PWM Malevolent Test: Semi-modularer Synthesizer

PWM Malevolent Test

Mit dem PWM Malevolent debutiert das britische Unternehmen PWM Instruments und schickt direkt einen semimodularen Synthesizer ins Rennen. Im kompakten Format beherbergt der PWM Malevolent immerhin zwei Oszillatoren, Multimodefilter und viele Patch-Anschlüsse für eigene Signalwege. Soviel sei vorweg gesagt: Das Teil hat definitiv Charakter der sicherlich nicht jedem gefällt. Warum, das sehen wir uns im PWM Malevolent Test an. Doch zuerst gibt es wie immer ein Demovideo.

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PWM Malevolent Demovideo

PWM Malevolent Test: Erster Eindruck

Zunächst einmal war ich überrascht, wie klein und leicht der PWM Malevolent im echten Leben ist. Das letzte Mal als ich so kleine Minitasten gesehen hatte, war das bei einem CS-01 von Yamaha oder Arturias MicroBrute. Trotz der winzigen Größe lässt er sich aber noch einigermaßen gut spielen, selbst Velocity findet sich hier. Allerdings muss dies erst per Patch-Verbindung in die Klangerzeugung eingebunden werden.

Im Lieferumfang des PWM Malevolent finden sich neben Netzteil und fünf Patchkabeln noch zwei Seitenteile, die man per Magnetverschluss links und rechts an das Gehäuse pinnen kann. So ganz erschließt sich mir der Sinn dahinter nicht, den Synth nicht direkt mit montierten Seitenteilen auszuliefern. Andererseits fand ich den Malevolent auch im Rohbau ganz schick, sodass ich den schnellen Montagemechanismus ganz gut fand.

Während das Gehäuse insgesamt trotz Plastikcharme noch recht stabil wirkt, merkt man spätestens beim Bedienen der Potis und Taster, dass der Malevolent eher günstig verarbeitet ist. Die Drehregler sind recht wabblig und dabei zu ungenau, um gezielt Werte anzusteuern. Die Gummitaster fühlen sich ebenfalls nicht so gut an wie beispielsweise bei einem Clavia oder OB-6 (wobei der Vergleich allein aufgrund des Preisunterschieds nicht ganz fair ist), reagieren aber zumindest schnell.

PWM Malevolent Test Rückseite
PWM Malevolent Rückseite

Die Patchbuchsen und Anschlüsse sind wiederum absolut in Ordnung und sollten auch dem Dauereinsatz gewachsen sein. Bei den Anschlüssen bietet der Malevolent eine gute Grundausstattung: MIDI-Duo und USB zur Übertragung von MIDI-Daten, Clock In/Out, sowie Line- und Kopfhörerausgang, der etwas stärker rauscht als der Mono-Out.

Die Oszillatoren

Damit kommen wir nun zu den wirklich spannenden Dingen. Am Anfang der Klangerzeugung stehen Rauschen, sowie zwei Oszillatoren mit den Schwingungsformen Sägezahn, Dreieck und Pulse, die pro Oszillator einzeln oder gemeinsam hinzugeschaltet werden. Möchte man beispielsweise die Pulsschwingung etwas leiser hinzu mischen, müsste hierfür eine Patchverbindung zum Aux-Weg in den Mixer gezogen werden.

Nichtsdestotrotz sind die Oszillatoren des PWM Malevolent recht umfangreich ausgestattet. Mein persönliches Highlight ist die Möglichkeit, den Charakter aller Schwingungsformen – also nicht wie meistens auf Pulsbreitenmodulation beschränkt – manuell oder per Modulationsquelle zu verändern. Dadurch kann man beispielsweise den Sägezahn von einer recht bauchigen Charakteristik hin zu aggressiv knarzend umformen. Bei der Rechteckwelle hatte ich dann kurz wieder ein wenig CS-01-Flair. Denn ähnlich wie beim Yamaha-Vorbild schiebt diese hier einen wunderbar hohlen Bauch vor sich her, von dem gerade Bässe profitieren.

Nicht so toll ist die Vorkalibrierung ab Werk. Zwar tracken die Oszillatoren recht sauber über fünf Oktaven. Aber die Oszillatoren wurden offensichtlich nicht vernünftig aufeinander abgestimmt. So waren die Oszillatoren erst dann in Tune, wenn der Tune-Regler von Oszillator 1 auf 12 Uhr, und der für Oszillator zwei bei ca. 9 Uhr standen. Wenn man das einmal auf dem Schirm hat ist es nicht so tragisch, aber anfangs dann doch verwirrend und sicherlich vermeidbar gewesen. Wir sprechen hier immerhin über ein Gerät, das sich mit 600 € im mittleren Preissegment bewegt.

