Korg modwave Test: Wavetablesynthesizer für Performances

Korg modwave Test

Neben dem opsix und dem Wavestate ist der Korg modwave die dritte Synthesizervariation des Herstellers im 37-Tasten-Format. Dieses Mal widmet sich Korg der Wavetable-Synthese, wobei man nicht den Fehler machen sollte, den modwave hierauf zu reduzieren. Denn unter der Haube versteckt sich eine flexible Soundengine, wodurch sich der Synthesizer perfekt für Ambient, Techno und andere elektronische Musik eignet. Mehr dazu gibt es gleich im Korg modwave Test. Doch starten wir zuerst mit einem Video, das den Racker in Aktion zeigt.

Korg modwave Presets für Ambient, Techno und Electronica: Ocean Sound Pack

Korg modwave Test: Erster Eindruck und Verarbeitung

Wie schon beim opsix überraschte mich beim Auspacken das extrem geringe Gewicht des Synthesizers. Jetzt könnte man schnell den Fehler machen und höheres Gewicht mit Qualität gleichzusetzen. Und sicherlich ist ein Metallgehäuse in vielen Fällen einer Plastikvariante überlegen.

Andererseits wirkt der modwave auch trotz der Plastikummantelung auch für den Bühneneinsatz noch robust genug. Falls das Teil mal herunterfallen sollte, fällt es schließlich auch mit weniger Gewicht. Aber mal im Ernst: Wenn man häufiger mit Equipment unterwegs ist, sei es für Studiojams oder auf Tour, wird man sich über jedes gesparte Kilo freuen.

Die Potentiometer und Taster des Korg modwave bewegen sich in der Mittelklasse. Der Drehwiderstand ist ein Stück höher als beispielsweise beim ARGON8, aber immer noch weit entfernt von einem Sequential OB-6 oder einem Nord Lead. Die Tastatur hingegen ist wie schon beim opsix nicht so gelungen, wobei ich hier am ehesten noch Aftertouch vermisse. Denn so eine grandiose Soundengine schreit förmlich danach, mit Aftertouch geformt zu werden. Immerhin kann man das als Modulationsquelle hinzufügen, aber es fühlt sich schon sehr nach subotpimalem Kompromiss an.

Korg modwave Test: Anschlüsse auf der Rückseite
Korg modwave Test: Anschlüsse auf der Rückseite

Auf der Rückseite verstecken sich leicht versenkt die Anschlüsse, von denen es hier die Durchschnittsausstattung gibt: USB (MIDI und Datenübertragung) und MIDI Duo, ein Fußpedalschalter, sowie Stereo- und Kopfhörerausgang. Das ist kein Luxus, reicht aber für die meisten Anwendungen.

Struktureller Aufbau des modwave

Solange man sich durch die Werks-Performances (die meiner Meiung nach für elektronische Musik eher unterdurchschnittlich sind) hangelt, ist noch alles in Ordnung. Sobald man allerdings eigene Presets erstellen möchte, kann einen der Aufbau des modwave erstmal etwas verwirren. Daher gehe ich erstmal auf die Struktur ein.

Performances und Layer

Der größte Unterschied gegenüber den meisten Synths liegt in der fundamentalen Aufteilung von Performances und Layern. Eine Performance besteht aus zwei Layern, wobei man die Layer einzeln deaktivieren kann, wenn man möchte.

Ein Layer wiederum ist das, was man bei den meisten Synths wohl als Preset wiederfindet. Das Sounddesign erfolgt dann auch so gut wie ausschließlich auf Layer-Ebene. Im Performance-Modus werden die einzelnen Layer dann Tastaturbereichen zugeordnet, Lautstärken und Panoramawerte festgelegt, oder Performance-Controller zugewiesen.

Korg modwave Struktureller Aufbau einer Performance
Korg modwave: Struktureller Aufbau einer Performance

Wavetable-Oszillatoren

Pro Layer gibt es beim Korg modwave zwei Oszillatoren plus zusätzlichem Suboszillator, der alternativ auch Noise bereitstellt. Die Oszillatoren greifen entweder auf eine Wavetable-Bank hinzu, oder ermöglichen alternativ im A/B-Betrieb die stufenlose Überblendung von zwei unterschiedlichen Wavetables. Dadurch entstehen wiederum etliche neue hybride Schwingungsformen, die sich je nach gewähltem Algorithmus noch weiter verformen lassen. Über dreißig Algorithmen stehen dafür bereit, die mal die Bitrate der Schwingungsformen reduzieren, Harmonische oder Unharmonische entfernen und vieles mehr. Zusätzlich gibt es noch dreizehn Morphing-Algorithmen, die das Klanggeschehen in Echtzeit manipulieren und eine spannende Quelle für Modulatoren darstellen.

