Behringer JT-4000 Micro Test

Behringer JT-4000 Micro Test

Mit dem JT-4000 Micro stellt Behringer den bisher günstigsten Synthesizer in seinem Portfolio vor. Für gerade mal 50 € bietet der Minisynth unter anderem vierfache Parafonie, Arpeggiator, ein analoges Filter und eine relativ flexible Klangerzeugung. Wie gut sich der Synth in der Praxis schlägt, erfahrt ihr im Behringer JT-4000 Micro Test.

Behringer JT 4000 Micro: Erster Eindruck

Der winzige JT-4000 ist federleicht und kommt mit seinen drei Drehreglern, sechs Tasten und einem kleinen OLED-Display recht spartanisch daher. Trotzdem ist die Bedienung durchdacht und dürfte sich auch Einsteigern schnell erschließen.

Intuitive Bedienung durch eine durchdachte Oberfläche

Anschlüsse und Folientastatur

Zur Kommunikation mit der Außenwelt besitz der JT-4000 Micro neben einem Kopfhörerausgang lediglich einen USB-C-Anschluss, der den Synth gleichzeitig mit Spannung versorgt. Kein separater Audioausgang, aber auch kein MIDI-In. Das ist vor allem aus einem Grund echt schade:

Behringer JT-4000 Micro Test: Intuitive Bedienung durch eine durchdachte Oberfläche
Folientastatur

Denn um den Synth vernünftig zu integrieren, sollte man ihn auch ohne dessen Folientastatur spielen können. Diese reicht aus um mal Presets anzutesten, ist aber nichts, was man wirklich zum Produzieren heranzieht. Hätte aber auch niemand erwartet, denke ich. Daher bleibt einem DAW-less-Produzenten dann nur ein USB-Host, der als Hardware teuer ist. Für alle anderen ist der DAW-Verbund mit einem Computer eine Lösung für das Dilemma.

Allerdings: Wenn man den Rechner ohnehin wieder im Hardware-Setup haben muss, kann man sich stattdessen auch gleich ein gutes Plugin kaufen oder auf Freeware setzen. Denn – um das an dieser Stelle mal vorwegzunehmen – so überragend klingt der JT-4000 mit seinen langsamen Hüllkurven und anderen Einschränkungen nicht, um in diesem Kontext die Software-Alternativen hinter sich zu lassen. Doch dazu später mehr.

Behringer JT-4000 Micro Rueckseite
Behringer JT-4000 Micro Rückseite

Zwei erstaunlich flexible Oszillatoren

Zunächst kommen wir erstmal zu den Oszillatoren. Der JT-4000 Micro verfügt über zwei digitale Oszillatoren, die neben Dreieck, Sägezahn, Pulse, rudimentärer FM und Noise auch die beliebte Supersaw umfassen. Diese Betriebsart steht allerdings nur exklusiv im Oszillator 1 zur Verfügung und beansprucht dann sämtliche Rechenpower, sodass man auf Oszillator 2 verzichten muss. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn auch ohne zweiten Oszillator erzeugt der Supersaw schön breite Flächen oder Trance-Leads.

Bei allen anderen Schwingungsformen kann bei Bedarf noch ein Ringmodulator hinzugeschaltet werden, der das Signal aber ziemlich absenkt und in den meisten Einstellungen eher wenig brauchbare Ergebnisse hervorbringt. Auch sind in manchen Einstellungen hässliche Artefakte (Aliasing?) zu hören, vor allem bei längeren Release-Zeiten in Kombination mit der Dreieck-Schwingung.

Analoges 12db Filter

Beim Filter handelt es sich um ein analoges 12dB Tiefpassfilter mit Resonanz. Für Acid-Leads oder kräftige Bässe fehlt es ihm in letzter Instanz häufig an Biss. Bei Flächen, smoothen Trance-Hooks oder moderaten EQ-Aufgaben hinterlässt es aber einen ordentlichen Eindruck.

