Novation Circuit Tracks Test

Novation Circuit Tracks Test und Demovideo

Novation hatte mit dem Circuit im Jahre 2015 eine günstige Groovebox vorgestellt, die durch direkten Zugriff und umfangreichen Features den Weg in etliche Studios weltweit fand. Fast sechs Jahre später bekommt der Circuit nun einen Nachfolger. Welche Neuerungen das Hardware-Update mit sich bringt, erfahrt ihr im Novation Circuit Tracks Test.

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Novation Circuit Tracks Demovideo

Komplettes Makeover – Die Hardware

Als ich den Circuit Tracks auspackte, fiel mir sofort das etwas schlankere Design auf. Statt wie beim Vorgänger auf eine plane Oberfläche zu setzen, ist der Circuit Tracks leicht angeschrägt. Das ist nicht nur beim Einspielen von Tracks vorteilhaft, sondern wirkt auch optisch etwas edler.

Und da wir gerade beim Design sind: Hier kann der Circuit Tracks definitiv punkten. Ich fand den alten Circuit zwar nie hässlich, die Neuauflage kommt aber durch die matt schwarze Oberfläche edler daher. Zudem fühlen sich auch die Taster sowie die neuen Potis mit einem etwas höheren Drehwiderstand besser an.

Auf der Rückseite des Gehäuses sind zwei 5-Pin-MIDI-Buchsen, sowie Audio-Eingänge hinzugekommen. Über die Eingänge kann man externe Synthesizer in den Effektweg einbinden, was im Minimalsetup einen Mixer ersparen kann. Allerdings steht die Möglichkeit des Side-Chainings nur für die interne Klangerzeugung zur Verfügung.

Über den neu hinzugekommenen Micro-SD-Card-Slot auf der Rückseite können komplette Sound Packs ausgetauscht werden. Insgesamt 32 Plätze stehen dafür im Circuit Tracks zur Verfügung. Jedes Pack umfasst 128 Patches, 64 Samples und ebenso viele Projekte. Damit könnt ihr also stundenlang performen, ohne dass es langweilig wird.

Novation Circuit Tracks Rückseite
Novation Circuit Tracks: Anschlüsse auf der Rückseite

Die verbleibenden Hardware-Änderungen beziehen sich auf das Batteriefach und den USB-Anschluss. Letzterer wurde durch einen USB-C-Anschluss ersetzt und statt der sechs AA-Batterien verfügt der Circuit Tracks nun über einen internen Akku.

Klangerzeugung des Circuit Tracks

Basierend auf der Novation Nova-Engine, finden sich im Circuit Tracks zwei Synthesizer mit jeweils 6 Stimmen. Damit bleibt bei der Klangerzeugung also alles beim alten: Eine Synthese-Engine die ihre digitale Herkunft zwar kaum verstecken kann, aber durch Flexibilität punktet.

Ein paar Worte zur Nova-Engine

Wenn ihr mit dem Circuit noch keine Berührungspunkte hattet: Die Soundengine bietet zwei flexible Oszillatoren mit unterschiedlichen Schwingungsformen, die von virtuell analog bis hin zu Wavetables reicht. Anschließend läuft das Signal durch ein Multimodefilter und eine rudimentäre Effektsektion mit Bitcrusher, Overdrive-Algorithmen, Chorus und Flanger. Leider erzeugt der Phaser bei längeren Release-Zeiten immer noch Artefakte, ansonsten spielen die Effekte eher im klanglichen Mittelfeld. Als Ideengeber und für den Live-Einsatz reicht die Klangqualität zwar aus. Wer allerdings auf der Suche nach hochwertigem Sound ist, sollte sich lieber ein externes Reverb– Chorus oder Delay-Pedal dazu holen.

Insgesamt klingt die virtuelle Synthese des Circuit Tracks durchaus brauchbar. Vor allem bei Pads und obertonreichen Additiv-Leads kann die kleine Groovebox überzeugen. Bässe gelingen damit zwar auch recht gut. Wenn man aber einen richtig satten Analogsound haben möchte, muss man sich beim Circuit Tracks schon sehr anstrengen und erhält am Ende doch nur einen „okay“en Kompromiss. Wie gut, dass man mit dem Circuit Tracks nun auch externe Synths ansteuern und durchschliefen kann. Doch dazu später mehr.

Novation Circuit Tracks: Angeschrägte Oberfläche und deutlich schmaler als der Vorgänger
Novation Circuit Tracks: Angeschrägte Oberfläche und deutlich schmaler als der Vorgänger

Neu hinzugekommen ist auch ein Kompressor, der im Hintergrund die Tracks verdichtet. Zwar lässt sich dieser derzeit noch nicht regeln. Laut Novation plant man aber bereits, Usern später Zugriff auf die wichtigen Parameter über den Editor zu geben. Für Live-Situationen kann es aber jetzt schon hilfreich sein, um Spitzen auszubügeln und den Gesamtsound zu verdichten.

Die Sample-Abteilung des Novation Circuit Tracks

Die Sample-Engine ist im Vergleich zum Vorgänger ebenfalls identisch aufgebaut. Das bedeutet, ihr könnt eure Samples in bis zu 64 Speicherplätzen ablegen und in vier Drum-Spuren programmieren. Wie schon beim Circuit ist es natürlich auch beim Nachfolgermodell möglich, mehr als nur vier Sample-Instrumente auszuwählen, indem man die Drum-Tracks live einspielt (Sample-Switch).

