Moog Subharmonicon Test und Demovideo

Moog Subharmonicon Test und Video

Moog hat mit dem Subharmonicon einen außergewöhnlichen Synthesizer auf den Markt gebracht. Zentrales Element ist hier ein polyrhythmischer Sequencer, der unabhängig voneinander die beiden VCOs und ihre Suboszillatoren steuern kann. Dabei entstehen sehr interessante Melodieverläufe und Percussion-Loops, die sich hervorragend für Techno und Ambient eignen. Doch bevor wir uns den Moog Subharmonicon im Test näher ansehen, gibt es erstmal etwas zu hören:

Moog Subharmonicon Demovideo

Moog Subharmonicon Test: Verarbeitung und erster Eindruck

Die Verarbeitungsqualität ist wie eigentlich immer bei Moog hervorragend. Alle Regler sitzen fest und bieten einen angenehmen Widerstand, die Patchbuchsen und Schalter sind fest mit der Oberfläche verschraubt. Die relativ weichen Gummitaster in der Sequencer-Sektion sind vielleicht nicht jedermanns Ding, aber sie erfüllen ihren Zweck.

Das Gehäuse präsentiert sich in der gleichen Größe wie beim Mother 32 oder dem DFAM. Dadurch kann man alle drei Geräte (oder zwei) in einem Performance-Rack unterbringen, was auch konzeptionell gut miteinander funktionieren dürfte.

Das Subharmonicon orientiert sich stark an den Vorbildern aus der Frühzeit elektronischer Musikkomposition. Es verschmilzt die zwei legendären Instrumente Trautonium und das von Lev Termen entwickelte Rhytmicon miteinander, und erweitert diese um sinnvolle Features wie Patchfeld und Moogfilter.

Klangerzeugung

Zentrales Element des Subharmonicons sind zwei analoge Oszillatoren mit jeweils zwei Suboszillatoren. Für alle (Sub-)Oszillatoren lassen sich Tonhöhe und Lautstärke unabhängig voneinander bestimmen. Bzw. fast, denn die beiden VCOs geben jeweils die Grundtonhöhe vor. Die Tonhöhen der Suboszillatoren liegen immer darunter. Als Schwingungsformen sind jeweils Puls mit variabler Pulsbreite, Sägezahn und eine Mischform aus beiden vorhanden. Für viele Anwendungen reicht das aus, ich hätte mir bei der Pulswelle noch gewünscht, die Pulsbreite manuell über einen Regler zu bestimmen.

Anschließend gelangt das Audiosignal in das bekannte 24 dB-Moog-Kaskadenfilter. Wie immer klingt das auch beim Subharmonicon gewohnt cremig, reicht bis in die Selbstoszillation und verliert an Bass, wenn man die Resonanz aufdreht.

Zur Klangformung stehen dann zwei rudimentäre Attack/Decay-Hüllkurven für Filter und VCA zur Verfügung, die schnell genug zupacken, aber auch sanfte Klänge ermöglichen. Moog baut fantastische Envelopes, deren Verhalten in fast jeder Einstellung optimal ist. Von Percussion-Sounds, über fette Bässe bis hin zu smoothen Leads ist damit einiges möglich.

LFOs gibt es beim Subharmonicon nicht. Diese lassen sich jedoch ganz einfach improvisieren, indem man einen der Suboszillatoren über das Patchfeld zweckentfremdet und ins gewünschte Ziel patcht. Gleiches gilt für die beiden Sequencer. Auch deren Steuerspannung lässt sich im Patchfeld abgreifen und zum Beispiel der Pulsbreite oder dem Filter zuweisen. Und weil die Modulationsquellen allesamt schnell genug schwingen, sind auch FM-Sounds und experimentelle Klänge möglich.

Die Sequencer-Sektion

Das Herzstück des Subharmonicons ist die Sequencer-Sektion, die sich aus Noten-Sequencer und Rhythmusgeneratoren zusammensetzt. Die Notensequencer sind recht simpel aufgebaut: Es gibt zwei Reihen mit je vier Mikroreglern, über die CV-Werte eingestellt werden. Gerade zur exakten Noteneingabe ist so ein ungenauer Mikroregler eigentlich total unpraktisch. Glücklicherweise hat man das bei Moog auf dem Schirm und in der Oszillatorenebene verschiedene Möglichkeiten zur Quantisierung eingebaut. Damit kann man kaum etwas falsch machen. Sequenz 1 ist dabei der Oszillatorenebene 1 zugewiesen, Sequenz 2 der zweiten Ebene. Über das Patchfeld ist es jedoch möglich, diese vorgegebene Zuweisung zu durchbrechen und sogar die Tonhöhen der Suboszillatoren vom jeweils anderen Sequencer zu steuern.

Die Tonhöhensteuerung lässt sich für jeden VCO samt Suboszillator getrennt aktivieren. Möchte man zum Beispiel nur dieTonhöhe der Haupt-VCOs steuern, deaktiviert man die Zuweisung für die Suboszillatoren einfach. Die Haupt-VCOs dudeln dann fröhlich vor sich hin, während die Suboszillatoren starr auf der eingestellten Tonhöhe verharren. Dadurch sind spannende Chordfolgen schnell umgesetzt, was beim Jammen ziemlich viel Freude macht.

Darunter befindet sich eine weitere Reihe mit Reglern für die vier Rhythmusgenereatoren. Jeder von ihnen liefert je nach Einstellung ein anderes Rhythmusmuster. Zusätzlich lassen sich die vier Rhythmusgeneratoren frei miteinander kombinieren bzw. schichten. Wenn man die beiden Sequenzen nun von zwei unterschiedlichen Rhythmusgeneratoren ansteuert, entstehen schnell polyrhythmische Muster. Besonders elektronische Musikgenres wie Ambient oder Techno profitieren davon. Denn ein eigentlich simpler Loop mit (zwei mal) vier Noten wird dadurch über längere Zeit spannend gehalten. Legt man dann noch eine Kick drunter, kann das Subharmonicon schon einen wesentlichen Teil zum Track-Fundament beitragen.

Was wäre noch gut gewesen?

Beim Arbeiten mit dem Subharmonicon fehlten mir vor allem zwei Dinge, die den Sequencer betrafen: Zum einen hätte ich mir gewünscht, dass man Steps auch stummschalten kann, also kein Gate-Signal ausgegeben wird. Zum anderen denke ich, dass eine unterschiedliche Steplänge mit der Möglichkeit, überlappende Noten (Glide) zu erzeugen, die Soundpalette noch einmal erheblich erweitert hätte. Das könnte man natürlich damit begründen, dass sich das Konzept des Subharmonicons einfach auf die Anfänge der elektronischen Musik beruft und in der Gegenwart fortführt. Etwas weniger Purismus hätte an dieser Stelle aber nicht geschadet.

Moog Subharmonicon – Fazit

Für Puristen ist das Subharmonicon eine klare Kaufempfehlung, auch experimentelle Sounddesigner dürften damit Freude haben. Mit 830 € ruft Moog allerdings einen recht sportlichen Preis auf, den man wahrscheinlich nur dann zahlt, wenn man genau diesen Ansatz möchte.

Herstellerseite Moog Subharmonicon

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