dreadbox Nymphes Test: Polyfoner Analogsynth

dreadbox Nymphes Test

Dreadbox erweitert mit dem Nymphes sein Portfolio um einen speicherbaren Poly-Analogsynth. Wie gut sich der Klangerzeuger für elektronische Musik eignet, erfahrt ihr im dreadbox Nymphes Test. Doch erstmal gibt es ein Demovideo.

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dreadbox Nymphes Demovideo

Dreadbox Nymphes Test: Erster Eindruck und Verarbeitung

Der dreadbox Nymphes überrascht zunächst einmal durch sein wirklich kompaktes Format: Der Synth ist nur etwas breiter als der dreadbox Typhon, dafür mit knapp 2 Zentimeter Höhe aber ein gutes Stück flacher. Damit dürfte er problemlos in den Rucksack passen, wenn man mal wieder unterwegs ist. Die Portabilität wird noch dadurch unterstrichen, dass der Nymphes über USB nicht nur Daten mit einem Computer austauscht, sondern wie schon der Typhon darüber auch seine Energie bezieht.

Auf der Rückseite befinden sich sämtliche Anschlüsse. Wobei „sämtlich“ hier eher ein Euphemismus ist. Denn hier gibt es nur eine absolute Minimalausstattung. Neben dem USB-Port finden sich lediglich ein MIDI-In (über 3,5 mm Klinkenadapter), sowie Ausgänge für Kopfhörer (3,5 mm Stereo) und ein Mono-Line-Out.

dreadbox Nymphes: Sparsame Anschlussausstattung

Das Panel beherbergt insgesamt vierzehn Fader, drei Taster, sowie einen Wahlschalter für das Menü und einen Lautstärkeregler. Die Fader bieten allesamt einen angenehmen Widerstand und ausreichend Laufweite für gezieltes Sounddesign. Überhaupt wirkt der Nymphes gut verarbeitet und sollte mit seinem Metallgehäuse auch einem anspruchsvolleren Dauereinsatz gewachsen sein.

Klangerzeugung

Der dreadbox Nymphes ist auf den ersten Blick recht simpel aufgebaut: Ein Oszillator generiert stufenlos überblendbar die Schwingungsformen Dreieck, Pulse (inklusive PWM) und Sägezahn. In der Mixerebene kann man dann noch anteilig einen Rechteck-Suboszillator, sowie weißes Rauschen hinzufügen.

dreadbox Nymphes Test: Schrägansicht
dreadbox Nymphes: Schlanke zwei Zentimeter flach

Filter

Anschließend geht das Signal in ein 24dB-LP-Filter mit Resonanz, die bis in die Selbstoszillation reicht. Zusätzlich dünnt ein stufenlos einstellbares Hochpassfilter den Tieftonanteil aus, was besonders bei Pads und Arpeggiator-Leads hilfreich sein kann. Denn das Filter des Nymphes packt ordentlich zu und erzeugt zusammen mit der kraftvollen Oszillatorebene ziemlichen Tiefenschub. Im Bassbereich gibt es mit zunehmender Resonanz einen Lautstärkeverlust, der aber nicht so stark wirkt, wie beispielsweise bei der klassischen Moog-Kaskade.

Modulationsgeneratoren

Um Bewegung in den Sound zu bringen, verfügt dreadbox Nymphes über je eine ADSR-Hüllkurve für VCA und Filter / Pitch, sowie zwei LFOs. Zusätzlich kann man nahezu alle Parameter über Velocity, Modulationsrad und Aftertouch steuern.

Envelopes

Die Hüllkurvenintensität wird per Schieberegler eingestellt. Insgesamt bieten die Hüllkurven einen umfangreichen Regelweg, wobei ich mir eine etwas längere Decay-Zeit gewünscht hätte. Die scheint mir eher noch für Bass- und Leads optimiert zu sein. Richtig lange Sweeps sind damit nicht möglich, was bei einem Polysynth schade ist.

Bei sehr kurz eingestellter Attack-Zeit erzeugt die Hüllkurve am Anfang einen knackenden, allerdings musikalisch nicht besonders gut nutzbaren Impuls. Laut dreadbox ist das Problem bereits bekannt und man arbeitet wohl an einem Bugfix. Nach dem hervorragenden Support beim Typhon rechne ich hier kurzfristig mit einer Lösung.

LFOs

Wie bereits erwähnt, kommen im Nymphes zwei LFOs zum Einsatz: LFO1 wirkt immer global und ist fest mit der Tonhöhe oder der Cutofffrequenz verdrahtet. LFO2 steht pro Stimme zur Verfügung und lässt sich über die Modulationsmatrix beliebigen Parametern zuweisen. Dazu drückt man auf den Menütaster, stellt den Preset-Drehschalter auf „2“ und kann dann beliebige Regler bewegen. Der Bewegungsradius bestimmt dabei die Intensität. So kann man im Handumdrehen mehrere Parameter zuweisen, inklusive den meisten Parametern, die sich hinter der Shift-Taste verstecken.

