Test Behringer JN-80: Analoger Polysynth auf Juno-60-Spuren

Behringer JN-80 Test

Mit dem JN-80 versucht Behringer, den Sound des legendären Roland JUNO 60 in die aktuelle Zeit zu holen. Und das nicht nur in einem etwas kompakteren Format, sondern auch günstiger und mit sinnvollen technischen Erweiterungen. Wie gut das gelungen ist, erfahrt ihr im Behringer JN-80 Test. Doch zunächst einmal gibt es ein Demo zur Einstimmung.

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Behringer JN-80 Presets Für Ambient, Electronica und Techno – Demo

Behringer JN-80 – Das Wichtigste in Kürze

  • Analoger Polysynth mit acht Stimmen, inspiriert vom Roland Juno 60
  • Erweiterter LFO mit Dreieck, Rechteck, Saw (Up/Down), und Sinus
  • Ein DCO pro Stimme mit Sägezahn und Pulse (PWM), sowie Suboszillator
  • Hüllkurve lässt sich von exponentiell auf linear umstellen
  • Derzeit noch mit vielen Kinderkrankheiten, vor allem die App
  • Mittelmäßige Tastatur
Sound 9
Features 7
Bedienung 7
Preis/Leistung 7
Pro
  • Authentischer Retro-Sound
  • Erweiterte Möglichkeiten gegenüber dem Juno-60 (LFO-Shapes, Hüllkurvencharakteristik)
Contra
  • Mittelmäßige Tastatur
  • Zurzeit noch erhebliche Software-Probleme unter Mac-Systemen

Behringer JN-80 Test: Erster Eindruck – die Hardware

Anschlüsse und Regler

Beim Auspacken des ersten Testgeräts wurden gleich Erinnerungen wach an andere Behringer-Synths mit Tastatur. Die Regler laufen weich mit leichtem Widerstand, die Taster und Schalter fühlen sich hier etwas schwammig an. Nichts dramatisches, aber wer die strafferen Taster und Potis eines OB-6, Blastbeats, oder Prophet 5 bevorzugt, wird sich hier erstmal eingewöhnen müssen.

Auf der Rückseite des JN-80 findet sich eine üppig ausgestattete Anschlusssektion. Hier finden neben USB-Anschluss, Sustain- und CV-Pedal-Eingänge, Kopfhörer- und L/R-Klinkenausgängen sogar ein vollständiges MIDI-Trio und Sync Platz.

Behringer JN-80 Test - Anschluesse
Behringer JN-80 – Anschlüsse

Spezialfall Tastatur

Zur Tastatur muss ich jetzt nicht viel sagen. Das Schwammige kenne ich schon von anderen Behringer Synths in dieser Preisklasse. Auf dem Markt gibt es sicherlich bessere, aber auch ein paar schlechtere Tastaturen als die, die im JN-80 verbaut wurde.

Gestört hat mich der etwas zu schnell reagierende Aftertouch, Velocity auf Filter schien zumindest bei meinem Modell keinen Effekt zu haben. Entgegen anderer Tests da draußen funktionierte bei meinem JN-80 der Pitch/Mod-Bender hingegen tadellos. Insofern bleibt nur zu hoffen, dass Behringer noch eine Desktop-Variante nachschiebt. So braucht man für eine mittelmäßige Tastatur keinen Studioplatz zu opfern und bekäme trotzdem den recht guten Sound des JN-80. Womit wir direkt ins Wesentliche einsteigen…

Behringer JN-80: Tastatur
Behringer JN-80: Tastatur eher unteres Mittelmaß

Behringer JN-80 Soundengine

… den Sound. Klanglich hat mich der JN-80 echt überrascht. Nachdem Synths wie z.B. MS-1 MKI und MKII zwar in die Richtung des Originals gingen, Mitbewerber wie Roland mit dem SH-01a oder Donner mit dem L1 aber noch einmal deutlich näher am Sound waren, finde ich, dass Behringer mit dem JN-80 einen guten Job gemacht hat.

Überhaupt ist der JN-80 ein absoluter Sweetspot-Synth, wie auch das Original. Das ist in den meisten Fällen ein Vorteil, richtig böse oder schräg wird es aber nie.

Die Oszillatoren: Roland-Bauch inklusive

Zunächst ist da der Oszillator. Die Schwingungsformen Sägezahn und Pulswelle der DCOs lassen sich – wie bei der Originalvorlage – per Schalter aktivieren. Der Suboszillator kann ebenso wie das Rauschen stufenlos hinzugemischt werden.

