SOMA Cosmos Test: Perfektes Effektgerät für Ambient & Experimental?

SOMA Cosmos Test

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SOMA ist bekannt für außergewöhnliche Instrumente, die hochwertige Verarbeitungsqualität mit gutem Sound verknüpfen. Mitunter ist der Ansatz dabei etwas gewöhnungsbedürftig – wie der im SOMA Pulsar-23 Test angesprochene Sequencer zeigt -, aber dabei immer auch inspirierend. Daher überrascht es nicht, dass sich hinter dem Cosmos Effektgerät ein echter Geheimtipp für Ambient und experimentelle Musik verbirgt. Warum das so ist, erfahrt ihr im SOMA Cosmos Test. Doch zuerst gibt es ein Demovideo zur Einstimmung.

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SOMA Cosmos Demovideo mit Ambient-Performances von Limbic Bits

Zunächst ein paar Worte zum Konzept: SOMA Cosmos ist kein klassischer Looper, sondern kombiniert Looper-Delays, Reverb, oder Granulareffekt mit Filter, Overdrive und Kompressor. Obwohl man zunächst einmal Klänge aufzeichnen muss, damit überhaupt etwas passiert. Denn einmal aufgenommen, wird das Material laufend variiert. Da das für die beiden Stereokanäle getrennt passiert, entstehen sehr breite Klangteppiche.

Die Stärke der Varianz lässt sich dabei über mehrere Parameter beeinflussen. Zum Beispiel über den Drift der Delayzeit, Tief- und Hochpassfilter oder zunehmender Überblendung einzelner Klangsegmente. SOMA Cosmos vereint hierzu zwei unterschiedliche Delay-Varianten, einen Reverbeffekt, sowie ein Granular-Delay. Zusätzlich können aufgenommene Signale rückwärts abgespielt und, je nach gewähltem Algorithmus, auch in halber Geschwindigkeit laufen.

SOMA Cosmos Test: Erster Eindruck

Gleich nach dem Auspacken fällt das recht hohe Gewicht des Cosmos auf: Das Teil ist extrem solide verarbeitet und wirkt auch robust genug, jahrelang mit auf Tour zu gehen. Allerdings ist ein hohes Gewicht immer auch lästig, wenn man ohnehin viel Gepäck dabei hat. Es ist also immer ein Kompromiss.

SOMA Cosmos Test Draufsicht
SOMA Cosmos: Spannendes Effektgerät für Ambient

Auf der Oberfläche des Cosmos sitzen insgesamt acht Drehregler, fünf Taster, sowie ein gerasteter Wahlschalter für die vier Effektalgorithmen. Alle Bedienelemente vermitteln ein angenehm hochwertiges Gefühl: Sie reagieren nicht zu schwer, andererseits aber auch nicht zu leicht, um gezielte Änderungen vorzunehmen.

Die Anschlüsse auf der Rückseite

Um das SOMA Cosmos in den Equipment-Park zu integrieren, finden sich auf der Rückseite jeweils zwei 6,3 mm Line-Ein-und -Ausgänge, sowie der Anschluss für das externe Netzteil. Ein USB-Port dient lediglich dazu, Firmwareupdates per USB-Stick durchzuführen. Hinzu kommt, und das finde ich bei einem Effektpedal bemerkenswert, ein 6,3 mm-Kopfhöreranschluss.

SOMA Cosmos Anschlüsse auf der Rückseite
SOMA Cosmos Anschlüsse auf der Rückseite

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, wozu man bei einem Pedal einen Kopfhörer anschließen sollte. Aber um ehrlich zu sein, kehrte sich in der Praxis bei mir die Frage eher ins Gegenteil um: Warum gibt es den Kopfhöreranschluss nicht viel häufiger bei externen Pedals?

Denn zum spontanen Jammen am Gerät ist dieser echt praktisch. So hat man sich in wenigen Augenblicken ein kleines Setup aus Cosmos und Synth auf dem Tisch zusammengestellt. Damit kann man ganz entspannt loslegen, ohne Mixer und andere Geräte zwingend mit einzubinden.

Die verschiedenen Effektalgorithmen des SOMA Cosmos

Kommen wir zum Herzen des Cosmos. Wie eingangs erwähnt, vereint das Pedal grundsätzlich vier Effektvarianten, die alternativ zur Verfügung stehen: Zwei Delay-Varianten, ein Reverb, sowie ein Granular-Delay. Jede einzelne Variante bietet zudem drei Untervarianten, doch dazu in den einzelnen Abschnitten mehr. Der Effektalgorithmus wird beim Umschalten jeweils weich überblendet, was störende Klicks im Live-Betrieb unterdrückt.

Allen Effekten gemein sind die Regler Drive, SUP|COM und Feedback. Drive ist ein analoges Overdrive, das die Signale weich sättigt. Im Zusammenspiel mit hohen Feedback-Werten, den Filtern und dem Feedback-Regler sorgt der Drive für organische Verzerrungen. Durch den integrierten Limiter ist es dabei nahezu unmöglich, das Signal auf unangenehme Weise zu übersteuern. Eher wirkt es, als würde man sukzessive Bandsättigung hinzufügen.

Mit dem SUP|COM-Regler werden bereits aufgenommene Signale bei Linksdrehung bedämpft, sobald externe Signale hinzukommen. Eine Rechtsdrehung wiederum aktiviertiert mit zunehmender Intensität einen Kompressor, wodurch dieser aufgenommene und eingehende Signale mehr und mehr angleicht.

