Erica Synths Hexdrums Test: Kompromisslos anachronistische Drummachine?

Erica Synths Hexinverter Hexdrums Test

Erica Synths Hexdrums ist eine Drum Machine, die sich bewusst gegen den aktuellen Trend zu immer umfangreicheren, komplexeren und funktionsreicheren Geräten stellt: Acht analoge Stimmen treffen auf zwei digitale Stimmen für Ride und Cymbals.

Hinzu kommt ein Step Sequencer, der zwar um moderne Funktionen wie Microtiming, Ratchets und Probability erweitert wurde, insgesamt aber sehr reduziert bleibt. Warum weniger hier wirklich mehr ist, erfahrt ihr im Erica Synths Hexdrums Test. Aber zuerst gibt es ein Demo zur Einstimmung.

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Mehr Informationen

Erica Synths Hexdrums auf einen Blick

  • Drum Machine mit acht analogen und zwei Sample-basierten Instrumenten
  • Master Compressor und Drive mit Blend-Regler
  • Charaktervoller Sound mit Tendenz zu härteren Stilen elektronischer Musik
  • Unmittelbarer Zugriff auf alle Parameter, intuitiver Worklow
Klassischer Workflow mit modernem Sound: Bei der Hexdrums kann man den Klang "sehen"
Sound 9
Features 8
Bedienung 10
Preis/Leistung 7
Pro
  • Geradliniges User Interface mit klarem WYSIWYG-Ansatz
  • Sehr charaktervoller, rauer Analog-Sound
  • Sehr intuitiver Workflow
Contra
  • Einzelne Instrumente aufeinander abzustimmen mitunter umständlich
  • Accent-Programmierung relativ einfach gehalten
  • Noisefloor in bestimmten Settings sehr ausgepägt

Erica Synths Hexdrums: Konzept

Das Konzept der Hexdrums ist dabei erstaunlich konsequent. Die Bedienoberfläche ist nach einem klassischen WYSIWYG Prinzip aufgebaut. Was man sieht, ist im Wesentlichen also auch das, was man bekommt.

Klassischer Workflow mit modernem Sound: Bei der Hexdrums kann man den Klang "sehen"
Klassischer Workflow mit modernem Sound: Bei der Hexdrums kann man den Klang „sehen“

Statt möglichst viele Möglichkeiten in einem Gerät unterzubringen, geht es vor allem um direkten Zugriff, Charakter und Performance. Und genau hier liegt meiner Meinung nach auch die größte Stärke: Hands on statt Menü Navigation. Gerade bei einer Drum Machine empfinde ich das als großen Vorteil.

Natürlich kann man auch bei der Hexdrums ins Detail gehen. Aber man muss nicht erst mehrere Ebenen von Menüs durchlaufen, um aus einer Snare etwas mehr Charakter heraus zu kitzeln oder eine Kick zu verändern. Und genau dadurch fühlt sie sich weniger wie ein Programmierwerkzeug und mehr wie ein Instrument an.

Verarbeitung, Anschlüsse und erster Eindruck

Wie schon andere Geräte aus dem Hause Erica Synths ist auch die Hexdrums solide verarbeitet. Der Eindruck des wertigen Gehäuses wird durch die gut laufenden Drehregler mit angenehmem Widerstand bestätigt. Besonders gefallen haben mir die Cherry-Taster des Sequencers, die nicht nur an die 909 erinnern, sondern auch schnell und zuverlässig reagieren.

Anschlüsse

Auf der Rückseite schafft Erica Synths gleich Fakten für alle, die sich einen Standard der 80er zurückwünschen: Einzelausgänge für jedes der zehn Instrumente. Hinzu kommen noch der Stereoausgang für die Summe nebst Kopfhörer-Ausgang, 5-Pol-MIDI-Duo, USB, und Anschlüsse für analoge Clock-Signale (In/Out).

Endlich wieder Einzelausgänge! Die Rückseite der Hexdrums
Endlich wieder Einzelausgänge! Die Rückseite der Hexdrums

Wie klingt die Erica Synths Hexdrums?

