IK Multimedia UNO Synth Pro X Test

IK Multimedia UNO Synth Pro X Test

IK Multimedia kennt man als Hersteller für Gitarrenprodukte und Software, dabei hat das Unternehmen seit einiger Zeit auch Klangerzeuger im Programm. Allerdings führten Probleme wie starker USB-Noise, sowie ein recht eigenwilliger LoFi-Sound bei den Erstlingen „Uno Synth“ und der „Uno Drum“ Drum-Machine, zu einer eher negativen Resonanz. Die betraf dann auch den jüngsten Vertreter, den Uno Synth Pro. Spätestens mit dem FW-Update 2.0 ist dieser aber ein solider Synth, der aber aufgrund der Historie nach wie vor ein Dasein als Geheimtipp fristet. Mit dem Uno Synth Pro X will IK Multimedia das nun ändern. Wie gut das gelungen ist, erfahrt ihr im Uno Synth Pro X Test.

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IK Multimedia UNO Synth Pro X Demovideo

UNO Synth Pro X: Highlights

  • Parafoner Analogsynthesizer
  • Drei VCOs, zwei Filter, drei ADSR-Hüllkurven, 2 LFOs
  • Umangreiche Modulationsmatrix
  • Presetspeicher mit bis zu 256 Sounds
  • Sequencer, Arpeggiator und gut klingende Effektsektion

Erster Eindruck: UNO Synth Pro X Test

Das kompakte Desktopgehäuse lädt mit 21 Drehreglern plus Data- und Lautstärkeregler direkt zum Schrauben ein. Der fehlende Direktzugriff war immer ein Hauptkritikpunkt bei der UNO Synth Pro Reihe. Bei der neuen Variante ist das nun echt gut umgesetzt. Fast alle relevanten Elemente sind nun direkt erreichbar, erweitertes Sounddesign (Aktivierung von Ringmodulation, FM-Intensität etc.) maximal eine Shifttaste entfernt. Lediglich bei einigen Zusatzparametern, etwa bei den Effekten, muss man noch ins Menü abtauchen.

UNO Synth Pro X: Flexibler parafoner Analogsynth mit Charakter
UNO Synth Pro X: Flexibler parafoner Analogsynth mit Charakter

Die Verarbeitung geht absolut in Ordnung. Trotz des geringen Gewichts von einem knappen Kilo weisen die Drehregler einen angenehmen Widerstand auf. Die Gummitaster sind sicherlich Geschmackssache, aber bei meinem UNO Synth Pro verrichten diese auch nach einiger Zeit zuverlässig ihren Dienst. Lediglich das Display könnte etwas größer sein, denn mit zunehmender Sehschwäche sind die kleinen Buchstaben schon mal eine Herausforderung.

UNO Synth Pro X: Anschlüsse

Zur Integration in bestehende Setups bietet der UNO Synth Pro X auf der Rückseite einen Stereoausgang (6,3 mm Klinke), Kopfhöreranschluss, CV/Gate I/O, einen Audioeingang, sowie ein 5-Pol-Midi-Duo. Per USB-C-Port stellt man die Verbindung mit einem Mac oder PC her.

Die Anschluesse des UNO Synth Pro X auf der Rueckseite
Die Anschlüsse des UNO Synth Pro X auf der Rückseite

Spannungsversorgung

Die Spannungsversorgung erfolgt primär über das mitgelieferte Netzteil. In einigen Einstellungen leidet der UNO Synth Pro X ärgerlicherweise wieder über nervige Störgeräusche, die auch frühere Modelle betrafen. Ganz so schlimm wie bei der ersten IK-Synthgeneration ist es hier zwar nicht, aber auch nicht so subtil, als dass man das komplett überhören könnte.

Optional lässt sich der UNO Synth Pro X aber auch über den USB-C-Port betreiben. Bei mir funktioniert es mit einer leistungsstarken Powerbank gut und ermöglicht so auch den mehrstündigen (mobilen) Einsatz komplett ohne Störgeräusche.