Delay 1 / 2

Die Varianten „Delay Two“ und „Delay Four“ bestehen aus zwei, respektive vier Delay-Lines, die sich laufend zueinander verschieben. Die Anzahl der gleichzeitig wiedergegebenen Delay-Lines ist auch der Hauptunterschied zwischen den beiden Varianten. Per Wahlschalter bestimmt man hier jeweils die Delay-Zeit, die je nach Algorithmus entweder 2,5 / 9,5 und 22 Sekunden (Delay Two) beträgt. Oder wie im Fall des Delay Four 2,5 / 8,5 und 11,5 Sekunden.

Bei den Zeiten wird schnell deutlich, dass man hier näher am Looper-Konzept als an einem typischen Delay ist. Dabei handelt es sich allerdings nur um Näherungswerte. Denn die Delay-Lines werden laufend zueinander verschoben. Damit sind auch die Delay-Zeiten nur grobe Orientierungen. Richtig gezieltes Arbeiten ist also nicht möglich, aber das macht meiner Meinung nach den Reiz des Cosmos aus.

SOMA Cosmos Test
SOMA Cosmos

Mit den Reglern Blur und Drift erzeugt man in diesen Modi entweder ein zunehmendes Cross-Feedback zwischen den Lines (Blur). Oder man moduliert das Panorama der Delays mit einem asynchronen LFO, der wiederum zufällig moduliert wird. Mit zunehmender Intensität wird das bearbeitete Signal immer chaotischer. Wobei das Ergebnis meistens musikalisch sinnvoll nutzbar bleibt. Es verschmilzt eher zu einer homogenen Einheit, die sich zudem schön im Stereopanorama auffächert.

Reverb

Der Modus „Reverb“ stellt mittels Effektwahlschalter die drei Größen „große Halle, supergroße Halle und unfassbar supergroße Halle“ bereit. Und das ist hier auch gleich das Besondere gegenüber traditionellen Hallsimulationen: SOMA beschreibt das zugrunde liegende Modell als kilometergroß. Das führt dazu, dass die Erstreflexionen sich wie einzelne Echos anhören. Mit der Zeit vermischen sich diese Einzelsignale dann zu einem immer dichteren Klangteppich.

Beim Reverb-Modus haben Blur und Drift übrigens keinen Einfluss auf das Klanggeschehen. Mithilfe der beiden Filter und dem Drive-Regler kann man den Sound aber dennoch ordentlich formen.

Besonders beim Reverb habe ich das zusätzliche Hochpassfilter schätzen gelernt. Denn wie so häufig bei ungefilterten Reverbeffekten, sorgt eine zunehmende Verdichtung auch dazu, dass die unteren Mitten den Mix zumatschen. Eine weitere Möglichkeit dem entgegenzuwirken, liegt in der Nutzung des SUP/COM-Reglers. Neu aufgenommene Signale unterdrücken bei Linksstellung dann die bereits im Speicher existierenden Sounds und schaffen so gleichzeitig Raum.

Granular

Der letzte Modus ist ein Granulareffekt. Ist dieser ausgewählt, wird das Eingangssignal in lauter einzelne Fragmente zerlegt. Die einzelnen Fragmente werden dann als Delay wiedergebenen.

Die drei Modi des Wahlschalters bestimmen die Größe der einzelnen Fragmente und Delays. Mit Blur und Drift verschiebt man sukzessive die einzelnen Fragmente gegeneinander. Dabei ändert Blur die Position der Grains laufend mithilfe einer Noise-Welle, während dies bei „Drift“ über einen asynchronen LFO passiert, der wiederum mit einem langsamen chaotischen Signal moduliert wird.

SOMA Cosmos Test Schrägansicht
SOMA Cosmos

Dank der sehr effektiven Überblendungen kann das Grain-Delay herrlich weich klingen. Im Zusammenspiel mit Drive und Filtern entsteht dann ein warmer Klangteppich, den man hervorragend als Hintergrundatmos, oder als zentrales Element in einem Ambient-Track nutzen kann. In diesem Fall würde ich allerdings hinter das SOMA Cosmos noch ein externes Reverb-Pedal hängen. Das würde den ohnehin schon beeindruckenden Tiefeneffekt weiter intensivieren.

SOMA Cosmos Test: Fazit

Durch sein recht einzigartiges Konzept, den guten Sound und die inspirierende Reduktion auf das Wesentliche, konnte der SOMA Cosmos im Test voll überzeugen. Sicherlich ist die Kiste nicht jeden etwas. Dazu sind die Limitierungen, etwa bei BPM-orientierter Clubmusik, einfach zu präsent. Wenn man sich aber auf den Workflow einlässt, kann der SOMA Cosmos einen in stundenlangen Sessions faszinieren. Hier steht dann endlich mal wieder das Musikmachen im Vordergrund, und weniger das analytische Hin- und Herschieben von Clips.

So ist der SOMA Cosmos für mich auch eine ganz klare Empfehlung für Ambient-Musiker und Produzenten experimenteller elektronischer Musik. Aber sogar in Clubmusik kann er seinen Platz finden. Hier liefert er dann Hintergrundatmos und -Drones, die auch im Techno-Kontext gut funktionieren.

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