Behringer Pro VS Mini Test: Minisynth für kleine Budgets

Behringer Pro-VS mini Test

Mit dem Pro VS Mini startet Behringer eine neue Serie an Kleinstsynthesizern, um die ohnehin schon niedrig hängende Preislatte noch ein Stück weiter abzusenken. Das bedeutet noch kleineres Format, mehr Plastik und etwas weniger Funktionen. Kann das überhaupt noch gutgehen? Ich war neugierig und habe mir den Pro VS Mini mal ins Haus geholt – Überraschung inklusive. Aber hören wir erstmal, wie der Synth klingt.

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Behringer Pro VSmini Sound Demo

Auf einen Blick: Der Pro VS Mini von Behringer

  • Kompakter Hybridsynthesizer zum Budgetpreis
  • Vektorsynthese zur Überblendung von bis zu vier Oszillatoren
  • Analoges 24 dB Filter
  • Arpeggiator und rudimentärer 16-Step-Sequencer
  • Bis zu 32 eigene Presets speicherbar

Behringer Pro VS Mini: Erster Eindruck

Wie so viele durfte ich erst einmal Monate auf die Auslieferung warten. Als ich dann das kleine Paket in den Händen hielt, setzte das geringe Gewicht den ersten Haken auf der mentalen Checkliste. Einmal ausgepackt, war der Pro VS Mini dann allerdings doch ein Stück größer als erwartet.

Die Form weckt sofort Assoziationen an ein geschrumpftes Akkordeon, die Folientastatur erinnerte mich an die Minisynths Skulpt und Craft von Modal Electronics. Für mich ist der PRO VS Mini sicherlich kein Design-Glanzstück, aber das ist letztlich Geschmackssache.

Behringer Pro VS mini Test: Anschluesse auf der Oberseite
Behringer Pro VS mini: Anschlüsse auf der Oberseite

Verarbeitung und Anschlüsse

Viel wichtiger als Design ist doch die Haptik. Die Mini-Potis bieten einen gewissen Widerstand, haben aufgrund der Größe aber keinen optimalen Drehkreis zur gezielten Werteeingabe. Das ist aber zu erwarten und bei dieser Größe (und dem Preis) muss man schlicht Kompromisse eingehen. Für mein Dafürhalten ist man hier einen akzeptablen Weg gegangen. Der Vector-Stick liegt hingegen gut in der Hand und ist ausreichend dimensioniert.

Die Minitasten lassen sich einigermaßen gut spielen, aber es benötigt schon einiges an Übung, um die Tasten auch gezielt zu treffen. Fürs Sounddesign reicht das, sobald man mit dem Pro VS mini ernsthaft arbeiten möchte, sollte man aber eine externe Tastatur oder einen Sequenzer anschließen.

Dafür gibt es sogar einen echten 5-Pol-MIDI-Eingang, der leider auf der Oberseite des Gehäuses angebracht wurde. Direkt daneben sitzen ein Sync-Eingang zur Integration in ein analoges Setup, ein Stereoausgang, sowie ganz weit links der USB-C-Anschluss, der den Pro VS Mini je nach Einsatz nur mit Strom oder gleichzeitig mit Daten füttert. Dedizierte Line-Ausgänge oder ein MIDI Out sind nicht vorhanden.

Klangerzeugung des Behringer Pro VS Mini

Das Besondere der Vektorsynthese

Bei der Vektorsynthese werden die Ausgänge mehrerer Oszillatoren ineinander überblendet. Im Falle des Prophet VS, dem Yamaha TG-33, oder eben dem Behringer Pro VS mini geschieht das entweder manuell über einen XY-Stick, oder automatisch mit einer Hüllkurve. Durch die Vektorsynthese entstehen dann bereits auf Oszillatorebene spannende Obertonverläufe. Das ist perfekt für Flächen, funktioniert aber auch gut bei Bass- oder Leadsounds.

Behringer Pro VS mini Test: Joystick
Mit dem XY-Joystick wird das Verhältnis der vier Oszillatoren bestimmt.

Oszillatoren

Der Pro VS mini besitzt vier Oszillatoren pro paraphone Stimme – also theoretisch 16. Unter den 128 Schwingungsformen findet man auch den kompletten Originalbestand des Sequential Prophet VS. Eigenene Schwingungsformen lassen sich beim Pro VS Mini jedoch (noch?) nicht importieren. Mit dieser Auswahl ist bereits einiges Möglich: Warme Analogpads, gläserne Texturen, aber auch zeitgenössische Electrobässe, Glöckchen oder FX-Sounds. Auf den letzten beiden Plätzen finden sich dann noch einmal Rauschen, sowie Stille. Das ist praktisch, denn auf diese Weise sind auch Gate-Effekte oder Percussionsounds schnell möglich.

Wer dem ohnehin schon eher zum LoFi tendierenden Gesamtsound noch etwas Schmutz verpassen möchte, kann über das Menü zwischen drei Qualitätsstufen wählen. Der Sound verliert in der niedrigsten Auflösung vor allem an Höhen, wirkt aber insgesamt dann auch etwas körniger.

Filter

Anschließend gelangt das Signal in ein 24dB-Lowpass-Filter. Das Filter packt kräftig zu und verliert mit zunehmender Resonanz auch nicht zu stark an Bass. Der Pro VS Mini ist allerdings parafon und besitzt lediglich ein Filter für alle vier Stimmen.