UNO Synth Pro X bietet deutlich mehr Bedienelemente als seine Vorgänger
UNO Synth Pro X bietet deutlich mehr Bedienelemente als seine Vorgänger

Oszillatoren

Die drei analogen Oszillatoren lassen sich fließend von Dreieck über aufsteigenden Sägezahn bis hin zu Puls mit flexibler Pulsbreite morphen. Natürlich kann man pro VCO noch die Tonhöhe einstellen oder optional Rauschen hinzufügen. Zusätzlich bietet der UNO Synth Pro X noch Sync, FM, sowie Ringmodulation bei den Oszillatoren 2 und 3. Da sich die Parameter auch über die Modulationsmatrix automatisieren lassen, steht bereits auf dieser Ebene ein ergiebiges Potential für bewegte Klänge zur Verfügung.

Solange man auf hohe Gainwerte, FM, Ringmodulation etc. verzichtet, sind die VCOs des UNO Synth Pro X eher auf der weichen Seite. Knarzige Sägezahnbässe wie bei einem MS 20 oder Doepfer MS 404 sind eher nicht seine Stärke. Dafür überzeugt der UNO Synth Pro X bei verträumten Melodic Techno Leads auf Pulswellenbasis und selbst Dub Chords oder weiche Flächen mit bis zu drei Noten gelingen im parafonem Modus überzeugend.

IK Multimedia UNO Synth Pro X

Wer auf der Suche nach rohem Material ist, wird hier mit Ringmodulation, Sync und FM glücklich. Werden diese miteinander kombiniert, liefert der UNO Synth Pro X auch harte Techno- und Industrialsounds. Lediglich um den Drive-Regler sollte man hierfür einen Bogen machen. Subtil eingestzt mag dieser noch seine Berechtigung haben. Bei hohen Werten sorgt dieser hingegen zuverlässig für einen überladenen Mittenbereich, der in der Regel nur noch den Mix zumatscht und keine wirkliche Bereicherung darstellt. Kurioserweise hat man das bei den Factory-Sounds aber imposant ignoriert, wodurch der UNO Synth Pro X im ersten Moment einen völlig falschen Eindruck hinterlässt und man sich die Stärken des Synths erst erarbeiten muss.

Dual-Filter

Zur weiteren Klangbearbeitung bietet der UNO Synth Pro X zwei Filter, die sich seriell oder parallel betreiben lassen. Beim ersten handelt es sich um ein OTA-basiertes 2-Pol-Filter mit der Möglichkeit, zwischen Tiefpass und Hochpass umzuschalten. Dieses Filter ist insgesamt etwas neutraler im Klang und dadurch vor allem als Allrounder einsetzbar.

Das zweite Filter basiert laut Manual auf dem SSI 2164 Chip – vermutlich eher ein SSI 2144 -, der in diesem Fall wiederum dem SSM 2044 VCF Chip nachempfunden ist. Der SSM 2044 steckte in etlichen Synthlegenden, darunter Korg MonoPoly, Polysix oder PPG Wave 2.3. Die Filtercharakteristik lässt sich zwischen 12 und 24db/Okt umschalten und zeichnet sich durch einen runden, leicht dreckigen Gesamtsound aus, der auch bei hohen Resonanzwerten sein Bassfundament nicht verliert.

Dual Filter im UNO Synth Pro X

Im 4-Pol-Modus pfeifft die Resonanz recht schnell aggressiv, was durchaus auch seinen Reiz haben kann. Und obwohl die Resonanz hier bis in die Selbstoszillation reicht, kann man das Filter nicht wirklich als Sinusoszillator zweitverwenden. Dafür ist das Filtertracking beim UNO Synth Pro X derzeit leider noch zu unsauber und driftet bereits nach knapp zwei Oktaven ab.

In der Praxis erwischte ich mich dann auch dabei, deutlich häufiger die 12dB Variante einzusetzen. Die packt zwar auch schon kräftig zu, ist aber bei höheren Resonanzwerten nicht gleich so dominant.

LFOs und Hüllkurven

Um mehr Bewegung in den Sound zu bekommen, gibt es beim UNO Synth Pro X zwei LFOs und drei ADSR-Hüllkurven mit loopbarer Attack/Decay-Phase.