Behringer JT-4000-Micro: Im Größenvergleich mit dem Roland S-1 wirkt dieser nahezu riesig
Im Größenvergleich mit dem Roland S-1 wirkt dieser nahezu riesig

Hüllkurven und LFOs des JT-4000 Micro

Der JT 4000 Micro besitzt jeweils zwei LFOs und zwei ADSR-Hüllkurven. LFO 1 kann wahlweise auf die Schwingungsform (Pulsbreite, Supersaw-Detune etc.) oder das Filter geroutet werden. LFO 2 ist dem Pitch zugewiesen. Als Schwingungsformen stehen Dreieck, aufsteigender Sägezahn und ein sehr abgerundetes Rechteck (Pulse) zur Verfügung. Die Flanken der Pulse-Schwingung sind tatsächlich so abgerundet, dass die klanglichen Ergebnisse eher an ein Dreieck erinnern, als das zackige Auf-und-Zu wie man es von anderen Synths kennt.

Ähnlich soft geht es bei den Hüllkurven zur Sache. Wirklich Punch haben die Hüllkurven des JT-4000 Micro nicht – weder in der Attack- noch in der Decay-Phase. Dafür steht eine sehr lange Release-Zeit zur Verfügung, die in Kombination mit dem ingesamt langsamen Verlauf tolle Pads hervorbringt. Nur knallige Leads und perkussive Bässe sind eben nicht drin. Schade, denn der der JT-4000 Micro hat durchaus ein solides Bassfundament, das man bei Subbässen wahrnimmt.

Behringer JT-4000 Micro
Behringer JT-4000 Micro: Ordentlicher Sound, aber auch zu viele Kompromisse

Ist der Behringer JT-4000 Micro alternativlos?

Kurz gesagt: Zu dem Preis ist der JT-4000 Micro als Hardware-Synth auf den ersten Blick ziemlich ohne Konkurrenz. Allerdings muss man – um ihn sinnvoll einsetzen zu können – immer auch ein gewisses Maß an Peripherie einplanen. Sei es durch einen MIDI-zu-USB-Wandler oder integriert über USB in ein bestehendes DAW Setup. Denn ohne eine vernünftige Tastatur oder MIDI-Clock verkommt der JT-4000 Micro schnell zu einem Spielzeug.

Somit wird der Preisvorteil spätestens dann hinfällig, wenn man noch die anderen Anschaffungen mit einpreist. Für mich wäre der PRO VS Mini für den Budget-orientierten Hardware-User dann doch die bessere Empfehlung. DAW-Produzenten wiederum können auf ein breites Angebot an Plugins zurückgreifen, die überzeugenderen Sound zu einem ähnlichen oder günstigeren Kurs liefern.

Behringer JT-4000 Micro Test: Fazit

Keine Frage, der Behringer JT-4000 Micro ist in dieser Preisklasse einzigartig und bietet dafür auch einen ordentlichen Sound. Allerdings sind vor allem das Fehlen der MIDI-Schnittstelle und die lahmen Hüllkurven problematisch.

Anders fiele mein Urteil aus, wenn man ihn mit echtem MIDI in einem Hardware-Koffer nutzen könnte. Letztlich ist der JT-4000 Micro für mich dann doch etwas zu nah am Spielzeug dran, um langfristig wirklich Sinn zu ergeben. Das Anforderungsprofil kann bei euch natürlich ganz anders sein. Insofern empfehle ich trotz meiner Kritik, den Synth bei Gelegenheit mal auszuprobieren.

6.3 TOTAL SCORE

Behringer JT-4000 Micro

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Sound 5
Features 6
Bedienung 6
Preis/Leistung 8
PROS
  • Günstiger Synth für erste Gehversuche
  • Nette Flächen
CONS
  • Kein MIDI-In
  • Langsame Hüllkurven
  • Digitale Artefakte bei manchen Einstellungen

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