Moog Mavis Synthesizer Test: Moog goes Westcoast?

Moog Mavis Test

Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Das US-Unternehmen Moog lieferte mit dem Minimoog eigentlich die Blaupause für den sogenannten East-Coast-Ansatz. Dahinter verbirgt sich Klangsynthese mit klassisch subtraktiver Struktur, also Oszillator -> Filter -> VCA. Nun erweitert Moog das eigene Portfolio und stellt mit dem Moog Mavis Synthesizer einen DIY-Bausatz vor, der mit Wavefolding Westcoast-Anleihen aufweist. Wie gut das klingt, erfahrt ihr im Moog Mavis Test.

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Moog Mavis Synthesizer Demovideo mit Empress Reverb

Moog Mavis auf einen Blick

  • Semimodularer DIY-Synthesizer mit Wavefolder
  • 24 dB Moogfilter
  • LFO und ADSR-Hüllkurve
  • Patchbay mit 24 Patchpunkten
  • Perfekt als Ergänzung für kleine Modularsysteme oder Standalone für Hardware-Setups

Wieviel DIY ist wirklich notwendig?

Zunächst einmal können alle beruhigt aufatmen, die beim Thema „Löten“ nervös werden. Denn DIY bezieht sich beim Moog Mavis Synthesizer lediglich auf das Zusammenstecken und -schrauben einzelner Komponenten. Die Platine ist bereits fertig bestückt und so kommt jeder, der schon einmal eine Schraube erfolgreich festgezogen hat, auch mit dem Aufbau des Moog Mavis klar.

Moog Mavis Synthesizer: DIY-Set
Moog Mavis Synthesizer: DIY-Set

Insgesamt finden sich dafür im Lieferumfang 25 Scheibenmuttern, um die Patchbuchsen festzuziehen, sowie zehn Schrauben, um Gehäuse und Platine zu fixieren. Im Prinzip beschränkt sich der DIY-Anteil auch darauf und nach spätestens 45 Minuten sollte man mit dem Aufbau durch sein.

Moog Mavis Test: Lieferumfang und erster Eindruck

Das Gehäuse des wird direkt mit einem Deckel ausgeliefert, wodurch sich der Moog Mavis Synthesizer recht komfortabel transportieren lässt. Schick ist das nicht, aber er macht, was er soll. Überhaupt hinterlässt der Moog Mavis eher den Eindruck mit seinen Minireglern und billig anmutenden Gummitasten eines Low-Budget-Synths. Dadurch kann er definitiv nicht mit der ansonsten recht hochwertigen Haptik von Moog mithalten.

Moog Mavis Test: Der Synthesizer bringt sein Case gleich mit
Moog Mavis bringt sein Case gleich mit. Nicht hübsch, aber nützlich

Eigentlich wäre das auch ok, wenn der Synthesizer preislich bei maximal 300 € läge. Für knapp 400 € gibt es auf dem Markt aber definitiv wertigere Geräte. Und dabei denke ich noch nicht einmal an Behringer, sondern auch an kleinere Hersteller wie etwa dreadbox. Aber gut, Moog war noch nie günstig. Und so wird man auch hier einen Preis gesucht haben, der nach unten noch ausreichend Luft lässt, um die Markenwahrnehmung nicht zu gefährden.

Weiterhin finden sich im Lieferumfang noch ein paar Patch-Schablonen, die den Einstieg erleichtern sollen, sowie die geizige Anzahl von fünf Patch-Kabeln für Klangexperimente. Und damit wären wir auch schon beim wichtigsten Thema: Wie klingt der Moog Mavis Synthesizer?

Moog Mavis Synthesizer: Struktur und Klang

Bei dem Moog Mavis handelt es sich nach eigener Aussage um einen typischen Moog-Synthesizer mit Westcoast-Inspiration. Falls euch das kein Begriff sein sollte: Es gibt eine traditionelle Unterscheidung bei klassischen Analogsynthesizern. Während die eine Richtung subtraktive Synthese mit dem Aufbau Oszillator – Filter – AMP nutzt, setzt man bei der anderen auf das Hinzufügen von Obertönen mittels Wavefolding (Waveshaping). Hierbei wurde statt eines resonanzfähigen Tiefpassfilters auch häufig auf sogenannte Lowpass Gates gesetzt, klanglich meistens eine Kombination aus Tiefpassfilter ohne Resonanz und VCA.

