Reverb Pedale für Synthesizer: die besten Hall-Effekte

Reverb Pedale für Synthesizer

Wenn man seine Tracks live ohne Computer performen möchte, benötigt man irgendwann ein paar gute Effekte zur Klangveredelung. Aber nicht nur für Live-Anwendungen kann ein externes Effektpedal sinnvoll sein. Auch im Studio sind direkter Zugriff und gute Klangqualität häufig inspirierender als die PlugIn-Bedienung per Mouse. Und falls man dann noch Effekte kreativ ins Sounddesign einbinden möchte, ist der spontane Eingriff in den Sound ohnehin wichtig. Ein essentieller Effekt neben dem Delay ist ein gutes Reverb. Da es davon mittlerweile unzählige Kandidaten in Pedalform gibt, soll dieser Artikel etwas Licht ins Dunkel bringen: Welches sind die besten Reverb-Pedale Für Synthesizer?

Welche Features sollten Reverb Pedale für Synthesizer haben?

  • Stereo Ein- und Ausgänge
  • Regler zur Echtzeitsteuerung der Parameter
  • Flexible Ausstattung inklusive mehrerer Hall-Varianten
  • True Bypass, damit das Audiosignal auch bei ausgeschaltetem Effekt ohne Verluste durchgeschliffen wird

Sehen wir uns also an, welche Reverb-Pedale sich besonders für den Einsatz mit Synthesizern eignen.

Source Audio Ventris Dual Reverb

Die Pole Position bekommt Source Audio mit dem Ventris Dual Reverb, auch wenn die Abstände im Spitzensegment sehr eng sind. Das Effekt-Pedal überzeugt durch hervorragenden Klang, direkten Zugriff und solider Verarbeitung. Richtig besonders wird es aber durch die versteckten Optionen. Denn in seinem Inneren schlummern gleich zwei Halleffekte, die sich wahlweise einzeln oder parallel betreiben, und somit zu außergewöhnlichen Hallräumen schichten lassen. Eine Kombination aus Federhall und Shimmer-Reverb? Das ist mit dem Source Audio Ventris kein Problem.

Und für Sounddesigner hat Source Audio noch an ein weiteres Extra gedacht: Mit der Neuro App lassen sich die Effekte umfangreich editieren und abspeichern. Über diese App steht noch einmal eine Vielzahl an Parametern zur Verfügung, an die man nicht direkt über das Pedal gelangt. Die App gibt es als Desktop- und iPhone-Version. Eine sehr runde Sache mit großartigem Klang: perfekt für Ambient, Techno und andere elektronische Musik!

Strymon Big Sky

Seit der Markteinführung 2013 hat sich das Big Sky von Strymon zum Quasistandard für Ambient und Chillout entwickelt. Und das aus gutem Grund: Denn das hervorragend verarbeitete Effektpedal liefert nicht nur die beliebten Shimmer-Reverbs. Der flexible Klang, der auch außergewöhnliche Hallvarianten umfasst, legt sich wie Seide um Synthesizer-Sounds. Egal was man da hereinschickt, es klingt eigentlich immer gut. Allerdings ist das meiner Meinung nach auch der größte Kritikpunkt am Big Sky: Es hat einen starken Eigencharakter, sodass man es schnell aus einem Mix heraushört. Wenn man diesen Sound mag, ist das Big Sky von Strymon aber eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Mit dem Bluesky hat Strymon übrigens noch eine abgespeckte Version ihres Dauerbrenners im Angebot. Mit rund 320 € ist das Bluesky zwar nicht deutlich günstiger. Dafür ist es durch seine kompakteren Ausmaße einfacher zu transportieren. Im Live-Einsatz kann die Anzahl verfügbarer Regler des Big Sky mitunter auch ablenken, weshalb ich das Bluesky vor allem hier im Vorteil sehe: wenige Regler, die auf die meistgenutzten Parameter abzielen, dazu der hervorragende Klang des großen Bruders.

GFI Specular Tempus Reverb & Delay

Das Specular Tempus Reverb & Delay Effektpedal ist ein echter Geheimtipp für die Nutzung mit Synthesizern. Glasklare Shimmer-Reverbs für Ambient, weiche Hallräume für Pads und eine Soundqualität, die selbst noch in HiEnd-Setups überzeugt.

Die kompakte Einheit verfügt über 32 unterschiedliche Effektalgorithmen, ein helles Display, sowie Regler für die wichtigsten Parameter. Über den MIDI-Eingang lässt sich das Delay bequem zur Clock syncen. Wer richtig tief ins Sounddesign einsteigen möchte, kann dies über den kostenlosen Editor SpecLab tun.

Speclab von Gfi - mit dem Editor lässt sich noch tiefer ins Sound Design einsteigen
Der Speclab Editor von Gfi

Kompakte Ausmaße, gute Delay und Halleffekte, und nicht zuletzt sein Funktionsumfang machen das Specular Tempus Reverb & Delay zu einem idealen Effektpedal für Live-Acts und Studio.