Wie schon bei anderen Roland-Clones von Behringer finde ich besonders die Pulswelle gelungen. Bei den Originalen mochte ich immer schon das Rechteck, das mit seinem hohlen Grundsound perfekt für bauchige House-Bässe ist. Dieser Charakter ist auch beim JN-80 vorhanden. Die Pulsbreitenmodulation geschieht beim JN-80 manuell, per LFO oder per Hüllkurve.

Weiter geht es ins Filter

Das Filter hingegen war bei anderen Behringer-Clones immer auch die Achillesferse, sei es beim MS-1, der TD-3 MO, oder dem System 100: Immer war da etwas pfeiffendes in der Resonanz, das dem typischen „liquid-„Sound der Originale im Weg stand.

Beim 24 dB Tiefpassfilter des JN-80 hat Behringer es meiner Meinung nach erstmals geschafft, diesen Charakter akkurat einzufangen. Auch die Selbstoszillation ist nach einer Aufwärmphase von 20-30 Minuten als Sinuswelle über einen weiten Bereich spielbar.

Behringer JN-80 Test Draufsicht

Das Hochpassfilter ist unspektakulär, verrichtet seine Aufgabe, zu fette Sounds für die bessere Integration in den Mix mal eben auszudünnen. Filtercutoff lässt sich beim JN-80 durch LFO und Hüllkurve automatisieren, sowie via Aftertouch, Modwheel und Velocity steuern.

Hüllkurven und LFOs – sinnvoll erweitert

Womit wir direkt zu den Modulationsquellen kommen. Die Hüllkurve hat genug Schnapp für perkussive Bässe und Leads, aber auch Pads gelingen schnell. Bei Bedarf kann man die Charakterstik beim JN-80 zwischen exponentiell und linear umschatlten.

Gleiches gilt für den LFO: Die Frequenz reicht hier nicht in den hörbaren Bereich, aber Behringer erweiterte das originale Konzept noch um zwei sinnvolle Features: Zum einen stehen neben Dreieck noch Rechteck, Sinus, sowei auf- und absteigender Sägezahn als LFO-Wellenform bereit.

Das alleine ist für elektronische Musik schon praktisch. Optionaler Key-Reset und die Synchronisation des LFOs zur Arpeggiator-/MIDI-Clock holen das bewährte Konzept dann aber ganz in die Gegenwart und erweitern auch das klangliche Spektrum, ohne den Sweetspot-Pfad zu verlassen.

Arpeggiator und Chorus

Der Arpeggiator des Behringer JN-80 ist recht einfach gehalten und bietet neben unterschiedlichen Taktarten und Oktavierungen, noch verschiedene Auf-/Ab-Muster, sowie Zufallswiedergabe.

Behringer JN-80 Test
Behringer JN-80 – Guter Sound mit Roland-Flair

Nachdem ich damals vom TC Electronic JUNE-60-Chorus enttäuscht war, muss ich sagen, dass ich die Chorussektion im Juno-60 wiederum brauchbar finde. Die drei Modi verdichten das Signal angenehm und holen schöne Schwebungen ins Stereobild.

Defekte Stimme, JN-80 FW-Update via Synthtribe am Mac? Katastrophe

Um es kurz zu machen: Ich update meine Geräte immer direkt nach Ankunft, um behobene Bugs einzufangen. Hier war es eine Stimme, die im Vergleich zu den anderen acht Stimmen nicht korrekt funktionierte und in der Lautstärke abwich. Vielleicht war nur ein Kalibrierungsthema, das sich mit einem Update beheben lässt?

Synth an den Rechner (M1 Macbook, Tahoe) angeschlossen, aktuelle Synthtribe-Version von der Herstellerseite gezogen und auf dem Mac installiert. Der JN-80 wurde direkt erkannt und gab mir zu verstehen, er will erst einmal ein Update. Gerne, denke ich mir und bekomme dieses wohlig warme Gefühl, als der Fortschrittsbalken loslegt. Tja, 30 Minuten später steht er immer noch auf der gleichen Stelle. Nichts geht mehr, Totalabsturz. Und die Hardware direkt mit in den Abgrund gezogen. Also erstmal eine Mail an den Support …

… welcher Support?