Bei der bloßen Absenkung von Höhen macht sich das nicht so bemerkbar. Spätestens bei Filtermodulationen werden die Einschränkungen der Parafonie aber hörbar. Denn je nachdem, wie stark die Hüllkurve auf das Filter wirkt, starten später gespielte Noten auch bei einem anderen Cutoff-Wert ein.

Zu einem Preis von 99 € muss man logischerweise Kompromisse eingehen. Denn eine vollwertige Polyphonie hätte neben den vier Filtern gleichzeitig auch weitere Hüllkurven, VCAs und LFOs zur Folge. Und so kann man auch hier wieder gut damit leben und darauf hoffen, dass es vielleicht mal einen Polychain-Modus oder gar einen Pro VS „Max“ gibt.

Behringer Pro VS mini Test: Schraegansicht
Behringer Pro VS mini: Vielseitiger als man auf den ersten Blick erwartet

Modulationsmöglichkeiten

Die beiden LFOs sind fest jeweils dem Pitch und dem Filter zugewiesen. Neben der Modulations-Intensität kann man noch die Geschwindigkeit definieren, letztere ist leider nicht BPM-synchronisierbar. Dafür steht mit Dreieck, Rechteck, Sägezahn (auf/ab) und S&H aber ein gutes Repertoire an LFO-Schwingungsformen bereit.

Weiterhin gibt es drei Envelopes. Die beiden ADSR-Hüllkurven sind fest dem VCA respektive dem Filter zugewiesen. Ausreichend schnell sind mit ihnen auch überzeugende Bässe und Leads möglich, die ich dem Pro VS Mini echt nicht zugetraut hätte. Dafür empfand ich die Charakteristik für Pads nicht immer ideal. Das liegt aber auch wieder stark an den Minipotis, die einem ein gezieltes Ansteuern von Sweet Spots erschweren. Sicherlich kann man mit einem guten Editor hier noch einiges rausholen.

Mixhüllkurve

Etwas anders gestaltet sich die Vektorhüllkurve. Die Mix-Hüllkurve regelt wie auch der XY-Stick die Balance der vier Oszillatoren. Diese Hüllkurve bietet insgesamt bis zu fünf Stationen, die jeweils einen Punkt im XY-Koordinatensystem repräsentieren.

Die Programmierung ist dabei intuitiv gelöst: Hüllkurvensegment wählen, XY-Joystick auf die gewünschte Position bringen, und am Ende die Dauer des Weges zum nächsten einstellen. Das wiederholt man für jedes einzelne Segment und legt am Ende fest, ob die Mix-Hüllkurve einmalig, mehrfach oder unendlich oft geloopt wiedergegeben werden soll. Dabei sind sogar so kurze Zeiten möglich, dass man bei geloopter Mix-Hüllkurve auch in den hörbaren Bereich kommt und dadurch auch atonale Klänge entstehen.

Chorus

Als kleines Goodie spendierte Behringer dem Taschensynth noch einen Choruseffekt. Klanglich ist dieser eher mittlere Liga, kann bei manchen Flächen oder Basssounds durchaus das gewisse Extra liefern. Einstellbar ist neben der Chorusintensität auch die Modulationsrate, die sogar recht drastisch vor sich hin vibrieren kann.

Alternativen zum Behringer Pro VS Mini

Durch seinen Hybridansatz und der Integration von Vektorsynthese gibt es derzeit tatsächlich nicht viele Mitbewerber. Wenn man noch den günstigen Preis von knapp 100 € mit einbezieht, fallen die wenigen Alternativen ganz raus.

Falls der Preis keine Rolle spielt, kommt bei aktuell erhältlichen Geräten eigentlich nur der Vector infrage. Das dürfte derzeit der umfangreichste Hardware-Synth sein, der sich dieser Klangerzeugung widmet. Hier muss man auf analoge Filter verzichten, erhält aber gleichzeitig eine deutlich komplexere Soundengine.

Wem es vor allem um die Mischung aus Transportabilität, Sound und Budget geht, könnte sich auch bei den Korg Volcas oder den mittlerweile nur gebraucht erhältlichen Modal Craft (und Skulpt) umsehen. Auch diese bieten interessante Features zu einem attraktiven Preis.

Fazit: Behringer Pro VS Mini Test

Zugegebenermaßen war ich beim Pro VS Mini anfangs ziemlich skeptisch. Aber am Ende des Tests steht für mich fest: So viel Features für so wenig Geld muss man erst einmal abliefern.

Klanglich ist mir der Synth streckenweise etwas zu LoFi, aber das ist immer auch Geschmacksache. Zumal der Pro-VS Mini überraschend flexibel daherkommt. Der Synth hat durchaus das Potential, ohne nennenswerte klangliche Redundanz in ein bestehendes Setup einzuziehen. Und für die größten Kritikpunkte wie die Minipotis oder die semigut spielbare Folientastatur kann man problemlos Lösungen finden.

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Sound 9
Features 9
Bedienung 7
Preis/Leistung 10
PROS
  • Kompaktes Format mit umfangreichen Soundmöglichkeiten
  • Hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis
  • Überraschend kräftiger Sound
CONS
  • Sweetspots mitunter schwer mit Minipotis zu treffen
  • Folientastatur schlecht spielbar
  • Anschlüsse auf der Gehäuseoberseite

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