Korg opsix Test – FM Synthesizer mit 6 Operatoren und VA-Synthese

Korg opsix Test

Korg stellte mit dem opsix einen FM Synthesizer vor, der klassische FM-Synthese mit sechs Operatoren und subtraktive Elemente wie Waveshaping und Filter miteinander verbindet. Zusätzlich spendierte das Unternehmen dem Synth noch zahlreiche Bedienelemente und verpackte das Ganze in einem kompakten Gehäuse. Das klingt spannend, denn FM Synthese war schon immer ein fester Bestandteil von Techno und anderen Genres. Wie sich Korgs Neuzugang im Bereich elektronischer Musik schlägt, erfahrt ihr im Korg opsix Test. Zur Einstimmung gibt es wie immer aber erstmal ein Video.

KORG opsix Sound Demo

Korg opsix Test – der erste Eindruck

Beim Eintreffen des Kartons fällt sofort auf, dass der Korg opsix ein echtes Leichtgewicht ist. Falls man also vorhat ihn regelmäßig mit auf die Reise zu nehmen, wird man sich über die Kiloersparnis freuen. Vor allem auch, da der Synthesizer trotz des geringen Gewichts immer noch recht robust erscheint. An Anschlüssen bietet der opsix mit zwei Line-Outs, Kopfhörerausgang, USB-Anschluss (MIDI / Editor?) und einem traditionellen MIDI In / Out die Grundausstattung.

Korg opsix Test - Schrägansicht
Korg opsix: FM Synthese mit 6 Operatoren und subtraktiven Elementen

Das Adjektiv hochwertig würde ich hier allerdings nicht bemühen. Denn gerade die Tastatur wirkt bei dem opsix recht billig. Das ließe sich allerdings noch verschmerzen, wenn man sich bei Korg nicht den Fauxpas geleistet hätte, auf Aftertouch zu verzichten. Liebe Produktentwickler bei Korg: Gerade FM Synthese möchte ausdrucksstark gespielt werden! Auf der anderen Seite bieten die Fader und Drehregler einen angenehmen Widerstand. Die Taster scheinen mir auch für den Dauereinsatz geeignet.

Beim Durchgehen der Presets stellte ich aber fest, dass diese echt nicht auf Produzenten aktueller elektronischer Musik abzielen. Nach einer Flut von langweiligen E-Pianos, 80s Glöckchen und Orgelsimulationen für die Fusion-Rock-Band kamen ab Postion 90 endlich mal ein paar ganz nette Pads zum Vorschein. Sicherlich wollte man bei Korg den breiteren Markt an traditionellen Bühnenmusikern ansprechen. Und so bekommt man lediglich eine Ahnung davon, was der Synth kann. Immerhin motivieren die Presets durch ihre Ausrichtung dazu, selbst tiefer in die Klangsynthese einzusteigen. Und darum geht es am Ende ja auch.

Korg Opsix Test - Anschlüsse auf der Rückseite
Korg Opsix Test – Die Anschlüsse auf der Rückseite

Klangerzeugung im Korg opsix

FM-Synthese

In erster Linie ist der opsix ein FM Synthesizer. Sechs Operatoren mit jeweils eigener Hüllkurve für Lautstärke und Pitch, sowie unterschiedlich einstellbaren Frequenzen, lassen sich gemäß unterschiedlicher Algortihmenmodelle miteinander verknüpfen und gegenseitig modulieren. Soweit ist das nichts neues, aber sobald man in tiefer in die Operatorenebene abtaucht, wird deutlich, was für ein Potential der opsix in sich birgt.

Mehr als nur klassische Operatoren

Pro Operator kann man beim opsix zwischen fünf verschiedenen Betriebsarten umschalten. Zusammen sind das klassische FM, Ring Modulation, Filter FM, Wavefolder und Filter. Alle Modi im Detail zu beschreiben würde den Rahmen des Artikels sprengen. Nur soviel sei gesagt: Allein die Operatorenebene ist für sich schon so ergiebig, dass man damit extrem komplexe Patches erstellen kann. Von analogen Bässen über kristalline Pads bis hin zu metallenen Percussions ist nahezu alles möglich, was den Sounddesigner erfreut.

Wenn man sich das etwas klassischer vorstellen möchte, könnte man die Kernaufgabe der Modi banal damit zusammenfassen, Obertöne hinzuzufügen oder wegzunehmen. Je nach Hüllkurven-Einstellung und den gewählten Algorithmus wandeln sich die Klänge über die Zeit. Was ich am opsix dabei besonders schätze ist der direkte Zugang: Schnell mal den Algorithmus oder die Lautstärkeverhältnisse geändert und schon haben wir es mit einem völlig anderen Klang zu tun. Sicherlich ist auch das nichts neues, aber so spontan wie es im opsix umgesetzt wurde, habe ich es bislang maximal beim MEGAfm gesehen. Und der liegt klanglich ganz woanders.

