dreadbox Typhon Test und Sounddemo

dreadbox typhon test und sound demo

Mit einem sehr dezenten Teaser-Video deutete das griechische Unternehmen dreadbox vor einiger Zeit auf einen neuen Synthesizer hin. Nun wurde der dreadbox Typhon offiziell vorgestellt, ein flexibler monophoner Analog-Synthesizer inklusive digitaler Effektsektion von Sinevibes. Eigene Sounds lassen sich in einem der 256 Speicherplätze ablegen und einfach aufrufen. Im folgenden Video zeige ich ein paar Patches, die ich mit dem Typhon erstellt habe. Im Anschluss gibt’s meinen Eindruck in einem kurzen dreadbox Typhon Test.

Fantastischer Sound und flexible Möglichkeiten für 349 € – dreadbox typhon

Erster Eindruck

Typhon ist gut verarbeitet: Das Metallgehäuse hinterlässt einen robusten Eindruck, die Potis bieten genau das richtige Maß an Widerstand und das Display ist selbst bei schrägeren Winkeln noch gut lesbar. Die Spannungsversorgung erfolgt ausschließlich über USB. Dreadbox setzt hier glücklicherweise auf einen Standardanschluss, sodass lästige Netzteilsuchorgien entfallen. Für das Sounddemo habe ich einfach einen USB-Verteiler verwendet, über den Computer ist das alternativ genauso gut möglich. Leider ist es derzeit noch nicht möglich, den Typhon per USB mit MIDI zu steuern. Das muss noch klassisch über die 5-Pin-MIDI-Anschlüsse geschehen. Dreadbox hat dieses Feature aber bereits angekündigt und legt eventuell sogar noch Audio-über-USB nach.

Oszillatoren und Filter

Zugegebenermaßen bin ich seit meinem Erstkontakt mit einem Erebus dreadbox-Fanboy. Da ist etwas rundes, kräftiges im Sound, das sich angenehm von anderen Synths unterscheidet. Nicht zu dominant im Mix, aber genauso wenig devot, wenn es darum geht, eine tragende Rolle in einer Produktion zu übernehmen. Oder anders formuliert: Dreadbox schafft es, den Sweetspot maximal breit auszulegen. Selbst extreme Klänge fügen sich noch gut in bestehende Produktionen ein.

Typhon setzt diese Tradition fort und schafft die klangliche Brücke zwischen Retro und modern. Fette Bässe sind ebenso möglich, wie melancholisch verträumte Leads, düstere Drones oder Effektsounds.

Die Pulswelle klingt angenehm bauchig (etwas, was mich schon bei anderen dreadbox-Modellen begeister hat), der Sägezahn drückt ordentlich und mit dem Dreieck gelingen sanfte Klänge spielend einfach. Sehr gelungen fand ich die Möglichkeit, stufenlos zwischen den Mischverhältnissen und Modi der Oszillatoren überzublenden. Auch der Tuning-Regler ergibt total Sinn, wenn man erst einmal die Mechanik dahinter versteht: Langsam drehen für Finetuning, schnellere Drehungen für Halbtöne.

Die Resonanz des cremig klingenden Filters dünnt den Sound nicht aus. Dank Filter-FM und Overdrive-Algorithmen inklusive Bitcrusher in der Effektsektion kann man den weichen Sound im Handumdrehen mit Schmutz anreichern und auch extrem aggressiv werden lassen.

Step-Sequencer, LFOs und Envelopes bringen Bewegung in den Sound

Die zwei Hüllkurven für Amp und Filter sind schnell genug, ihre Charakteristik ist optimal für punchige Bässe ausgelegt. Lediglich für lang einfadende Sweeps fand ich die Attackphase nicht ganz optimal, da mir der Verlauf hierfür etwas zu linear erschien.

Weiterhin stehen drei Modulationsquellen zur Verfügung, die sich insgesamt 14 Zielen, darunter auch Parameter der Effekt-Engine zuweisen lassen. Hier hätte ich mir noch etwas mehr Flexibilität gewünscht, aber mit dem Vorhandenen kann man schon sehr gut arbeiten.