Ab Werk finden sich bereits 200 Wavetables, von denen jede bis zu 64 einzelne Schwingungsformen enthält. Als wäre das nicht schon ein üppig ausgestattes Angebot, hat man darüberhinaus noch die Möglichkeit, eigene Wavetables in den modwave zu laden.

Spätestens an dieser Stelle ist man in der Lage, etliche neue Sounds zu kreieren und hätte dabei noch nicht einmal die Filter- oder Effektebene bemüht. Das Klangpotential des Korg modwave ist bereits auf Oszillatorebene immens! Natürlich sind mit den Standardschwingungsformen Sägezahn, Pulse etc. auch klassische Analogsounds möglich. Meiner Meinung nach würde man hier aber lediglich an der Oberfläche kratzen. Und wenngleich der modwave in der Lage ist, kräftigen Tiefenschub zu erzeugen, würde ich für klassische Analogsounds dann auch eher entsprechende Synthesizer bevorzugen.

Korg modwave
Korg modwave

Samples

Alternativ kann man die Wavetable-Oszillatoren des Korg modwave auch in einen Sample-Wiedergabe-Modus umstellen. Zwar steht in dieser Betriebsart ein Großteil der Synthesefunktionen auf Oszillatorebene nicht mehr zur Verfügung und man muss sich auf Ring-und AM-Modulation beschränken.

Nichtsdestotrotz ist die Möglichkeit, Samples in die Klangerzeugung einzubinden ein echter Gewinn. Denn Korg hat einerseits bereits eine umfangreiche Sammlung an gut klingender Samples mitgeliefert. Andererseits ist es sogar möglich, eigene Samples per Sample-Editor über den Computer zu importieren.

Besonders gut gefallen haben mir die Streicher- und Pad-Samples, wobei man dem Sample-Vorrat insgesamt eine Tendenz in Richtung 90s Rompler attestieren darf. Das ist definitiv nichts schlechtes, nur sollte man vom modwave eben keine HiEnd-Akustiksamples erwarten, wie man sie von einigen Software-Libraries kennt. Und besonders bei der kreativen Nutzung der Sample-Library, wie etwa bei extremen Tunings, kommen hier sehr spannende, granulare Artefakte zum Vorschein, die man hervorragend für Ambient-Texturen nutzen kann.

Korg modwave Filter

Ein weiteres Highlight des Korg modwave ist die umfangreiche Filtersektion, die neben der Rekreation der Filter aus dem Polysix und MS-20 auch diverse Kombinationen bereitstellt. Jetzt muss ich als Korg MS-20 Fan sagen, dass die verbauten Filter nur recht wenig mit dem Vorbild gemeinsam haben. Man erkennt wohl eine Tendenz, das aggressiv knurrende Filter des MS-20 ist hier aber insgesamt eher etwas zahm und eindimensional gehalten. Für die meisten Bässe und Leads geht der Sound dennoch mehr als in Ordnung, sofern man keine super authentische Nachbildung erwartet.

Die Filtersektion im Korg modwave
Die Filtersektion im Korg modwave

Insgesamt neigen die Filter im modwave auch eher zu einem wohlklingenden HiFi-Sound. Wer aggressive Klänge sucht, sollte hierfür also eher in der Oszillatorebene beginnen und in der Effektebene abrunden. Denn aggressivere Sounds sind definitiv möglich, nur eben nicht so schnell über die Filter.

Modulationsmatrix

Um nun ordentlich Bewegung in den Sound zu bringen, verfügt der Korg modwave über eine Modulationsmatrix. Hier werden Modulationsquellen mit ihren -zielen verknüpft. Dazu stehen insgesamt 5 Envelopes, vier LFOs, Mod-Sequencer und zahlreiche Performance-Controller zur Verfügung. Und das pro Layer!

Zusätzlich lässt sich ein weiterer Controller – wie etwa Modwheel, Kaoss Pad oder Velocity – zuweisen, der die Modulationsintensität regelt. Ich bin im Verlauf der Soundkreation nicht einmal an die Grenzen der Zuweisungen gestoßen und das, obwohl ich mitunter sehr komplexe Zuweisungen in meinen Patches vornehme. Hier hat Korg vorbildlich abgeliefert. Wenn nicht die anfangs etwas unintuitive Bedienung wäre. Doch auch dafür gibt es einen wichtigen Trick, den man sich gleich am Anfang fest merken sollte.

