KORG MS-20 FS Test: MS20 Full Size

Korg MS-20 FS Test

Eines steht fest: Den MS-20 Sound kann man hassen oder lieben, ignorieren kann man ihn jedoch nicht. Und das aus gutem Grund. Denn der erstmals 1978 vorgestellte Korg MS-20 besitzt einen unvergleichlichen Sound, der in unzähligen Produktionen wieder zu erkennen ist. Nach zahlreichen Clones, DIY-Varianten und der Miniaturausgabe MS-20 mini hat Korg nun mit dem MS-20 FS die Legende in vier verschiedenen Farben und in Originalgröße zurückgebracht. Ob sich die limitierte Auflage lohnt, erfahrt ihr im KORG MS-20 FS Test.

KORG MS-20 FS Demovideo

Korg MS-20 FS Test: Überblick und erster Kontakt

Sollte man wirklich noch nie etwas vom MS-20 gehört haben, fasse ich kurz die wesentlichen Merkmale zusammen. Der MS-20 wurde von 1978 bis 1983 produziert und ist ein semimodular aufgebauter, monofoner Analogsynth mit zwei Oszillatoren, zwei Hüllkurven, einem LFO mit den Schwingungsformen Rechteck (variable Pulsbreite) und Dreieck (variabel morphbar bis hin zu abfallendem bzw. steigendem Sägezahn). Konzeptionell eher als günstiger Synthesizer auf den Markt gebracht, überzeugte der Synthesizer durch eine enorme Flexibilität.

Klanglich ging Korg mit dem MS-20 in eine gänzlich andere Richtung als Hersteller wie Oberheim, Moog oder Roland. Weder die wohlklingende Präzision der Roland-Synths, noch der fette US-Sound wären hier passende Adjektive, um den Sound zu beschreiben.

Vielmehr zeichnet sich der MS-20 durch einen knurrig-aggressiven, zuweilen leicht nasalen Grundsound aus, der auch in vielen experimentelleren Bands schnell Freunde fand und auch heute noch gerne im Techno und Industrial eingesetzt wird. Hinzu kommt, dass Korg im Laufe der Zeit das Filterdesign änderte. Das noch aggressiver klingende IC35 Filter der ersten Reihe wurde später durch das etwas zahmer klingende Filter LM13600 OTA ersetzt.

Erster Eindruck

Der liebevoll (aber für meinen Geschmack in etwas zu viel Plastik) verschickte MS-20 FS erzeugt gleich nach dem Auspacken ein angenehmes Gefühl der Vertrautheit. Das Teil wirkt solide und vermittelt schnell das Gefühl einer alten Schaltkonsole. Also so, wie man es von der Urversion bereits kennt und gleichzeitig ganz anders als beim filigranen MS-20 mini. Im (erinnerten) Direktvergleich mit den MS-20-Modellen aus meiner Vergangenheit erschienen mir die Drehregler des MS-20 FS etwas leichtgängiger. Das mag aber auch den Jahren geschuldet sein, welche die Originale bereits auf dem Buckel hatten.

Korg MS-20 Full Size Vorderseite mit Patchfeld
Korg MS-20 Full Size: Vorderseite mit Patchfeld

Trockene Bässe und kurze Arpeggio-Sounds beherrschen die meisten Clones ziemlich gut. Spätestens aber, wenn man mit hohen Resonanzwerten bei beiden Filtern, sowie dem Ringmodulator arbeitet, trennt sich die Spreu vom Weizen. Über die Zeit habe ich mir daher eine Routine für typische MS-20 Sounds zurechtgelegt, die sich auch stark diesen extremeren Settings nähern.

Umso erstaunter war ich, dass nach dem Einschalten schnell das typische MS-20-Feeling aufkommt. Die Fullsize-Variante liefert den herrlich knarzigen Sound der Legende. Hämmernde EBM-Bässe sind damit problemlos möglich wie knurrig böse Ringmodulator-Sounds oder leiernde VHS-Leads, wie man sie von vielen Air-Alben kennt. Ganz zu schweigen natürlich von den dutzenden Effektsounds, die (nicht nur) der Modulationsmatrix rechts entspringen. Falls das Bassfundament nicht reicht, kann man wie beim Original mit dem 6 dB Hochpass-Filter mit hoher Resonanz schnell noch die tiefen Frequenzen anschieben. Das 12 dB Tiefpassfilter packt ebenso kräftig zu, wie man es erwartet.

Beide Filtervarianten sind an Bord

Musste man sich beim Gebrauchtmarkt noch zwischen den beiden Filtervarianten entscheiden, liegen beim MS-20 FS (wie bei einigen anderen Clones auch) nun beide Filter vor.