Die Hüllkurven sind schnell genug für klickende Percussions und langsam genug für Drones oder Flächen. Zwei der Hüllkurven sind bereits auf VCA und Filter geroutet, können wie die freie dritte Hüllkurve per Modulationsmatrix aber flexibel auf andere Ziele geroutet werden. Da die Hüllkurvenzeiten sehr kurz sein können, sind im Verbund mit entsprechenden Routings und dem Loopmodus auch Effektklänge und Vokalartiges drin.

Weiterhin gibt es zwei LFOs, die jeweils acht Schwingungsformen (Sinus, Dreieck, Saw up/down, Rechteck, Zufall, S&H, sowie Noise) bereitstellen. Die LFOs reichen mit einer Maximalfrequenz von 100Hz ein gutes Stück in den hörbaren Bereich, sind mit minimalen 0.01 Hz aber auch langsam genug für subtile Klangmorphings. Natürlich laufen die LFOs auch synchron zur BPM, wenn man diesen Modus aktiviert. Flexible Fade-In- und Fade-Out -Option, sowie Retrigger runden die LFO-Abteilung sinnvoll ab.

IK Multimedia UNO Synth Pro X
Im rechten Bereich befinden sich die drei ADSR-Hüllkurven und zwei LFOs

Modulationsmatrix: Ein Highlight im UNO Synth Pro X

Wer richtig tief ins Sounddesign einsteigen möchte, bekommt mit der Modulationsmatrix 16 mögliche Verknüpfungen an die Hand. Neben Klassikern wie LFOs oder Hüllkurven sind hier auch Quellen wie etwa Oszillatoren, Tie oder Gate-Länge vorhanden. Ähnlich flexibel sieht es bei den Modulationszielen aus. Gewünscht hätte ich mir hier vor allem noch Attack und Decay der Hüllkurven, sowie die Parameter der Effekte.

Hilfreich ist, dass per default Spielhilfen wie Modwheel etc. schon zugewiesen sind. Anders als etwa bei einem Modal Cobalt 8 können diese Zuweisungen pro Preset aber überschrieben werden, was ich sehr begrüße.

UNO Synth Pro X Modulationsquellen
Einige der Modulationsquellen und die Effektabteilung

Effektsektion im UNO Synth Pro X

In der Effektsektion verpasst man dem Signal die Politur und das ist hier sprichwörtlich gemeint. Denn die drei parallel nutzbaren Effekte Modulation, Delay und Reverb klingen für interne Effekte eines Synthesizers wirklich gut.

Sie unterscheiden sich in der Auswahl teilweise von denen im UNO Synth Pro. Weggefallen sind leider die guten Phaser, Flanger, und das Spring-Reverb. Dafür ist neben ein paar neuen Chorusvarianten nun auch ein sehr brauchbares Shimmer-Reverb an Bord.

Sequencer und Arpeggiator

Parameter-Locks, Swing, Triggerwahrscheinlichkeiten, unterschiedliche Wiedergabemuster, sowie eine ungerade Stepanzahl von bis zu 64 Steps: Der Sequencer des UNO Synth Pro X lässt wenig Wünsche übrig. Auch Accent, gehaltene Noten (Tie) und Chords sind hiermit möglich. Da man dem Accent per Modulationsmatrix verschiedene Ziele gleichzeitig zuweisen kann, können mit dem Sequencer sehr abwechslungsreiche Pattern programmiert werden, die bis hin zu komplexen Drum-Arrangements reichen.

Der Sequencer im UNO Synth Pro X
Der Sequencer des UNO Synth Pro X

Auch der Arpeggiator weiß zu überzeugen: Mit (De-)Aktivierung der 16 Steptastern kann man schnell eigene Pattern programmieren und diese dann in den geläufigen Mustern mit bis zu drei Oktaven wiedergeben.

UNO Synth Pro X: Bassline Mode

Ganz neu ist im UNO Synth Pro X der Bassline Mode. Dieser soll das Verhalten der originalen Roland TB-303 emulieren. Um es klar zu sagen: Durch den Bassline-Modus verwandelt sich der UNO Synth Pro X nicht in einen authentischen TB-303 Clone. Dafür ist der Grundsound einfach zu unterschiedlich. Sobald man diesen aktivert, werden einige Komponenten aus der Klangerzeugung limitiert, andere wie Accent und Accent Decay sind nun im direkten Zugriff. Man bekommt also 303-Feeling, aber keinen 303-Sound. Insgesamt finde ich den Bassline-Modus daher eher obsolet, aber der reduktionistische Ansatz wird manchen Usern sicherlich Freude bereiten.

