Korg opsix Tutorial: 5 versteckte Funktionen, die man kennen sollte

Korg opsix Sound Design Tutorial

KORG opsix dürfte einer der spannendsten FM-Synthesizer sein, die jemals als Hardware auf den Markt kamen. Neben dem direkten Zugriff sind es vor allem die umfangreichen Möglichkeiten zum Sounddesign, durch die er sich von anderen FM-Synths abhebt. Wie ihr noch mehr aus dem Synth herausholen könnt, erfahrt ihr in diesem Korg opsix Tutorial.

Mod Matrix

Zwar bieten viele Parameter wie etwa Filter Cutoff, Operatoren-Level oder -Tonhöhe bereits in ihren Sektionen vordefinierte Verknüpfungen für Modulationen. Spätestens aber wenn man die vorgegebenen Pfade verlassen möchte, kommt man hier nicht weiter.

Glücklicherweise bietet der Korg opsix eine Modulationsmatrix, die es ermöglicht, bis zu zwölf Quellen mit zwölf Zielen zu verknüpfen; zusätzlich zu den eben erwähnten, fest vorgegebenen Modulationszuweisungen. In die Modmatrix kommt man, indem man gleichzeitig Shift und „Mod“ im Bereich Processors drückt.

Korg Opsix Tutorial Mod Matrix
Korg opsix Mod Matrix (Shift & Mod)

Korg hat für die Modmatrix die Bezeichnung Virtual Patch gewählt. Innerhalb der Matrix finden sich pro Slot jeweils drei Parameter: Die Quelle ganz links bestimmt, wodurch das Ziel moduliert werden soll, was wiederum ganz rechts definiert wird. Quellen können LFOs, Hüllkurven, CC-Werte, Velocity oder sogar Aftertouch sein. Letzterer fehlt der Tastatur des opsix zwar leider. Hierüber kann man Aftertouch dann aber zumindest mit einer externen Tastatur nutzen.

Mit dem Regler in der Mitte bestimmt man zuletzt noch die Intensität der Modulation. Besonders gut gelöst ist, dass man für die Intensität noch eine zweite Quelle bestimmen kann.

Eigene FM-Algorithmen erstellen

Ein gern übersehenes Feature ist die Möglichkeit, eigene FM-Algorithmen zu erstellen. Zwar bietet der opsix bereits eine umfangreiche Auswahl sinnvoller Kombinationen. Wenn man aber zum Beispiel die FM-Algorithmen eines MEGAfm oder Ableton Operator nachbauen möchte, kann man hier einzelne Operatoren aktivieren, deaktivieren, komplett frei miteinander verschalten und Feedback-Schleifen einrichten.

Dieses Highlight findet ihr, indem ihr mit Shift und Betätigen der „Filter“-Taste in das MISC-Menü kommt. Hier müsst ihr dann zum Punkt „USER ALG“ navigieren und mit „Yes“ bestätigen.

Korg opsix Tutorial - Eigene Algorithmen
Korg opsix Tutorial – Eigene Algorithmen

Mithilfe der beiden „Page-Taster“, sowie der beiden „OP Select-Taster“ bewegt ihr euch zwischen den einzelnen Operatoren. Dabei legt ihr fest, wie stark die einzelnen Operatoren jeweils auf die anderen fünf einwirken sollen. Zudem könnt ihr bestimmen, welche Operatoren am Ende als Signal am Master-Out vorliegen, gemutet bleiben, oder zur Modulation genutzt werden. Signale, die am Master-Out anliegen werden mit einem Pfeilsymbol dargestellt, das nach unten zeigt. Final könnt ihr hier noch global und für jeden einzelnen Operator die Feedback-Schleife einrichten.

Leider kann man eigene FM-Algorithmen nicht global abspeichern, sondern nur im jeweiligen Patch. Ich empfehle daher, INIT-Templates mit eigenen Kreationen anzulegen und diese sinnvoll benannt weit hinten in den Speicherplätzen abzulegen.

Phase

Für harte Bässe und Percussion-Sounds kann es sinnvoll sein, eine feste Phasenlage vorzugeben. Umgekehrt profitieren analog klingende Sounds von frei schwingenden Oszillatoren, die mit Schwebungen lebendiger klingen. Beim opsix ist man in der Lage, das Verhalten der Phase frei zu bestimmen.