Zur Webseite von GFI

Death by Audio Rooms

Betrachtet man nur die Features, ist das Rooms Effektpedal von Death by Audio erstmal ziemlich unspektakulär. Zieht man dann noch den ziemlich sportlichen Preis heran, muss man schon verrückt sein, sich ausgerechnet das Rooms zuzulegen. Oder?

Tatsächlich hat der Boutique-Hersteller Death by Audio ein Reverb-Pedal im Programm, das wie perfekt zu Synthesizern passt. Shimmer-Algorithmen sucht man hier vergeblich, ebenso ausgefallene Kreativeffekte. Rooms beschränkt sich auf Hall- und Raumeffekte, die es dafür aber richtig gut beherrscht. Der Sound klingt unglaublich warm und voll und wenn man die Decay-Zeit und Wet-Regler auf Maximum stellt, entsteht ein dichter Hallteppich, den man bei anderen Pedalen vergeblich sucht. Rooms ist ein richtig gutes Pedal, aber bei dem Preis muss man schon genau diesen Sound wollen. Beim Testen sollte darauf geachtet werden, das Pedal nicht zu laut anzufahren. Im Vergleich zu den anderen Kandidaten ist Rooms diesbezüglich eine ziemliche Diva und quittiert zu laute Pegel gerne mal mit digitaler Verzerrung. Kurioserweise klingt die Verzerrung bei hoher Intensität spannend, bei geringerer Übersteuerung aber wiederum unbrauchbar.

Mooer Ocean Machine

Das Ocean Machine von Mooer ist eigentlich kein Reverb im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein Multieffektpedal. Neben guten Hall- und Room-Algorithmen bietet es eine gute Auswahl an Delays inklusive spezielleren Werkzeugen wie Bitcrushern.

Auf der Gehäuseoberseite laden zahlreiche Regler zum Sounddesign ein. Allerdings stehen diese ziemlich eng beieinander und lassen sich dabei vergleichsweise schwer drehen. Für Live-Anwendungen in dunkler Umgebung sollte man das Teil also schon blind bedienen können. Klanglich geht das Gebotene absolut in Ordnung, man merkt aber, dass noch Luft nach oben ist, wenn man etwa ein Ventris oder ein Big Sky daneben stellt.

Das Mooer Ocean Machine überzeugt also eher durch Vielfalt als durch Spitzenklang. Ausstattungsseitig ist alles an Halleffekten an Bord, was man für Techno, Ambient und co benötigt, aber eben immer mit etwas Abstrichen bei der Soundqualität.

Electro Harmonix Oceans 12 Reverb

EHX Oceans 12 hat alles im Programm, was das Ambient-Herz wünscht. Riesige Hallräume, Shimmer-Effekte und Reverb/Chorus-Kombinationen. Das Oceans 12 ist aber auch ein guter Begleiter für Clubmusik. Hierfür stehen synchronisierbare Ducking- und Delay-Reverbs zur Verfügung. Dub Techno Produzenten werden sich über die gut klingenden Emulationen von Feder- und Plattenhall freuen.

Die Oberfläche ist gut strukturiert und die solide Verarbeitung schafft Vertrauen selbst bei ständigem Einsatz auf Reisen. Bei der Klangqualität muss man gegenüber GFI und Source Audio ein paar Kompromisse eingehen. Diese Klasse klingt einfach noch einige Nuancen voller und edler. Dafür kostet das Pedal mit knapp 200 € auch gerade mal die Hälfte.

TC Electronic Hall of Fame 2

Bisher lag ein Großteil der vorgestellten Reverb Effekte für Synthesizer bei einem Preis von (deutlich) über 200 €. Als letzter Kandidat kommt mit dem Hall of Fame 2 noch eine gute Budget-Empfehlung in diese Liste.

Die acht Raum- und Hallvariationen des Hall of Fame 2 inklusive Federhall, Shimmer und LoFi-Varianten überzeugen mit vollem Klang. Dazu bietet das Hall of Fame 2 direkten Zugriff auf die wichtigsten Parameter und die Möglichkeit, mithilfe einer App eigene Hallvarianten zu erstellen und auf einem von drei User-Speicherplätzen zu sichern. Für rund 100 € ist das Reverb Pedal eine klare Empfehlung, die zudem auch noch recht platzsparend ist.

Reverb Pedale für Synthesizer – Fazit

Die Spitzenreiter dieser Auswahl sind für mich ganz klar Source Audio Ventris Dual Reverb und das Specular Tempus von GFI. Beide Pedale bieten einen wahnsinnig guten Sound, das eigentlich jedes Eingangsmaterial veredelt. Egal ob riesige Hallräume, Spezialeffekte oder kleine Räume: Beide Exemplare überzeugen in sämtlichen Disziplinen und sind ideale Reverb Pedale für Synthesizer.

In der Budgetklasse sind Oceans 12 und Hall of Fame 2 ein guter Kompromiss aus Preis, Leistung und Qualität. Wer nicht viel Geld zur Verfügung hat, macht mit dem Hall of Fame 2 sicherlich nichts falsch. Ich würde dennoch dazu raten, etwas mehr anzusparen und gleich auf das Oceans 12 zu gehen. Klanglich und von der Ausstattung her liegt das doch zu deutlich über dem, was TC Electronic mitbringt.

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