Tipp: Modulationen weist man im Korg modwave ganz einfach zu, indem man zuerst die MOD-Taste hält und dann die Taste „PAGE+“ drückt. Nun wählt man bequem das Modulations-Ziel aus, indem man den korrespondierenden Regler bewegt. Versteckt sich das Ziel hinter einer Shift-Taste, sollte diese natürlich vorher gedrückt werden. Im nächsten Schritt wählt man dann auf gleiche Weise die Modulationsquelle aus und bestätigt mit „Enter“. Nun ist die Verknüpfung hergestellt und man kann bei Bedarf noch einen weiteren Controller zuweisen, der die Mod-Intensität steuert.

Kaoss Pad

Eines der Highlights im Korg modwave ist das Kaoss Pad, das recht auffällig im oberen linken Teil der Oberfläche sitzt. Hierbei handelt es sich um ein X-/Y-Touchpad, dem man über die Modulationsmatrix Parameter frei zuweisen kann. Mit dem Finger bewegt man nun einen Punkt, bzw. „Ball“ durch das Feld und steuert je nach Zuweisung mehrere Parameter gleichzeitig.

Das Kaoss Pad des modwave ist ein großartiges Werkzeug für Live-Performances
Das Kaoss Pad des modwave ist ein großartiges Werkzeug für Live-Performances

Soweit ist das schon ganz cool. Richtig spannend wird es aber, wenn man tiefer in die Kaoss Pad „Physics“-Algorithmen einsteigt. Denn hiermit legt man fest, wieviel „Schwerkraft“ das frei verschiebbare Zentrum besitzt, wie stark der „Ball“ von den vier Seiten abprallt – und das lässt sich sogar pro Seite festlegen – und vieles mehr. Einmal angeschubst, kann der Ball dann theoretisch ewig zirkulieren, beschleunigen, abbremsen etc.

In der Praxis funktioniert das auch gut und bringt ordentlich Bewegung in den Sound. Mitunter ist das recht chaotisch, lässt sich mit etwas Übung und Fine-Tuning der Physics aber auch gezielt zum Takt bewegen. Unterm Strich macht das Kaoss Pad wahnsinnig viel Spaß und ist eine echte Bereicherung. Ich hoffe, wir sehen diesen Controller zukünftiger häufiger in Synths.

Effektebene des Korg modwave

Auch bei der Effektausstattung hat Korg ordentlich abgeliefert. Grundsätzlich gibt es pro Layer drei Effektslots und einen weiteren Mastereffekt mit Reverb und EQ, der per Send anteilig einer Perfromance zugewiesen wird.

Die drei Effektslots teilen sich auf in PreFX, Modulations-Effekte und Delay. PreFX deckt dabei vom Kompressor über BitCrusher bis hin zu Amp-Simulationen eine gute Auswahl ab. Im Modulationsbereich stehen Chorus, Ensemble, Phaser- und Flanger-Effekte bereit, während die Delay-Sektion von komplexen Multitap-Delays bis hin zur Bandsimulation nahezu alle relevanten Varianten abdecken dürfte.

Korg modwave Test: Effektabteilung
Korg modwave: Effektabteilung

Klanglich geht die Effektabteilung des Korg modwave absolut in Ordnung und ist vergleichbar mit Effektgeräten im mittleren Preissegment. An die hochwertigen Reverbalgorithmen etwa eines Empress Reverb reicht es nicht heran, aber für eine interne Effektsektion ist das Gebotene mehr als ausreichend.

Sequencer und Arpeggiator

Anders als im opsix oder dem Minilogue XT handelt es sich beim Sequencer im Korg modwave um einen reinen Modulationssequenzer, der es allerdings echt in sich hat. Alle Funktionen aufzuzählen würde die Länge dieses Tests wahrscheinlich verdoppeln. Daher beschränke ichmich auf das wesentliche:

Vier Sequenzen, dazu weitere mit Timing-Informationen, Tonhöhe und Step Shaping (quasi Mini-Hüllkurven pro Step) können in ihrer Länge frei bestimmt und unabhängig voneinander geloopt werden.