Klanglich verfolgt die Hexdrums eine ziemlich klare Linie: Die analogen Stimmen klingen roh, druckvoll und charakterstark. Insgesamt ist Hexdrums klar auf der härteren Seite, wodurch sich die Drummachine hervorragend für Techno und Industrial eignet. Hier geht es weniger darum, jede denkbare Klangästhetik abzudecken. Stattdessen bekommt man einen Sound, der gerade durch seine Ecken und Kanten funktioniert.

Die zehn Instrumente der Hexdrums im Überblick

Bassdrum 1 – Mit aggressivem Druck nach vorne

Angelehnt an die TR-909 erweitert Bassdrum 1 das Klangspektrum des Klassikers noch einmal ordentlich. In Kombination mit Drive, umschaltbarer Schwingungsform (Sinus auf Pulse) und der Pitch-Envelope erzeugt man spielend aggressive Kicks.

Bassdrum 2: Für Freunde der TR-808

Wer es etwas softer mag, ist bei der Bassdrum 2 gut aufgehoben. In der Praxis erwischte ich mich dabei, immer zur BD 2 zurückzukehren und Bass Drum 1 für Subbässe, Low Toms, oder lang ausklingende Bassdrum-Gewitter zu nutzen.

Erica Synths HexDrums Bassdrums
Die beiden Bass Drums bei der Hexdrums orientieren sich an der TR-909 bzw. TR-808, gehen mitunter aber weiter

BD 2 ist angelehnt an den Sound der TR-808, bietet daher ein seismisches Fundament, aber auch einen runden Sound, der sich perfekt für klassischen Electro oder Melodic Techno Kicks eignet.

Machine: Für analoge Percussion

Machine ist die als üppig ausgestattete Sektion zur Erzeugung von Percussion-Sounds wie Tom, Conga etc. gedacht. Trotz der vielen Regler ist das Modul klanglich erstaunlich limitiert. Sicher, analoge Percussion-Sounds sind hiermit schnell umgesetzt. Hier hätte ich mir aber mit FM oder großzügigerem Wertebereich mehr Flexibilität gewünscht.

Erica Synths HexDrums: "Machine" ist für Percussion-Instrumente zuständig
Erica Synths HexDrums: „Machine“ ist für Percussion-Instrumente zuständig

Snare Drum – Von subtil bis harsch

Zwei Sinus-Oszillatoren, die sich gegeneinander verstimmen lassen, dazu noch eine Decay-Pitchhüllkurve für einen der beiden, sowie Rauschen mit HP-/BP-Filter: Die Snare Drum deckt ein breites Klangspektrum ab, das von nuanciertem Noise über Flipper-Pius, bis hin zu Elektro-Zaps reicht. Dabei klingt sie im besten Sinne analog künstlich. Per Kippschalter wird die Resonanz des Filters in drei Stellungen akzentuiert.

Clap – Von Noise bis Chiptunes

Die Claps nutzen zur Klangerzeugung einen spannungsgesteuerten LFSR-Rauschgenerator und ein Resonanz-Bandpassfilter, das sich per Switch deaktivieren lässt. Mit PITCH lässt sich das Rauschen von klassischen 909-ähnlichen Claps bis hin zu 8-Bit-artigen Chiptune-Sounds verändern.

SUSTAIN bestimmt die Länge bzw. Lautstärkehüllkurve des Claps, wobei es in Maximalstellung auch permanent sein kann (was schon einmal zu einer längeren Fehlersuche bei mir geführt hat).

Rimshot – Umfangreicher als gedacht

Die Rimshot hat mich wieder ziemlich erstaunt zurückgelassen. Klar, die klassische TR-909 Rimshot geht damit problemlos. Aber durch die Kombination aus resonanzfähigem Multimode-Filter und unterschiedlichen Modi ist noch viel mehr möglich: Das Spektrum reicht hier tatsächlich von analogen Kickdrums, über Toms unterschiedlicher Tonlagen, bis hin zu Click-Sounds, perfekt für Minimal.