Tipp: Filter wechseln beim MS-20 FS
Um zwischen der alten und der neuen Filtervariante umzuschalten, hält man beim Einschalten des Geräts die Tasten F#3, G#3 und B3 gedrückt. Schaltet man das Gerät aus, deaktiviert sich das Setting allerdings wieder. Wer also die neue Filtervariante bevorzugt, muss diesen Schritt jedes Mal aufs neue wiederholen.

Tastenkombination zur Umschaltung des Filters beim MS-20 FS
KORG MS-20 FS Filter umschalten

Beide Variante lassen selbst bei vollständig geschlossenem Filter noch Rauschen und andere Nebengeräusche in den Signalweg. Mich hat das zwar noch nie bei einem MS-20 gestört, aber es soll Leute geben, die auf so etwas Wert legen.

Altlasten

Da wir gerade bei den Altlasten sind: Auch das merkwürdige Sustain-Verhalten der zweiten Hüllkurve findet sich bei der FS-Variante wieder. Reißt man hier den Sustain-Regler auf, senkt man das Sustain-Plateau ab. Das ist zwar kontraintuitiv, aber man gewöhnt sich schnell dran. Zumal ich wette, dass es genauso viele User gibt die sich daran stören würden, sollte Korg das Verhalten irgendwann einmal den Erwartungen entsprechend ändern.

Korg MS-20 FS Test - Rückseite mit Anschlüssen für MIDI und USB
Rückseite des KORG MS-20 FS: MIDI Eingang und USB-Anschluss

Eine weitere Altlast betrifft die außergewöhnliche Hz/Okt Steuerspannung, durch die es nur mit Hilfsmodulen möglich ist, den MS-20 vernünftig in ein Euroracksystem zu integrieren. Da diese aber auch einen Anteil am unverwechselbaren Sound haben soll, konnte ich mich über die Jahre damit arrangieren. Immerhin bietet die Neuauflage MIDI per USB und 5-Pol-MIDI, sodass man den MS-20 FS problemlos mit externen Sequencern und DAWs ansteuern kann.

Korg MS-20 FS, MS-20 mini, Behringer K-2: Welches Modell ist das richtige für mich?

Man möge mir nachsehen, dass ich mich bei dem Vergleich auf diese drei Varianten beziehe: Zum einen liegt es daran, dass man alle drei Modelle noch erhält und ich gerne Alternativen zeige, die man problemlos bekommt. Zum anderen liegt es schlicht daran, dass ich weder den MS20m, noch die DIY-Variante je ausprobiert habe und mir so kein Urteil erlauben möchte. Ich würde mich aber über Feedback von Usern dieser Synthesizer in der Kommentarsektion freuen.

Bis ich den Korg MS-20 FS probiert hatte, empfand ich den Behringer K2 als überzeugendsten Clone. Klanglich lag dieser irgendwo zwischen dem Original und dem MS-20 mini. Letzterer klang nicht schlecht, konnte aber die für mich wichtigen mittig aggressiven Sounds nur leidlich reproduzieren. Anfangs war das ok – gerade zu dem aufgerufenen Kurs. Aber spätestens als Behringer dann den K-2 zu einem günstigeren Preis anbot, war die Sache für mich klar.

Mit dem MS-20 FS hat sich die Situation allerdings wieder geändert. Die Fullsize-Variante grummelt und schreit, dass selbst der wählerische Industrial-Purist glücklich werden dürfte. Darüber hinaus ist das Feeling beim Arbeiten mit dem MS-20 für mich wichtiger, als ich dachte. Miniklinkenkabel in günstig anmutende Buchsen zu patchen und den Klang dann mit den Fingerspitzen zu formen hinterlässt einfach ein anderes Gefühl, als das robuste Arbeiten im Industriestandardformat.

KORG MS-20 FS Test: Fazit

Mit dem MS-20 FS hat Korg nicht nur den Sound der Legende zurückgeholt, sondern auch gleich noch das einzigartige Feeling im Gepäck. Beim MS-20 FS hat man endlich wieder das Gefühl, mit der Originalvorlage zu arbeiten. Wie wichtig einem die Nuancen sind, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.

Man kann auch mit dem Behringer K-2, dem MS-20 mini, ja selbst mit der Softwarevariante glücklich werden. Alle liefern einen Teil des Grundcharakters und sind für sich allein richtig gute Synths. Puristen haben aber gute Gründe, sich für das Original zu entscheiden. Und diese bekommen mit dem MS-20 Fullsize nun endlich wieder eine neue Alternative zu den angeranzten („mint“) MS-20ern aus dem Besenraum von Rudis Rockkneipe. Für mich ist der MS-20 FS eine klare Kaufempfehlung, wenn man keine Kompromisse eingehen möchte. Leider hat Korg diese Serie wieder limitiert. Wer einen möchte, sollte sich also beeilen.

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