Da sich der Support erst zehn Tage später mit der Lösung zurückgemeldet hatte, ich solle das Update doch mal mit der Synthtribe Version 3.0 probieren, war der JN-80 längst wieder zurückgegangen. Denn ich hatte keine Lust, das 30-Tage Money-Back-Fenster zu verpassen.

Kurz darauf bekam ich von Thomann aber ein Austauschgerät, dieses Mal ohne defekte Stimme, aber ebenfalls update-würdig. Also wieder an die Synthtribe-App, dieses Mal wie empfohlen mit der 3.0.

Nur wurde der JN-80 hier nicht erkannt, weil er anscheinend erst ab der 3.2 überhaupt unterstützt wird. Ok, kann auch einem Support passieren. Als ich dann wieder das Update mit der ganz aktuellen Synthtribe-App fahren wollte, hat es den nächsten JN-80 ins Nirvana geschossen. Ein dritter Versuch kam nicht infrage, aber über Umwege konnte ich mir letztlich ein funktionierendes Gerät mit aktueller Firmware organisieren.

Was ich bei meiner Recherche herausfand: Das Problem betrifft wohl die Synthtribe App auf dem Mac. Und ja, ich habe viel probiert: Unterschiedliche USB-Ports am Rechner, verschiedene USB-Kabel, kein Hub dazwischen usw.

SysEx-Übertragung eigener Presets vom Behringer JN-80 auf den Computer? Fehlanzeige

Mit dem funktionierenden Gerät konnte ich dann direkt ins Sounddesign einsteigen und vierzig Presets programmieren. Als ich die Bänke dann auf dem Rechner sichern wollte kam gleich das nächste Thema auf.

Die Synthtribe-App untertützt nur den Upload von allen Presets, nicht aber von einzelnen Bänken oder Sounds Aber zum Glück gibt es einen inoffiziellen Librarian / Editor, an dem anscheinend auch der Entwickler von Behringer beteiligt war. Nur läuft diese App nicht auf meinem M1-Mac.

Zugriffsrechte übers Terminal eingeräumt etc. – keine Chance. Support? Wieder einmal nicht erreichbar. Ich höre hier auf und verpacke den JN-80 in der Hoffnung, dass sich noch jemand in den nächsten Tagen zurückmeldet. Ansonsten geht der Synth wieder zurück.

Behringer JN-80 Librarian geht nicht auf dem Mac? Geht doch – aber mit Umweg

(Update) Es hat sich zwar niemand vom Support gemeldet, aber in einem stillen Moment fiel mir ein, ich könnte mal meinen alten, verstauten Intel Mac (Ventura) reaktivieren. Und siehe da: Es geht!

Also: Wenn ihr den kostenlosen JN-80 Editor nutzen wollt, müsst ihr – Stand heute -, entweder auf Windows gehen (nicht probiert), oder einen alten Mac reaktivieren und hier per „Ctrl“+Klick auf das App-Symbol den Editor starten. Durch diese Tastenkombination hebelt ihr den Schutzmechanismus vom Mac OS aus und könnt dann den Editor auch einsetzen.

Alternativ könnte auch Rosetta 2 für den Mac helfen, mit dem man ältere Intel-basierte Apps auf aktuellen Silicon-Macs laufen lassen kann. Diese Lösung habe ich nicht getestet, freue mich aber über Kommentare, wenn ihr das so zum Laufen gebracht habt.

Behringer JN-80 Test: Fazit

Am Ende bleibt ein durchwachsener Eindruck. Denn der Behringer JN-80 klingt echt gut. Auch ist das Roland-Filter hier deutlich besser getroffen, als bei vielen anderen Behringer-Kopien mit Roland-Vorlage. Auch die erweiterten Möglichkeiten zur Klanganpassung, die zusätzlichen LFO Schwingungen und Unterstützung von Velocity und Aftertouch könnten aus dem JN-80 einen richtig guten, preiswerten Synth machen.

Aber durch die Dinge, die zum Zeitpunkt dieses Tests noch nicht rund oder gar nicht laufen, kann ich (Mac-Usern?) nur empfehlen, noch etwas zu warten. Hinzu kommt – und das muss ich leider so deutlich sagen – ein unterirdischer Support von Behringer. Wenn man erst nach zehn Tagen antwortet und dann auch noch falsche Hinweise liefert, sollte man lieber ganz drauf verzichten und es klar kommunizieren. Ich bin nur froh, diese Fehler nicht erst am Ende der 30-tägigen Rückgabefrist entdeckt zu haben. Und so geht das Teil nun zurück …

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