Dabei war Moog als Osküstenunternehmen Vorreiter der ersten Richtung. Das kalifornische Unternehmen Buchla wiederum ist der bekannteste Vertreter der zweiten Richtung. Und aufgrund dieser einfachen geographischen Unterscheidung wird heute von Westcoast- und Eastcoast-Ansatz gesprochen.

Moog Mavis Test: Draufsicht mit Patchkabeln
Moog Mavis fertig aufgebaut und mit Kabeln

Oszillator und Wavefolder

Das Herzstück der meisten Westcoast-Synths ist ein (Sinus- oder Dreieck-)Oszillator mit Wavefolder. Beim Moog Mavis erzeugt der Oszillator die Schwingungsformen Rechteck (inkl. PWM) und Sägezahn. Wie schon bei anderen Moog-Synths ist der Übergang hier fließend.

Um den Wavefolder zu nutzen, muss man diesen via VCO zu Fold-In erst einmal über die Patchbay verknüpfen. Wenn man anschließend den Fold-Regler nach rechts dreht, entstehen neue harmonische Obertöne. Das klingt dann mehr oder weniger aggressiv-organisch und ist eine willkommene Ergänzung zum klassischen Moog-Sound. Kombiniert man das noch mit Filter FM und PWM im hörbaren Bereich kann der Mavis schon sehr böse klingen: super für harte Techno-Leads, lebendige Drones oder Psytrance FX.

Warum Moog sich aber dagegen entschied, die Wavefolding-Intensität auch modulierbar zu machen, bleibt wohl ein Rätsel. Richtig spannend wird das nämlich erst, wenn man die Intensität zum Beispiel mit einer Hüllkurve steuert und daraus Bässe oder Sweeps formt. So muss man das beim Moog Mavis mit der Hand machen.

Filter

Beim Filter setzt man beim Mavis auf die klassische 24dB Moog-Kaskade. Warum auch nicht? Das Filter diente mit seinem musikalischen Klang als Blaupause für etliche andere Geräte und hat nichts an Popularität eingebüßt. Bässe, Leads und alles, wofür das Moogfilter geschätzt wird, gelingen auch mit dem Mavis. Trotzdem hätte ich sehr gerne mal Moogs Interpretation eines LPG gesehen.

Moog Mavis bietet eine recht umfangreiche Ausstattung
Moog Mavis Miniregler

Moog Mavis Synthesizer mit echter ADSR-Hüllkurve

Eine komplette ADSR-Hüllkurve ist trotz der langen ASD/R Erblinie mittlerweile selbst bei Moog keine Ausnahme mehr. Dennoch ist es erfreulich, auch im Mavis eine vollständiges Exemplar statt alternativ umschaltbarem Decay / Release zu finden.

Die Hüllkurve liefert die Moog-typischen runden Bässe und Leads. Auch perkussive Sounds sind möglich, aber eben nie auf ultraknackigem Cwejman-Geschwindigkeits-Niveau. Es bleibt also eher bei Zaps, statt auch in den Bereich der Mikroklicks vorzudringen. Das muss auch nicht immer sein, aber gerade Westcoast-Percussion profitiert von sehr schnellen und knackigen Hüllkurven.

LFO

Der LFO erzeugt die Schwingungsformen Dreieck und Pulse. Per Drehregler lassen sie sich stufenlos überblenden. Weiterhin liefert der Moog Mavis Synthesizer über die Patchbay noch Sample & Hold.

Da die LFO-Frequenz bis in den hörbaren Bereich reicht, kann man diesen auch als zweiten Oszillator verwenden, indem man den KB CV in den LFO-In routet. Allerdings bezieht sich „KB“ hierbei auf das Mäuseklavier im unteren Bereich. Effektiv steht dafür also gerade mal eine Oktave im direkten Zugriff.