An sich finde ich die Zuweisung recht gut gelöst. Allerdings wird es spätestens dann nervig, wenn man einstellt, ob die LFOs BPM-synchron, frei, langsam oder schnell schwingen sollen. Gleiches gilt für die Kopplung der LFO-Frequenz an die Tonhöhe oder den Note-On-Reset. Das ist Meckern auf hohem Niveau, denn alleine den Umstand, dass diese Parameter zur Verfügung stehen, finde ich großartig.

Die LFOs schwingen im „Fast-Modus“ bis in den hörbaren Bereich. Koppelt man die LFO-Frequenz dann noch an die Tonhöhe, erzeugt man recht aggressive und metallische Sounds. Beide LFOs bieten übrigens die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn (up/down), Pulse, sowie Random.

Selbst wenn die Modulationsvielfalt für das kleine Format beeindruckend ist, hätte ich mir auch negative Zuweisungen gewünscht. Denn Modulationen werden immer nur zum Ausgangswert addiert. So ist es zum Beispiel nicht möglich, ein Filter mit Aftertouch zu schließen. Vielleicht legt dreadbox das in Zukunft per OS Update nach.

Preset-Management und Workflow

Nymphes besitzt jeweils 49 Speicherplätze für User- und Facory-Presets. Das ist nicht besonders viel, aber für viele Szenarien dann gerade so ausreichend.

dreadbox Nymphes Test: Draufsicht
dreadbox Nymphes Test: Fader für die wichtigsten Parameter

Allerdings erscheint mir die Preset-Auswahl unnötig umständlich: Drücken des Load-Tasters, dann wird per Shift+Load der Drehregler auf die Bank A-G bewegt um letztlich mit losgelassen Shift-Taster einen von 7 Presetplätzen anzuwählen. Soweit noch einigermaßen nachvollziehbar.

Möchte man nun aber zwischen „User- und Factory-Inhalt“ switchen, so drückt man im letzten Schritt entweder kurz auf Load für die User-Plätze. Oder man hält Load gedrückt, bis die LED des Tasters schnell blinkt. Dann würde die Factory-Bank angesteuert. Up-/Down-Taster, um schnell mal durch die Presets zu scrollen, gibt es übrigens nicht.

Das interne Reverb

Neben der analogen Klangerzeugung gibt es im dreadbox Nymphes noch ein digitales Reverb. Hierbei handelt es sich eher um einen experimentelleren Vertreter der Gattung. Wer natürliche Räume sucht, kommt um ein externes Reverb nicht herum.

Trotzdem ist das Reverb interessant und mit seinem metallischen Klang prädestiniert für industrielle Drones und scheppernde Lead-Sounds. Allerdings muss man hier mit der Dosis haushalten, denn der charakterstarke mittige Sound kann im Mix schnell zu dominant sein.

Nymphes: Ein moderner Roland Juno?

Rein von der Ausstattung her erinnert der Nymphes auf den ersten Blick an die Juno-Reihe von Roland. Um es aber gleich vorweg zu sagen: dreadbox Nymphes ist kein Roland-Juno-Clone und abgesehen von einigen Parallelen im Aufbau sind genügend Unterschiede vorhanden. Ja, Nymphes kann viele typische Roland-Juno-Sounds abdecken. Und nein, er klingt dabei nie exakt wie ein Juno.

Da wäre zum einen die erheblich umfangreichere Modulationsmatrix im Nymphes. Zum anderen fehlt dem Nymphes der charakteristische Chorus, der einen wesentlichen Teil zum Juno-Sound beiträgt. Je nach Juno-Modell muss man feststellen, dass Juno 6 und Juno 60 über noch schnellere Hüllkurven verfügen als der Nymphes. Diese sind zwar nicht schlecht. Im Vergleich mit den Roland-Junos haben diese aber nicht den markanten Punch, von dem gerade perkussive Bässen profitieren.

Fazit: Dreadbox Nymphes Test

Der auf den ersten Blick unscheinbare dreadbox Nymphes überzeugt durch einen satten Analogsound mit großem Sweet-Spot. Richtig böse wird es hier selten. Dafür kommt man aber recht schnell zum Ziel, sobald einmal die Doppelbelegungen und Shift-Befehle auswendig kennt.

Die teilweise nervige Menünavigation in Kombination mit dem nicht sehr intuitiven Presetmanagement ist allerdings auch die Achillesferse bei dem ansonsten hervorragenden Synth. Hier wäre ein Display sicherlich hilfreich gewesen, selbst in der Größe eines Medusa oder Typhon. Man gewöhnt sich allerdings nach ein paar Stunden intensiven Einsatzes daran.

Sieht man über dieses Manko hinweg, liefert dreadbox mit dem Nymphes einen großartigen Polysynth, der herrlich organisch klingt und etliche Fans finden wird. Hängt man dann noch hochwertige Reverb– oder Delay-Effektpedale an den Synth, sind stundenlange Ambient- oder Melodic-Techno-Sessions garantiert.

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