte ich niemandem absprechen, sich einen Hardware-Synth für den Spaßfaktor oder den direkten Zugriff anzuschaffen. Das klangliche Argument lasse ich in einem suboptimalen Setting aber nur bedingt gelten.

Die Studiomonitore müssen zum Raum passen

Ergänzend zum vorher gesagten sollte auch die Raumgröße bei der Anschaffung der Monitore beachtet werden. In einem kleinen Raum machen Midfield-Monitore wenig Sinn.

Ebensowenig ist es ratsam, mit dem Kauf eines Subwoofers darauf zu hoffen, dass man einen fehlenden Bassanteil ausgleichen kann, der auf die Größe des Raums zurückgeht. Man dreht dann immer mehr Bass rein, um endlich auch mal etwas zu hören. Am Ende nimmt man am Studiotisch dann ein paar Tieffrequenzen lauter wahr, während der Bass in der Küche am Ende des Flurs die Tassen aus den Schränken fegt.

Welche Eigenschaften müssen gute Studiomonitore für elektronische Musik mitbringen?

  • Linearer Frequenzgang
  • Gute Stereoabbildung
  • Breites Frequenzspektrum
  • Wiedergabe tieffrequenter Signale

PreSonus Eris E5 XT

Den Auftakt dieser Liste macht PreSonus mit ihrer Eris-Reihe. Das hier vorgestellte Modell E5 XT ist mit rund 300 € pro Paar recht günstig und dürfte sich damit vor allem an Einsteiger richten.

Die aktiven Nahfeldmonitore erzeugen bis zu 102 dB. Der Frequenzbereich reicht von 48 bis 20.000 Hz, was allerdings für eine gute Beurteilung des Bassbereichs nicht ausreichen wird. Aber das ist ein Problem, mit dem die meisten Monitore in diesem Preissegment zu kämpfen haben.

Früher oder später sollte man daher einen Subwoofer mit einkalkulieren, wenn es der Raum zulässt. Auf der Rückseite findet sich noch ein rudimentärer EQ inklusive LowCut-Schalter, um die Lautsprecher etwas besser an den jeweiligen Raum anpassen zu können.

Focal Alpha 65

Focal hat mit den Alpha 65 gut klingende Studiomonitore im Programm, die sich mit einem Anschaffungspreis von rund 500 Euro das Paar auch an Einsteiger richten. Der Frequenzbereich geht runter bis 40 Hz, wodurch auch Bässe noch einigermaßen gut abgebildet werden. Für die Beurteilung eines guten Clubmix fehlt nach unten zwar noch etwas, weshalb man hier ebenfalls über einen Subwoofer nachdenken könnte.

Auf der Rückseite der Boxen findet sich ein grafischer EQ. Mit diesem kann man die Lautsprecher noch etwas an den Raum anpassen. Dadurch kann man Über- oder Unterbetonungen einzelner Frequenzbereiche entgegenwirken. Einen optimierten Raum ersetzt ein EQ natürlich nicht, aber etwas Optimieren geht damit schon. Mit einem Schalldruck von maximal 106 dB (bei 1m) erzeugen die Focal Alpha 65 auch genügend Lautstärke, wenn einem mal danach ist.

Yamaha HS-8

Yamaha hat jahrzehntelange Erfahrung in der Herstellung von professionellen Studiolautsprechern. In dieser Tradition steht auch die Lautsprecher der HS-Serie, die mittlerweile in unzähligen Home- und Projektstudios zu finden sind. Und das aus gutem Grund: Für rund 520 € pro Paar bietet das hier empfohlene Modell HS-8 ein echt gutes Preis-Leitungsverhältnis.

Insgesamt 120-Watt Leistung wird über zwei Lautsprecher abgegeben. Dank 8″ Tieftöner und Bass-Reflex-System reichen die HS-8 runter bis 38 Hz, was man vor allem bei höheren Lautstärken angenehm im Bassbereich merkt. Die Speaker klingen recht ausgewogen, machen dabei aber trotzdem noch Spaß. Zur Anpassung an den Raum gibt es auf der Rückseite der HS-8 zwei Schalter zur Absenkung und Erhöhung der Bässe und hohen Frequenzen. Nicht ganz so glücklich gelöst finde ich die Ausführung des Bass-Reflex-Rohrs nach hinten heraus. Im Gegensatz zur Frontvariante ist es hier bei naher Wandaufstellung wahrscheinlicher, dass es zu Phasenschweinereien kommt. Wenn man das beachtet und den Abstand variiert, bis es am Hörplatz gut klingt, ist das aber kein großes Thema.

Adam Audio A8X

Die Adam Audio A8X werden gerne als Studiomonitore für elektronische Musik empfohlen. Mit einem Frequenzbereich von 38 – 50.000 Hz decken sie ein breites Spektrum ab, das auch Bässe noch gut wiedergibt. Ansonsten gilt hier auch die Empfehlung, für eine gute Beurteilung des Subbass-Bereichs von Club-Tracks noch einen Subwoofer dazuzustellen. Bis dahin sind die A8X aber ein sehr verlässlicher Partner, wenn man mit etwas Erfahrung mischt und sich teilweise auf Analyzer verlassen möchte.