Den vier Sequenzen wiederum lassen sich etliche Klangparameter frei zuweisen. Dadurch sind wahnsinnig komplexe Klangverläufe und Rhythmusmuster möglich, die sich einerseits Off-Beat bewegen können, letzlich bei Bedarf aber immer zum Takt des Tracks zurückfinden. Das ist gleichermaßen für bewegte Ambient-Texturen spannend, wie für subtile Veränderungen bei Melodic Techno Leads oder expermientelle Drones. Selbst Drum-Arrangements ließen sich erstellen. Allerdings wäre mir der Aufwand dafür dann doch etwas zu hoch.

Dem hochkomplexen Sequencer steht ein unterkomplexer Arpeggiator gegenüber, der wirklich nur Standardkost abliefert. Hier hätte ich mir eigene Pattern gewünscht oder zumindest ausgefallenere Werkspresets gewünscht. Aber unterm Strich ist das auch nichts, was den positiven Gesamteindruck trüben würde.

Der Editor

Um seine Performances zu verwalten oder Patches bequem am Computer zu editieren, bietet Korg einen kostenlosen Editor für den modwave an. Einmal gestartet, muss der Korg modwave nur mit dem Computer verbunden werden und das Gerät wird automatisch erkannt.

Die Arbeit mit dem Editor macht Spaß, wenngleich ich hier ein frei skalierbares Fenster vermisst habe. Auch empfand ich kurioserweise die Zuweisung von Modulationen mit der oben genannten Kombination am Gerät intuitiver als über den Editor. An andere Stelle war ich wiederum froh, Parameter wie Note Random, die sich recht tief in Untermenüs verstecken, direkt im Zugriff zu haben.

Vor allem aber für die tiefgehende Programmierung des Mod Sequencers oder der Effekte ist der Editor sinnvoll. Auf einige Parameter hat man zudem auch ausschließlich über den Editor Zugriff, was ich vor allem beim Feintuning der Effekte als störend empfand. Denn so musste man den Korg modwave immer wieder mit dem Rechner verbinden, um etwa EQ-Einstellungen im Delay vorzunehmen.

Korg modwave: Mitbewerber?

Neben dem Korg modwave kamen gerade in den letzten Jahren einige andere spannende Wavetablesynths auf den Markt. Neben dem ASM Hydrasynth sind vor allem der MODAL ARGON8 und der jüngst vorgestellte Waldorf M zu nennen.

Auch erhältlich als 19"-fähige Modulversion: Modal Argon8M
Abb.: Modal Argon8M

Während der Grundsound des MODAL ARGON8 insgesamt deutlich softer daherkommt und ihm eigentlich nichts wirklich Brutales gelingen möchte, deckt Waldorf mit dem M die andere Seite des Spektrums ab. Hier ist der originale Microwave Pate, weshalb sein ungeschliffener Grundsound nicht überrascht.

Am ehesten könnte also noch der ASM Hydrasynth im gleichen Becken mitschwimmen. Preislich liegen beide Synthesizer in der gleichen Region, wobei der modwave hinsichtlich der Ausstattung noch mehr auf die Waage bringt. Der Hydrasynth hingegen überzeugt durch seine insgesamt wertigere Verarbeitung und – in der Keyboardvariante – deutlich bessere Tastatur inklusive polyphonem(!) Aftertouch.

Einen klaren Gewinner kann ich nicht nennen, dafür sind die persönlichen Geschmäcker einfach zu verschieden. Wer auf Flexibilität wert legt, sollte sich mal Hydrasynth und Korg modwave ansehen. Analoge Filter und einen rohen Grundsound gibt es nur mit dem Waldorf M. Wer einen flexiblen Wavetablesynth im kompakten Format sucht, der eher zahm klingt, ist mit dem ARGON8M gut versorgt.

Korg modwave Test: Fazit

Als der Korg modwave vorgestellt wurde, erzeugte das bei mir maximal ein müdes Achselzucken. Wie falsch ich mit dieser Einschätzung lag! Dieser Synth ist für mich eines DER Highlights der letzten Jahre. Ein wahnsinnig umfangreiches Klangpotential, eine durchdachte Bedienung – wenn man sich erst einmal eingearbeitet hat – und nichtzuletzt etliche Performance-Features: Der modwave dürfte sich gleichermaßen im Studio wie auf der Bühne wohlfühlen.

Klanglich ist er eher auf der HiFi-Seite, wobei auch dunkle Ambient-Texturen und aggressive Techno-Sounds möglich sind. Durch die Kombination aus Wavetable- und subtraktiver Synthese kann ich diesen Synth selbst Einsteigern ans Herz legen, sofern man bereit ist, sich etwas mit der Architektur auseinander zu setzen. Für den Preis von knapp 700 € hat Korg mit dem modwave echt abgeliefert.

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