Am Ende jeden Oszillators steht ein Regler für die Lautstärke, den man beim Malevolent echt mit Vorsicht genießen sollte. Zwar kennt man das (Über-)Sättigungsverhalten auch bei anderen Synths. Beim PWM Malevolent wird das Filter im Anschluss aber massiv heiß angefahren, was zu einem extremen Bassschub führt. Ich fand das großartig, denn so gleicht man gut den Bassverlust bei höheren Resonanzwerten aus. Allerdings wird das Signal dadurch auch schnell undefiniert.

Filtersektion

Das Filter des PWM Malevolent bietet als Multimode-Variante die drei Modi Lowpass, Bandpass und Highpass. Zieht man keine Kabelverbindung, ist sinnvollerweise immer der Lowpass aktiv. Wenn man Highpass oder Bandpass nutzen möchte, ist also eine Patchverbindung notwendig.

Bislang konnte ich noch nicht herausfinden, was sich technisch hinter dem Filter verbirgt. Klanglich würde ich es aber irgendwo bei Steiners Sallen & Key-, Polivoks- und dem WASP-Filter (vor allem die Doepfer-Variante dessen) einordnen. Wer hier mehr weiß, kann sich gerne melden.

PWM Malevolent Test
PWM Malevolent Test

Mit anderen Worten: Das Filter ist definitiv kein Schönklinger wie bei Roland oder Moog. Vielmehr erzeugt es gerade bei zunehmender Resonanz eine ordentliche Portion Chaos. Das gefilterte Signal fängt an resonierend zu „flirren“, was definitiv seinen Charme hat. Nur sollte man hier keine präzisen Resonanzsweeps erwarten. Zusätzlich verliert das Filter auch stark an Lautstärke, wenn man die Resonanz erhöht. Das kommt je nach Filterdesign häufiger vor und mit einem kleinen Trick kann man sich beim Malevolent auch Abhilfe schaffen. Gleichzeitig bekommt man dann auch das Resonanzchaos etwas unter Kontrolle:

Beim PWM Malevolent spielen – mehr noch als bei vielen anderen Synths – die Lautstärkepegel der Oszillatoren eine erhebliche Rolle. Denn ab 50 %, und besonders zwischen 80 und 100 % Regelweg wird das Filter massiv gesättigt. Dadurch sind überraschend fette Klänge möglich. Allerdings zahlt man hier den Preis, dass das Signal insgesamt nicht mehr richtig definiert rüberkommt. Glücklicherweise kann man hier mit den exakten Hüllkurven einiges wieder hinbiegen.

Hüllkurven und LFOs

Um Bewegung in den Klang zu bringen, verfügt der PWM Malevolent über zwei ADSR-Hüllkurven, sowie einen rudimentär ausgestatteten LFO mit Rechteck und Dreieck. Die Frequenz des LFOs reicht minimal in den hörbaren Bereich, Audiofrequenzmodulationen stellt man beim PWM Malevolent aber eher über die Ausgänge der Oszillatoren her.

Die Hüllkurven liefern mit ihrer ADSR-Ausführung zwar Standardkost, dafür „klingen“ sie aber sehr musikalisch. Von kurzen Klicks, über kraftvoll runde Bässe bis hin zu Flächen liefern sie einen umfangreichen Wertebereich. Viele Hüllkurven decken aufgrund ihrer Charakteristik nur einen Teilbereich davon richtig gut ab, während man bei anderen Sounds dann Kompromisse eingehen muss. Nicht so beim PWM Malevolent, mit dessen Hüllkurven man schon sehr gezielt arbeiten kann. Über die Gate-Eingänge der Hüllkurven lassen sich diese auch loopen, wenngleich man dafür dann auf den Note-On-Gate verzichtet.

Semi-modulare Architektur

Wie eingangs schon erwähnt, handelt es sich beim PWM Malevolent um einen semi-modularen Synthesizer. Das bedeutet, dass der Synth in der Lage ist, bereits ohne jegliche Patchverbindungen Sounds zu erzeugen. Gleichzeitig erhält man mit insgesamt 38 Patchbuchsen die Möglichkeit, den vorgegebenen Signalpfad zu unterbrechen, zu ergänzen oder den PWM Malevolent in ein bestehendes Modularsystem (1V/Oct) zu integrieren.

