Tiefenstaffelung im Mix: Mehr Spannung beim Abmischen von Techno

Tiefenstaffelung im Mix

Professionelle Mixe unterscheiden sich von Amateur-Mischungen häufig dadurch, dass deutlich mehr Wert auf die Tiefenstaffelung gelegt wurde. Bei der Tiefenstaffelung im Mix werden – ähnlich wie der Verteilung im Stereopanorama – die einzelnen Instrumente im Raum platziert. Dadurch erscheint der Mix ausgewogener, die Instrumente haben mehr Platz. Wie ihr Tiefenstaffelung beim Mixing von elektronischer Musik nutzen könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Lautstärke anpassen

Der einfachste Weg, Instrumente weiter vorne oder hinten im Mix zu platzieren, ist über die Anpassung der Lautstärke. Je leiser ein Instrument ist, umso weiter entfernt erscheint es. Statt also zu versuchen, alle Elemente möglichst laut zu haben, baut ihr als erstes ein grobes dreidimensionales Bild auf, bei dem ihr gezielt einzelne Instrumente leiser macht und diese nach hinten schiebt. Hierfür eigenen sich besonders gut Atmo-Sounds wie Pads oder Field-Recordings. Aber auch einzelne Percussion-Elemente profitieren davon, wenn man sie leise in den Hintergrund schiebt.

Reverb

Je näher sich ein Instrument befindet, umso deutlicher hört man das Direktsignal. Umgekehrt haben Instrumente, die weiter im Raum entfernt sind auch mehr Raumanteil. Diesen Effekt kann man auch für elektronische Instrumente nutzen und seine Synthesizer akustisch weiter hinten platzieren, indem man einfach den Anteil des Reverb-Effekts erhöht.

Reverb zur Tiefenstaffelung im Mix nutzen
Reverb für den Tiefeneindruck im Mix nutzen

Entscheidend ist auch die Größe des simulierten Raums. Wollt ihr euer Signal sehr weit in den Hintergrund rücken, sind große Räume mit weniger Obertönen ein guter Ausgangspunkt. Kleine Räume mit hohem Mittenanteil und präsenten Höhen sind die Wahl, wenn ihr Signale nur leicht nach hinten versetzen möchtet.

Equalizer nutzen

Zusätzlich zum Reverb solltet ihr dann auch einen Equalizer nutzen. Hiermit kann man die Eigenschaften des Schalles simulieren, bei dem das Signal über die Entfernung hinweg immer mehr an Höhen verliert. Ihr kennt das sicherlich von Open Airs: Aus der Entfernung hört ihr als erstes die Bässe und unteren Mitten. Wenn ihr nun näher an die Bühne herangeht, werden auch die Höhen immer präsenter.

Durch Absenken der Höhen rückt ihr das Signal weiter in den Hintergrund
Durch Absenken der Höhen rückt ihr das Signal weiter in den Hintergrund

Nutzt das auch für die Tiefenstaffelung in eurem Mix: Senkt die Höhen der Instrumente ab, die im Hintergrund sitzen sollen und sie erscheinen weiter entfernt. Das könnt ihr noch verstärken, indem ihr die Lautstärke herunterzieht und den Raumanteil erhöht.

Falls ihr Signale stärker nach vorn holen wollt, könnt ihr den Höhenanteil verstärken. Dadurch wirken Instrumente, Drums oder Vocals deutlich präsenter und damit näher.

Panoramaverteilung

Um einen möglichst umfangreichen Tiefeneindruck zu gewinnen, sollte man bei der Tiefenstaffelung auch an die Verteilung im Stereopanorama denken. Zwar wandern hier die Instrumente zunächst einmal nur nach links und rechts. In Kombination mit den anderen Tipps in diesem Artikel gewinnt ihr durch eine Verteilung im Panorama aber zusätzlich Platz. Auf diese Weise konkurrieren die leiseren Instrumente im Hintergrund nicht erneut miteinander. In dem Artikel „Techno und Ambient abmischen: Stereobreite verbessern“ behandele ich das Thema Panorama im Mix noch etwas ausführlicher.

Kompressor einsetzen

Für den letzten Trick nutzen wir Dynamikprozessoren. Mit einem Kompressor verdichtet man Audiosignale. Man kann das auch nutzen, um dem Signal einen Raumeindruck zu verpassen. Mit ganz kurzen Release-Zeiten arbeitet der Kompressor schneller, wodurch dynamische Signale schneller verdichtet werden. Dadurch sitzt das Instrument weiter vorne im Mix. Wollt ihr es weiter nach hinten schieben, probiert einmal höhere Release-Zeiten.

Mit einem Kompressor könnt ihr das Signal ebenfalls räumlich platzieren
Mit einem Kompressor könnt ihr das Signal ebenfalls im Raum platzieren

Außerdem könnt ihr mit dem Kompressor den hörbaren Anteil der Transienten, also die lauten Impulse am Anfang des Signals, beeinflussen. Bei hohen Attack-Zeiten lässt der Kompressor die Transienten noch durch, während der Kompressor bei kurzen Attack-Zeiten diese wegdrückt. Natürlich vorkommende Signale haben in der Regel stärkere Transienten als Signale, die weiter entfernt sind. Überträgt man das nun auf die Tiefenstaffelung im Mix, könnt ihr Instrumente weiter hinten platzieren, indem ihr die Attack-Zeit eures Kompressors kurz einstellt und die Impulse am Anfang reduziert.

Tiefenstaffelung im Mix – Fazit

Auch diese Tipps sind wie immer nur ein Leitfaden und sollen euch nicht davon abhalten, eigene Experimente zu fahren. Am wichtigsten ist es meiner Meinung nach, dass erst einmal über Lautstärke und Panorama ein grober dreidimensionaler Mix geschaffen wird, bevor man mit spezielleren Effekten wie Reverb und Kompressor an die Details geht.

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