Zur Nachbearbeitung der Samples stehen als Parameter Pitch, Decay, Overdrive und ein Filter zur Verfügung. Das Filter bezieht sich auf alle Instrumente in einem Drumtrack und nimmt entweder Höhen oder Bässe aus dem Signal.

Jetzt mit zwei zusätzlichen MIDI-Tracks

Wohl die wichtigste Neuerung neben des optimierten Formfaktors sind die zwei zusätzlichen MIDI-Tracks. In der Vergangenheit musste man dafür noch die internen Tracks opfern. Der Circuit Tracks bietet dafür nun zwei unabhängige MIDI-Tracks an, die sich exakt so programmieren lassen, wie auch die Synth-Tracks.

Besonders praktisch ist hierbei, dass man die acht Encoder beliebigen Parametern zuweisen kann. Je nach angeschlossenem Synth könnt ihr also Live performen, dabei eure Reglerbewegungen aufzeichnen und damit selbst komplexe Modulationen umsetzen.

Die MIDI-Clock für die externen Instrumente lässt sich darüberhinaus in unterschiedlichen Auflösungen ausgeben. So ist es beispielsweise möglich, die Clock eines externen Instruments mit Sequencer mit halber Taktrate zum Rest laufen zu lassen. Spinnt man diesen Gedanken weiter, könnte man auch an einen MIDI-Track zwei Instrumente hängen: Eins mit Sequencer, das nur die Clock empfängt und im halben Takt mitläuft. Das MIDI Signal für Noten etc. wird dann per Thru an einen zweiten Synth weitergeleitet, der direkt vom Circuit Tracks angesteuert wird. Nutzt man dann noch die Audio-Eingänge, hat man sich schnell ein effektives Minimal-Setup aufgebaut, mit dem man über längere Zeit performen kann.

Novation Circuit vs. Novation Circuit Tracks: Das sind die Unterschiede

FeaturesNovation CircuitNovation Circuit Tracks
Presets64128
Samples6464
EffekteDelay, Reverb (Send) / Chorus, Phaser (pro Synth-Track)Delay, Reverb (Send) / Chorus, Phaser (pro Synth-Track)
MIDI-TracksNur gleichzeitige Nutzung der internen Tracks für MIDI
2 zusätzliche MIDI-Tracks
Batteriebetrieb6 AA-BatterienIntegrierter Akku
Micro SD-CardPacks können über Micro-SD-Card
(Fat32) geladen werden
Zusätzlicher SummenkompressorJa
Steuerung der Sidechain-CompressionKick-KanalKann frei aus den vier Drum-Kanälen
gewählt werden
Unterschiede: Novation Circuit und Novation Circuit Tracks

Sind Novation Circuit Tracks und Circuit kompatibel?

Was passiert mit meinen Novation Circuit Sound Packs? Kann man seine Sessions einfach 1:1 übertragen? Da sich die Soundengine nicht großartig verändert hat, bin ich zunächst davon ausgegangen, dass auch die Sound Packs problemlos übertragbar sind.

Leider ist das nicht vollständig der Fall. Die gute Nachricht ist, dass sich die Patches theoretisch übertragen lassen. Theoretisch deshalb, weil man das derzeit noch für jedes Patch einzeln machen muss. Auch Macros werden dabei übernommen, entsprechen dann aber nicht mehr der Default-Beschriftung auf dem Gehäuse. Wobei ich das nicht so tragisch finde. Liegen euch nur komplette Sound Bänke vor, müsst ihr im Components jedes einzelne Patch exportieren und wieder im Novation Circuit Tracks importieren.

Komplette Sound Packs des Circuit-Vorgängermodells werden nicht erkannt! Damit könnt ihr auch nicht einfach auf das neue Modell umsteigen. Meiner Meinung nach ist das das größte Versäumnis von Novation. Da Novation in der Vergangenheit aber eine vorbildliche Produktpflege betrieben hat, hoffe ich, dass das noch nachgereicht wird.

Novation Circuit Tracks Test – Fazit

Novation hat mit dem Circuit Tracks einen würden Nachfolger eines erfolgreichen Konzepts auf den Markt gebracht. Die kompakte Groovebox macht einfach Spaß und man kommt auch als Einsteiger schnell zu brauchbaren Ergebnissen.

Wenn man tief in die Klangerzeugung einsteigen möchte, kommt man zwar immer noch nicht um einen Editor herum. Dafür schaffen die beiden zusätzlichen MIDI-Tracks, ein größerer Soundspeicher und nicht zuletzt die Möglichkeit, weitere Sound-Packs im Live-Betrieb nachzuladen einen echten Mehrwert. Hier und da hätte ich mir in der Soundengine noch ein paar Optimierungen gewünscht, aber das hätte unter Umständen auch dazu geführt, dass die Modelle untereinander nicht mehr kompatibel gewesen wären.

Zuletzt stellt sich vielleicht der ein oder ander die Frage: Lohnt sich ein Umstieg auf das aktuelle Modell? Ich will es mal so formulieren: Wenn man auf die beiden MIDI-Tracks, den Summenkompressor oder den Akku verzichten kann, und auch die SD-Card-Funktionen nicht benötigt, braucht man definitiv nicht zu wechseln. Der alte Circuit klingt recht identisch und der Workflow ist ebenfalls gleich intuitiv geblieben. Wer vor der Anschaffung einer neuen Groovebox steht, kann beim Novation Circuit Tracks bedenkenlos zugreifen.

Zur Webseite von Novation

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