Wer den LFO über mehrere Oktaven als zweiten Oszillator nutzen möchte, sollte also ein externes CV-Signal per Multiple gleichzeitig auf die LFO Rate und den 1V/Oct-Eingang routen. Glücklicherweise hat Moog daran gedacht und im unteren Bereich der Patchbay ein 1-auf-2-Multiple integriert. Zwar ist das Tracking hier nur in einem geringen Bereich sauber, für experimentelle Sounds ist das aber dennoch nutzbar.

Patchbay

Moog Mavis Patchbuchsen

Da wir eben schon am Thema gekratzt haben: Ganz links befindet sich die Patchbay des Mavis, die zum weiteren Experimentieren einlädt. Dazu stehen insgesamt 24 Miniklinken-Anschlüsse bereit, alles natürlich voll kompatibel mit Eurorack-Modularsystemen.

Zwar ist schon ohne ein einziges gestecktes Patchkabel eine Menge an Modulationen möglich, darunter Filter FM, PWM, Pitch-FM, sowie eine feine Dosierung der Modulationsintensität. Die Auswahl der Patchbay erweitert den Funktionsumfang sinnvoll und ermöglicht zusätzlich noch Sample & Hold.

Sonstiges

Im unteren Bereich des Mavis findet man noch eine Mäuseklaviatur. Als ehemaliger User eines Mother 32 habe ich verzweifelt nach einem Sequencer gesucht, musste dann aber feststellen, dass es echt nur eine Oktave kleiner Gummitasterchen sind. Eigentlich unbrauchbar, aber zum gelegentlichen Abfeuern von Drones ist das ok. Ein paar zusätzliche Patchbuchsen wären sicherlich sinnvoller gewesen.

Moog Mavis Miniklaviatur zum Antesten von Sounds
Mavis Miniklaviatur zum Antesten von Sounds

Moog Mavis: Welche Alternativen gibt es?

FeaturesMoog MavisCre8Audio West PestMake Noise 0-Coast
Oszillatoren1 VCO (Sägezahn, Rechteck)1 VCO (Sinus, Dreieck, Sägezahn)1 VCO (Dreieck, Rechteck)
Filter24 dB MoogkaskadeLPGTransistorbasiertes LPG
Wavefolder etcWavefolderWavefolder, FMWavefolder
LFO(s)12 (1 analog / 1 digital)Slope mit flexibler A/R-Phase, Dreieck-/Puls-LFO optional über MIDI B
Hüllkurven1 x ADSR2 (1 PGH-Dynamik-Sektion / 1 digital)1 x ADSR, 1 x AR (auch LFO)
Patchpunkte242027
Sequencer32-Steps
SonstigesMinimaltastaturArpeggiator, MIDIArpeggiator, MIDI
Preis399 €249 €559 €

Moog Mavis Test: Fazit

Moogs Ausflug in Westcoast-Gefilde dürfen gerne häufiger stattfinden. Denn dieser Ausflug ist eher ein Kurztrip. Wenn man ihn mit anderen Wavefolding-Synths wie dem cre8audio West Pest vergleicht, ist mir der Moog Mavis noch etwas zu nah am Moog-Konzept dran. Hier hätte Moog gerne mootiger sein dürfen. Und wenn man dann noch die 400 € für einen DIY-Synth mit Billig-Feeling betrachtet, sieht das Gesamtpaket nicht mehr so gut aus.

Andererseits müsste man für die Einzelkomponenten im Modularsystem wiederum ein Vielfaches hinlegen. Und man darf nicht vergessen: Es ist ein Moog-Synth. Das soll die Preispolitik nicht entschuldigen. Ich vermute aber, dass Moog einfach schon aus Markenpflege bestimmte Preisuntergrenzen nicht unterschreiten darf. Ich lasse das mal wertfrei stehen. Am Ende sei also nur gesagt: Der Synth klingt gut, alles andere müssen die Käufer bewerten.

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