Erica Synths HexDrums: Snare, Clap und Rimshot
Erica Synths HexDrums: Snare, Clap und Rimshot

HiHats – Simpel, aber gut integriert

Neben den flexiblen Clap, Rim und Snare geht es bei den HiHats wieder etwas einfacher zu. Open HiHat und Closed Hihat teilen sich hier die Regler Decay, Cutoff und die Möglichkeit, bei Bedaf das Bandpass-Filter zu bypassen müssen hier reichen.

Klanglich orientieren sich die HiHats an der TR-808, wirken im Hexdrums aber noch etwas direkter bzw. straffer. Dadurch fürgen sie sich aber stimmig in den Grundsound der Hexdrums ein. Über einen Switch stellt man ein, ob nur eine der beiden HiHats spielt, beide hörbar sind oder per Fade überblendet werden.

Cymbals: Die rudimentäre Sample-Sektion

Als letztes Instrument in der Reihe basiert Cymbals auf Samples und ist zunächst für Ride / Cymbals zuständig. Insgesamt stehen zwei Sample-Sets mit jeweils zehn verschiedenen Samples zur Verfüfung, die sich bei Bedarf sogar durch eigene Sounds ersetzen lassen.

Während mit Pitch die Tonhöhe bzw. Wiedergabegeschwindigkeit der Samples verändert wird, bestimmt Decay bestimmt die Ausklingzeit: von sehr kurzen Clicks bis zu mehreren Sekunden.

Erica Synths HexDrums: HiHats / Cymbals
Erica Synths HexDrums: HiHats sind analog, bei den Cymbals kommen Samples zum Einsatz, die sich austauschen lassen

Eine interessante Erweiterung ist hier „RIDE-LOOP“, das bei Aktivierung das Ride-Sample während der Decay-Phase loopt, und dadurch einen Delay-ähnlichen Effekt erzeugt.

Compressor und Drive bei der Hexdrums

Zum ungeschliffenen Sound trägt auch die Drive- und Compressor-Sektion bei. Je nach Einstellung lässt sich das Signal noch einmal deutlich verdichten und aggressiver gestalten. Gerade im Live Kontext kann das sehr viel Spaß machen, weil die Maschine dadurch schnell als klanglich verschmolzene Einheit funktioniert.

Erica Synths HexDrums Master-Sektion mit Compressor und Drive
Erica Synths HexDrums Master-Sektion mit Compressor und Drive, jeweils mit Blend-Regler

Allerdings zieht man bei etwas zu intensivem Gebrauch auch schnell den ohnehin schon vorhandenen Noise-Floor stärker in den Vordergrund. Persönlich habe ich mit Nebengeräuschen kein Thema, solange man die mit entsprechender Nutzung im Zaum halten kann, wie es hier der Fall ist. Wenn man aber sehr sensibel auf Rauschen im Signalpfad reagiert und gleichzeitig auf langes Decay in der Snare oder den Compressor nicht verzichten will, ist die Hexdrums wahrscheinlich nicht das richtige Gerät.

Sequencer – Klassisch aufgebaut mit modernen Extras

Beim Sequencer geht Erica Synths einen klassischen Weg, ergänzt diesen aber um einige moderne Funktionen. Neben dem klassischen Step Programming mit bis zu 64 Steps und unterschiedlicher Stepanzahl pro Spur, gibt es unter anderem Microtiming, Ratchets und Probability. Das klingt zunächst vielleicht nach einer relativ kleinen Ergänzung, erweitert die rhythmischen Möglichkeiten aber erheblich.

Microtiming erlaubt es, Steps aus dem starren Raster herauszubewegen und Grooves deutlich organischer zu gestalten. Ratchets bringen schnelle Wiederholungen und Rolls ins Pattern, während Probability dafür sorgt, dass programmierte Steps nicht bei jedem Durchlauf ausgelöst werden.