Hierzu geht man mit der Kombination Shift und (zweimal) Filter in das Miscellaneous-Menü des opsix. Bei Sync hat die Phase bei jedem Tastenanschlag den gleichen Wert, die Schwingungsform der Operatoren starten also jedes Mal ganz am Anfang.

Korg Opsix Tutorial Phasenlage
Korg Opsix Tutorial – Phasenlage bestimmen

Stellt man den Wert auf „free“ entspricht das Verhalten frei laufenden Oszillatoren in einem analogen Synthesizer. Die Operatoren laufen also geloopt von Anfang bis Ende durch und werden beim Tastenanschlag nicht neu gestartet.

Random (RND) sorgt schließlich dafür, dass bei jeder gespielten Note ein zufälliger Wert der Schwingungsform genommen wird, von wo aus der Durchgang dann startet.

Aliasing

Falls ihr dem Sound noch mehr Schmutz mitgeben wollt, gelingt das auf zwei Weisen: Zum einen seid ihr sicherlich schon über den Bit Crusher in der Effektsektion gestolpert, wo sich der neben der freien Reduzierung der Bitrate auch die Sample-Rate herunterschrauben lässt. Wie zu erwarten verpasst man dem Signal damit einen herrlich körnigen Charakter, der sich im Mix gut durchsetzt.

Korg Opsix Tutorial LoFi
Korg Opsix Tutorial – Unter „Verschiedenes“ versteckt sich LoFi

Etwas subtiler geht es an einer anderen Stelle zu. Unter der Menüebene MISC (Shift-Taste + Filter / MISC) findet ihr den Bereich PROG MISC, dem wir schon beim Einstellen der Phase in diesem Korg opsix Tutorial begegnet sind. Hier gibt es zusätzlich noch einen LOFI-Parameter, der sich mit Drehen des „D“-Reglers aktivieren lässt.

Erweitertes Sounddesign auf Oszillatorebene

Zu den erweiterten Möglichkeiten gelangt ihr, indem ihr bei den Operatoren „Mode“ wählt und hier oben links im Menü zwischen den Modi hin und her wechselt. Je nach ausgewähltem Modus stehen euch dann andere Parameter zur Verfügung. Was für sich alleine schon eine gewaltige Spielwiese offenlegt, wird gerade in Kombination mit der Modmatrix zu einem mächtigen Soundddesign-Tool.

Korg Opsix Tutorial - erweiterte Operatorenmodelle
Korg Opsix Tutorial – erweiterte Operatorenmodelle

Denn sämtliche Parameter, die man hier auswählen kann, stehen euch auch in der Modmatix zur Verfügung. Zusätzlich finden sich hier zum Beispiel auch noch weitere Filter-Modelle, wie zum Beispiel LP/BP/HP als Moogkaskade, die man im eigentlichen Filter vermisst. Wenn man nun die klassischen Quellen wie Hüllkurven oder LFOs auf diese(n) Cutoff(s) ansetzt, hat man je nach Algorithmus ein mächtiges virtuell analoges Modularsystem vor sich: Mit bis zu sechs Oszillatoren und jeder mit eigenem Filter!

Korg opsix Tutorial – Fazit

Zugegeben: Ich habe hier nur an der Oberfläche gekratzt, denn gerade die unterschiedlichen Operatorenmodi bieten genug Stoff für weitere Artikel. Aber auch die umfangreich ausgestattete, gut klingende Effektsektion ist voller Optionen, sobald man die Parameter über die Modmatrix steuert.

Ihr wollt ein authentischeres Tape-Delay? Probiert mal, die Geschwindigkeit minimal mit einem Sinus-LFO zu steuern, schon habt ihr ein leicht eierndes Band emuliert. Oder nutzt einen Sägezahn-LFO auf das Mischverhältnis im Reverb. So erzeugt ihr druckvolle Pumpeffekte für das im Techno so häufig verwendete Offbeat-Grummeln. Das wichtigste ist aber: Probiert einfach aus!

Falls euch das Korg opsix Tutorial gefällt, guckt euch mal diese Artikel an:

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