Filtersektion

Weiter geht das Signal in die Filtersektion, wo man im subtraktiven Verfahren den Klang weiter schleifen kann. Hierfür bietet der opsix verschiedene Filtermodelle, die zum einen die Klassiker Polysix und MS20 emulieren, zum anderen gibt es noch ein kräftiges Multimode-Filter mit 12- und 24 dB Flankensteilheit.

Die Filter klingen durch die Bank gut, wobei ich den MS20 Sound nicht so richtig heraushören wollte. Dennoch ist die Varianz sehr willkommen und man erhält Filtercharakteristika, die von aggressiv bis cremig weich ein breites Spektrum abdecken.

Modulationsmatrix

Drei Hüllkurven und noch einmal so viele LFOs lassen sich in der Modulationsmatrix in zwölf Slots unterschiedlichen Zielen zuweisen. Zudem findet man hier auch die Möglichkeit, Aftertouch als Modulationsquelle festzulegen. Das wäre besonders toll, wenn die Tastatur das auch böte, aber immerhin kann man dieses Versäumnis dann mit einer externen Tastatur überbrücken.

Sequencer und Arpeggiator

Den Sequencer kennen einige im wesentlichen aus dem Korg Minilogue XD. Es handelt sich um einen polyphonen 16-Step-Sequencer mit der Möglichkeit, Parameteränderungen (hier insgesamt sechs) aufzuzeichnen.

Korg opsix Test - Sequencer und Arpeggiator
Korg opsix Sequencer

Der Sequencer kann vorwärts, rückwärts, alternierend oder zufällig spielen. 16 Steps klingt zunächst nicht viel und ist es auch nicht. Wie schon beim Minilogue kann man sich mit folgendem kleinen Trick aber mehr Steps verschaffen:

Mehr Steps mit dem Korg opsix Sequencer – Kurztutorial

  • Arpeggiator aktivieren und auf Achtel, Sechzehntel etc. einstellen
  • Pro Step gebt ihr einen Akkord eurer Wahl ein
  • Der Stepsequencer muss langsamer laufen als eurer Arpeggiator. Ich empfehle, einen Wert von 1/2 oder 1/1
  • Als letztes müsst ihr nur noch sicherstellen, dass die Gatelänge des Steps ausreichend lang ist, damit der Arpeggiator auch bis zum nächsten Step ohne Pause durchläuft.

Probiert diesen Trick einfach mal aus und spielt mit den unterschiedlichen Taktarten und Notenlängen. Wenn ihr zusätzlich noch Anschlagdynamik mit reinbringt, könnt ihr damit spannende Verläufe erzeugen.

Die Effekte im opsix

Damit kommen wir zum letzten Teil in der Signalkette; der Effektsektion. Insgesamt 30 unterschiedliche Effekte lassen sich frei in drei Slots ablegen. Besonders gut fand ich, dass man keine vorgegebene Reihenfolge einhalten muss, sondern auch mal einen Kompressor am Ende nach Delay und Reverb einschleifen kann. Produzenten von Dub Techno wissen dieses Feature zu schätzen.

Die Effektsektion im opsix kann überzeugen
Die Effektsektion im opsix kann überzeugen

Klanglich spielen die Effekte in der Synth-Onboard-Oberliga, wenngleich spezialisierte Hardware-Effekte immer noch die Nase vorn haben. Aber wir reden hier auch von Effektgeräten, die alleine schon fast so viel kosten, wie der opsix insgesamt. Spätestens an dieser Stelle hätte ich mir übrigens Eingänge gewünscht. Es wäre doch klasse, wenn man den Kompressor per Sidechain von einer externen Kick steuern könnte.

Korg opsix Test – Fazit

FM Synthesizer haben seit Bestehen einen festen Platz in der elektronischen Musik. Insofern überrascht es wenig, dass auch der opsix diese Tradition bestmöglich fortsetzt. Warme Pads liegen ihm genauso wie metallene Dub Chords oder fragile Leads. Selbstverständlich beherrscht er auch die nagelnden EBM-Bässe, wie man sie in dem Genre seit Jahren schätzt.

Viel wichtiger ist aber, dass der opsix den Spagat in die Neuzeit schafft und Korg mit den zusätzlichen Features ein echtes Syntheseschlachtschiff zu Wasser gelassen hat. Trotz der vielen Features bleibt der Kahn gut steuerbar, was auch dem ein oder anderen Einsteiger die (zu Unrecht) als komplex verschriene FM-Synthese näher bringen könnte. Ganz ohne Einarbeitung wird es aber auch beim opsix nicht funktionieren, gezielt Klänge aufzubauen. Denn dafür sind die Möglichkeiten dann doch etwas zu umfangreich – zum Glück!

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