Damit lässt sich aus einem eigentlich simplen Pattern erstaunlich viel Bewegung herausholen. Und das Entscheidende: Die zusätzlichen Möglichkeiten machen den Sequencer nicht unnötig kompliziert.

Intuitiv, aber ein wenig unterkomplex: Beim Sequencer hätte ich mir unterschiedliche Velocity-Werte gewünscht
Intuitiv, aber etwas unterkomplex: Beim Sequencer hätte ich mir unterschiedliche Velocity-Werte gewünscht

Etwas vermisst habe ich die Möglichkeit, gezielt unterschiedliche Velocity-Werte einzuprogrammieren. Hier ist die Kiste sogar mir etwas zu anachronistisch geraten, denn es gibt eben nur „normal“ und „Accent“. Ja, das war früher häufig auch nicht anders, aber trotzdem…

Hexdrums oder TR 1000? Eine etwas unkonventionelle Perspektive

Da die Hexdrums ohne Frage X0X-DNA in sich trägt, liegt ein Vergleich mit Rolands TR 1000 nahe. Ich hatte die TR 1000 ebenfalls einige Wochen hier und obwohl ich die Flexibilität großartig fand, haben mich die gigantischen Möglichkeiten bei der täglichen Arbeit manchmal eher überfordert als inspiriert.

Und nein, ich bin kein Gegner komplexer Geräte. Aber bei Drum Machines bevorzuge ich einen schnellen, intuitiven Workflow. Genau das konnte ich mit der TR 1000 für mich nicht immer erreichen.

Beim Sounddesign mit der TR 1000 habe ich deshalb häufig auf den Editor zurückgegriffen. Der hat zwar gut funktioniert, steht aber im Widerspruch zur Spontanität eines direkten Geräts wie der Hexdrums.

Die TR-1000 hingegen ist ohne Zweifel extrem leistungsfähig und liefert einen sehr produktionstauglichen Sound. Aber es gibt so viele Ebenen und Möglichkeiten der Bearbeitung, dass für mich irgendwann der Spaß verloren ging.

Als die Hexdrums später hier stand, wurde mir wieder klar, was ich von einer Drum Machine erwarte: Einen bestimmten Sound, eine intuitive Programmierung und die wichtigsten Parameter direkt vor mir. Ohne fünf Untermenüs und ständiger Suche nach Parametern. Einfach machen. Und genau darin ist die Hexdrums ausgesprochen gut.

Wenn ihr also einen direkten Workflow bevorzugt und mit einer raueren Klangästhetik etwas anfangen könnt, solltet ihr euch die Hexdrums ansehen. Wenn ihr dagegen eine Studio Drum-Machine mit maximaler Flexibilität sucht, dürfte die TR 1000 die bessere Wahl sein.

Wenn ihr wiederum einen ungezähmten Sound, Presets und eine manchmal etwas eigenwillige Bedienung sucht, könnte auch die Jomox Alphabase 2 interessant sein. Aber das wäre dann ein anderes Kapitel.

Erica Synths Hexinverter Hexdrums Test: Fazit

Die Erica Synths Hexinverter Hexdrums ist keine Drum Machine, die versucht, möglichst viele Zielgruppen gleichzeitig abzudecken. Und genau das finde ich gut: Sie hat einen klaren Charakter, einen direkten Workflow und einen charaktervollen Sound.

Besonders gelungen finde ich die Kombination aus dem direkten Interface und dem klassischen Sequencer mit modernen Ergänzungen wie Microtiming, Ratchets und Probability. Die Maschine macht schlicht Spaß. Und das ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft überhaupt.

Natürlich gibt es Dinge, die besser gelöst sein könnten. Die Abstimmung einzelner Stimmen kann etwas fummelig sein, Accent-Programmierung und feinere Klanggestaltung sind vergleichsweise nicht mehr ganz zeitgemäß, und auch der Noise Floor sollte erwähnt werden.

Aber wenn man die Hexdrums nicht als möglichst universelle Drum-Workstation betrachtet, sondern als charakterstarkes Performance-Instrument, ergibt das Konzept absolut Sinn.

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