Der Bassline-Modus im UNO Synth Pro X
Der Bassline-Modus im UNO Synth Pro X

Leider führt die Aktivierung des Bassline-Modus aber auch dazu, dass man sämtliche vorherige Sound-Einstellungen verliert. Wenn man sich also doch gegen den Bassline-Mode entscheidet und zu seinem Patch zurückmöchte, ist das nicht möglich. Laut IK Multimedia ist das der Simplifizierung des Bassline-Konzepts geschuldet, wobei ich diese Erklärung ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann. Hinzu kommt, dass man im Eifer des Gefechts auch mal aus Versehen auf diesen Taster kommt. Hier wäre zumindest ein Safety-Mode hilfreich, bei dem man erst nach einer kurzen Warnung in den Bassline-Modus wechselt.

UNO Synth Pro X – Librarian und Editor

Zur Archivierung eigener Sounds oder der Fernsteuerung über den Rechner bietet IK Multimedia einen Software-Editor mit Librarian an, der bereits in diesem frühen Stadium problemlos funktioniert. Hierüber lassen sich Sounds auf dem Computer speichern, Kategorien zuweisen, oder Presets am größeren Bildschirm übersichtlich bearbeiten. Zwar ist der Zugriff bei dem UNO Synth Pro X auch so schon sehr komfortabel. Manchmal ist es aber praktisch, den Synth komplett fernsteuern zu können.

Wie schon bei anderen IK Multimedia Geräten muss man sich leider erst einmal registrieren, um Zugriff auf die Software zu erhalten. Bei optionalen Dingen wie einem Editor kann ich das noch tolerieren, aber bei essentiellen Dingen wie Firmware-Updates sollte der Zugriff immer auch ohne Registrierungsschranke möglich sein. Zumal man sich bei IK Multimedia bisher immer erst ein License-Transfer-Ticket für rund 20 € kaufen muss, wenn man mal seine Hardware weiterverkaufen möchte.

UNO Synth Pro X Alternativen

Klanglich und rein von den Features ist die beste Alternative tatsächlich der UNO Synth Pro aus dem gleichen Hause. Hier gibt es zwar wesentlich weniger Bedienelemente und weniger Overdrive. Dafür kostet die Desktopvariante etwa die Hälfte gegenüber dem UNO Synth Pro X. Hier muss man wohl zwischen Budget und Bedienung abwägen. Klanglich sind beide sehr nah beieinander, wobei ich den UNO Synth Pro X eine minimale Nuance roher emfpand.

IK Multimedia UNO Synth Pro X Familie (links UNO Synth, Mitte: UNO Synth Pro X, rechts: UNO Synth Pro)

Fazit: UNO Synth Pro X Test

Ich war bereits ein Fan des Vorgängers UNO Synth Pro und hatte mich daher sehr über die Ankündigung des UNO Synth Pro X gefreut: Ein ähnlich guter Sound, dazu mehr Bedienelemente und mit dem Shimmer-Reverb kam noch eine gute Ergänzung in der Effektabteilung hinzu.

Nicht anfreunden kann ich mich mit dem erweiterten Gain und dem Drive-Regler. Hier driftet mir der UNO Synth Pro X zu schnell in undefinierten Mittenmatsch ab, was dem Grundsound eher nicht gut tut.

Daher auch meine klare Empfehlung an alle, die den Synth ausprobieren: Ignoriert die Werkspresets, bei denen größtenteils mit Drive und Gain übertrieben wurde, und steigt direkt ins Sounddesign ein. Ansonsten entsteht u.U. ein falscher Eindruck, der diesem Synth nicht gerecht wird.

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Sound 8
Features 9
Bedienung 9
Preis/Leistung 7
PROS
  • Eigenständiger, warmer Analogsound
  • Flexible Modulationsmöglichkeiten
  • Gut klingende Effekte
  • Intuitiv bedienbar
CONS
  • Vereinzelt Störgeräusche im Betrieb mit Netzteil
  • Bassline-Modus löscht vorherige Parameteränderungen

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