Bei den Modulationsquellen hat man die Wahl zwischen 32-Step-Sequencer, LFOs, Hüllkurven und Zufall. Die LFOs schwingen knapp in den hörbaren Bereich, wilde FM-Orgien lassen sich damit aber nicht veranstalten.

Der Step Sequencer kann ganz klassisch zur Eingabe und Wiedergabe von Noten oder alternativ als Modulationssequencer zur Steuerung von Filter Cutoff, Effekten oder anderen Parametern verwendet werden. Legt man den Sequencer zum Beispiel auf die Frequenz eines der beiden Oszillatoren, sind rudimentäre Chordprogressionen möglich – schöne Sache! Die Eingabe von Notensequenzen ist nur über den Synth möglich. Dazu aktiviert man kurz den Sequencer-Modus mit Klick auf die SQNCR-Taste. Im Anschluss navigiert man mit dem ersten Fader zwischen den einzelnen Steps, die restlichen Fader übernehmen dabei die Programmierung von Noten, Velocity, Gate usw. Man kann Noten weder direkt einspielen, noch Modulationen aufzuzeichnen. Wenn das ginge, wäre das definitiv ein Plus. Update: Mit der FW-Version 1.1 ist es mittlerweile ganz einfach möglich, Noten einzuspielen.

Programmieren des dreadbox Typhon Step Sequencers

  1. SCNCR drücken und per Shift Taste in den Step-Edit-Modus gehen.
  2. Mit dem ersten Fader zu dem Step gehen, ab dem die Noteneingabe mit dem externen Keyboard beginnen soll. In den meisten Fällen dürfte das Step1 sein.
  3. Den Dreh-Encoder oben rechts für 2 Sekunden gedrückt halten.
  4. Eingabe der Noten bis zu der Länge, die eure Sequenz haben soll (maximal 32).
  5. Mit Drücken der Shift-Taste kommt ihr wieder in den Bearbeitungsmodus

Interne Effektengine von Sinevibes

Viele Hersteller verzichten bei ihren Geräten auf interne Effekteinheiten und selbst zwischen den Usern entbrennt immer wieder die Diskussion, ob ein Synthesizer interne Effekte mitbringen soll, oder das den puristischen Ansatz verwässert. Ich sehe es so: Solange die internen Effekte gut sind, sollte man sie als fester Bestandteil der Klangerzeugung einbinden.

Und hier landet Dreadbox einen Volltreffer. Statt auf Eigenentwicklung zu setzen, gingen sie eine Kooperation mit Sinevibes ein. Sinevibes hat sich in den letzten Jahren einen ausgezeichneten Ruf als Effektprogrammierer für die *logue-Serie von Korg erarbeitet. Aus dieser Zusammenarbeit geht eine exzellente Effektsektion hervor, dessen Parameter sich zudem noch den internen Modulationsquellen zuweisen lassen. Eiernde VHS-Tape-Delays oder rhythmisch pumpende Reverbs sind damit kein Problem.

Fazit: Dreadbox Typhon rollt den Markt noch einmal auf

Um ehrlich zu sein, bin ich mittlerweile sehr skeptisch, wenn Unternehmen (noch einen) Monosynth auf den Markt bringen. In vielen Fällen wird kopiert, als gäb’s kein Morgen oder es werden Mitnahme- und Wegwerfartikel produziert, die spätestens nach drei Wochen in der staubigen Ecke verschwinden.

Nicht so der Typhon von dreadbox. Gut verarbeitet überzeugt der Synthesizer mit einer hervorragend klingenden Sound-Engine, die mit ebenso guten Effekten von Sinevibes mehr als nur sinnvoll ergänzt wird. Der Preis von rund 350 € geht für das Gebotene absolut in Ordnung. Im Vergleich zu den Mitbewerbern kann sich der Synth absolut behaupten. Zudem macht er im Studio nicht nur eine gute Figur als Ergänzung, sondern ist durchaus in der Lage, die Rolle des Leitsynths im Rudel zu übernehmen.

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