Adam Audio setzt bei ihren Lautsprechern auf ein eigenes Hochtönerkonzept (X-ART). Diese sind in der Lage, hohe Frequenzen sehr detailliert abzubilden, werden von einigen Produzenten im Dauerbetrieb aber als etwas anstrengend empfunden. Hier lohnt es sich unter Umständen, die hohen Frequenzen für die Abhörsituation etwas abzusenken. Ich konnte diese Kritik nicht nachvollziehen, wollte es aber dennoch hier aufführen.

Zur Anpassung an den jeweiligen Raum spendierte Adam Audio den A8X auf der Rückseite EQs für hohe und tiefe Frequenzen, die sehr effizient wirken. Mit maximalem Schalldruck von 120 dB (Peak / 1m) kann man die Monitore recht laut betreiben. Zu beachten ist noch, dass die A8X mit 12,8 kg pro Speaker bereits ein recht hohes Eigengewicht haben.

Genelec 8040 BPM

Als zweites Paar in der Klasse zwischen 1000-2000 € kommen die Genelec 8040 BPM mit einem Paarpreis von rund 1500 € ins Rennen. Die 8040 zeichnen sich durch einen recht analytischen Klang aus, dessen Stärken vor allem eine hohe Impulstreue und recht gute Tiefenstaffelung sind.

Die Raumapassung erfolgt etwas ungewöhnlich über DIP-Schalter auf der Gehäuserückseite. Das ist nicht ganz so intuitiv wie mit einem Drehregler, erfüllt Dank umfangreicher Beschaltungsmöglichkeiten seine Aufgabe aber gut.

Im Direktvergleich mit den Adam Audio A-8X klingen die Genelec direkter klingen und machen etwas weniger „Spaß“. Dafür lösen sie aber noch einen Tick besser auf. Hier muss jeder für sich entscheiden, was ihm lieber ist. Für elektronische Musik wichtig ist der Tiefbassbereich, der bei den 8040 BPM bis 45 Hz reicht. Hier haben also die Adam A8X wieder die Nase vorn. Wer den Sound der Genelecs bevorzugt, aber nicht auf den Tiefenschub verzichten möchte, sollte sich das nächst größere Modell Genelec 8050 mal ansehen. Der 8″ Tieftöner reicht hier herunter bis 38 Hz, was sich definitiv bemerkbar macht.

Adam Audio S3H: Wenn das Budget keine Rolle spielt

Zum Abschluss noch eine Studiomonitor-Empfehlung im höheren Preissegment. Zugegeben, diese Lautsprecher hauen mit einem Paarpreis von mehreren tausend Euro ein ziemliches Loch ins Konto. Ich wollte sie trotzdem in diese Liste aufnehmen, da es in diesem Preissegment kaum Alternativen gibt, die a) so eine geniale Stereobreite, b) akkurate Impulstreue und c) Spaß bei der elektronischen Musikproduktion bieten.

Adam hat mit den S3H ein sensationelles Produkt auf den Markt gebracht, das sowohl als Nahfeld- als auch als Midfield-Monitor eine gute Figur macht. In höheren Lautstärken kommt Club-Feeling auf, ohne dass man jedoch den Überblick verliert, weil sich etwa Frequenzen zu starküberlagern. Die Auflösung ist erstaunlich und legt im Vergleich zu den Lautsprechern im Preissegment bis 3000 € noch einmal ganz schön drauf: Transienten werden exakt wiedergegeben, man hört selbst kleinste Veränderungen bei der Anpassung von Dynamikprozessoren, EQs oder Reverbs.

Was mich aber fast noch mehr beeindruckte war die Tiefenstaffelung bei geringen Lautstärken. Nur wenige Studiomonitore schaffen es, Audiosignale auch bei geringer Zimmerlautstärke so wiederzugeben, dass man den Mix zuverlässig beurteilen kann.

Die S3H beherrschen beides und treten damit in Konkurrenz zu Lautsprechern, die noch einmal das doppelte Kosten. Natürlich sind rung 5500 € sehr viel Geld. Wenn man einige Zeit eisern spart, ist das aber vielleicht doch im Rahmen des Möglichen. Und dann sind die S3H wahrscheinlich das letzte Paar Studiomonitore, das man sich anschafft.

Fazit: Studiomonitore für elektronische Musik

Neben den hier gezeigten Modellen gibt es selbstverständlich noch unzählige andere Vertreter, die infrage kommen. Die hier vorgestellten Lautsprecher sind eine Auswahl derer, die ich entweder selbst im Einsatz hatte, oder die ich aus anderen Studios kenne.

Über die Jahre habe ich gelernt, dass gute Lautsprecher das wesentliche Element im Studio sind. Hier sollte man also eigentlich am wenigsten sparen. Es geht natürlich immer nur so viel, wie es das jeweilige Budget erlaubt. Mein Tipp daher: Nehmt keinen Kredit auf, aber kauft auch nicht zu günstig. Ab einer (Low-Budget) Leistungsklasse lohnt es sich echt mehr, das Geld in gute Kopfhörer zu investieren, statt in semigeilen Studiomonitoren zu verbrennen.

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