Die Ausstattung des Patchfelds ist durchaus umfangreich und jede Buchse aufzuzählen, würde den Artikelrahmen sprengen. Daher beschränke ich mich hier auf die Dinge, die ich beim PWM Malevolent vermisse und die man teilweise mit einplanen sollte. Zum einen sind das fehlende Multiples. Platz wäre sicherlich vorhanden gewesen und Multiples sollten selbst bei einem semimodularen Synth zur Grundausstattung gehören. Glücklicherweise kann man sich hier mit sogenannten Stackables behelfen. Also Patchkabel, die gleichzeitig Anschlüsse für weitere Patchkabel enthalten.

Am meisten jedoch fehlten mir ein Eingang für LFO Rate und LFO Reset. Meiner Meinung nach hat man hier auf einen wichtigen Baustein im Sounddesign verzichtet, denn neben der Synchronisation zu externen Beats hätte man die LFO-Frequenz so auch wunderbar an die Tonhöhe koppeln oder per Envelope steuern können. Aber gut, auch so geht mit der Patchmatrix einiges an experimentellen Sounds und die Arbeit damit macht einfach Spaß.

Arpeggiator

Gemessen an den Features ist der Arpeggiator des PWM Malevolent nichts besonderes. Trotzdem war ich positiv überrascht, diesen Ideengeber im Gesamtkonzept des Minisynths zu finden.

Der Arpeggiator bietet sechs Spielmodi (up / down / as played usw.) und lässt sich per MIDI oder Clock-Eingang synchronisieren. Wenn man also den Ausgang des Rechteck-LFOs in den Clock-Eingang speist, stehen einem in Verbindung mit dem Arpeggiator taktsynchrone Modulationen zur Verfügung. Im nächsten Schritt könnte man dann noch den Clock-Out nutzen, um den Rest des Equipment-Parks zu synchronisieren.

Alternativen zum PWM Malevolent

Abschließend stellt man sich vielleicht die Frage, welche Alternativen es zum Malevolent gibt. Und tatsächlich steht das auf den ersten Blick exotische Konzept nicht alleine da.

Zunächst wäre da der Arturia Brute 2 zu nennen. Klanglich haben die beiden aufgrund des Filters durchaus Parallelen, wobei ich den Malevolent als noch schmutziger und roher empfand. Arturia wiederum punktet mit umfangreicherer Ausstattung, besserer Verarbeitung und einem günstigeren Preis.

Als zweite Alternative sehe ich den Klassiker Korg MS-20, hier in seiner Miniaturausgabe MS-20 Mini. Der klingt zwar nicht so gut wie der Korg MS-20 FS, bietet aber ebenfalls eine Menge Features und einen charakterstarken Klang. Hier entscheidet letztlich der persönliche Geschmack, denn das nasal knurrende Röcheln eines MS-20 liegt dem Malevolent nicht so sehr.

PWM Malevolent Test: Fazit

Zugegeben: Ich habe ein Faible für ungewöhnliche Synthesizer mit viel Charakter. Und das ist beim PWM Malevolent nicht anders. Jeder Synthesizer, der kein bloßer Clone und klanglich weit genug entfernt ist von den dutzenden Moog- und Roland-Clones, ist erstmal eine Bereicherung für die Synthlandschaft. Den ungeschliffen rohen Sound des PWM Malevolent findet man auch nicht so schnell woanders.

Allerdings gibt es hier auch einiges an Schatten: Zum einen leidet der Synth an einem recht hohen Grundrauschen, das besonders bei der Nutzung der Dreieck-Schwingung hervortritt. Gut; der Malevolent ist analog. Er lebt. Er rauscht nicht, er atmet. Selbst die nicht so sorgfältig vorgenommene Abstimmung der VCOs aufeinander wäre für mich verschmerzbar.

Schwerer wiegt die teilweise sehr ungenaue Ansprache der Drehregler. Hier ist es mitunter sehr schwierig, Feinabstimmungen vorzunehmen, was gerade im Zusammenspiel mit FM-, oder Shape-Modulationen stört. Mit etwas Zeit bekommt man es meistens hin, aber es reicht anschließend schon ein minimales Antippen und der Sound ist futsch.

Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, erhält mit dem PWM Malevolent einen außergewöhnlichen Synthesizer für Bässe, Experimentelles und Leads, der als guter Gegenspieler zu den Standards funktioniert.

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