Modal Cobalt 8 Test und Video

modal cobalt 8 test und videodemo

Modal Electronics mischt seit über sieben Jahren die Synthesizerwelt auf. Konzentrierte sich das britische Unternehmen anfangs auf hochpreisige Edelhybride, fand vor drei Jahren ein recht radikaler Wechsel hin zu Budget-Synthesizern wie dem Skulpt statt. Mit Argon8 stellte Modal dann einen ausgewachsenen Wavetable-Synthesizer vor. Nun wurde das Portfolio abermals mit dem „extended virtual analogue Synthesizer“ Cobalt8 erweitert. Was sich dahinter verbirgt und wie sich der Synthesizer im Bereich elektronischer Musik schlägt, erfahrt ihr im Modal Cobalt 8 Test. Erstmal gibt es zur Einstimmung aber wie immer ein Demovideo.

Videodemo: Modal Cobalt 8

Modal Cobalt 8 Test – Erster Eindruck und Verarbeitung

Der Synthesizer kommt in drei Varianten: transportabel mit drei Oktaven, platzsparend als Modul und als Schlachtschiff mit 5 Oktaven. Die mir vorliegende Version mit drei Oktaven vermittelt insgesamt einen soliden Eindruck. Die normal großen Tasten reagieren gut. Die Taster und LED-Kappen sitzen zwar etwas locker im Gehäuse, aber ich traue ihnen durchaus auch den härteren Bühnenalltag zu.

Lediglich die Drehregler konnten mich nicht vollends überzeugen. Möglicherweise liegt das aber an meiner Präferenz, bei den Drehreglern etwas mehr Widerstand wie zum Beispiel bei Clavia oder dem Push 2 zu haben. Die Regler des Modal 8 entsprechen da eher den Potis aus dem Elektron Digitone. Das muss nichts schlechtes sein und viele bevorzugen diese Variante vielleicht.

Die Anschlüsse des Modal Cobalt8
Die Anschlüsse des Modal Cobalt8, ©Modal

Auf der Rückseite findet sich alles, was man sich von einem aktuellen Synth wünscht: Ein klassisches MIDI Duo, USB sowohl für den Editor als auch zur MIDI-Kommunikation, sowie Audio-Ein- und Ausgang und Sync-Schnittstelle zur Integration in ein Modularsystem.

Extended Virtual Analog Synthesis: Marketing-Phrasen aus der Hölle oder echter Mehrwert?

Um ehrlich zu sein, habe ich auf die Ankündigung des Cobalt 8 mit müdem Achselzucken reagiert. „Noch ein virtuell analoger Synths? Wie langweilig!“ Auch die Werkspresets mochten mich nicht wirklich von diesem Eindruck abbringen. Viel 80s, viel Pop, aber für Techno, Ambient und Co. wenig wirklich brauchbares. Und das, obwohl Modal zum Beispiel beim Skulpt bewiesen haben, dass sie eigentlich gute Werkspresets mitliefern können. Da es sowieso spannender ist, eigene Patches zu erstellen, navigierte ich direkt zu den Init-Plätzen und startete bei Null. Und damit änderte sich mein erstes Urteil schlagartig. Der Synthesizer ist nicht nur äußerst flexibel, sondern klingt dabei auch hervorragend mit viel Charakter.

Der Modal Cobalt 8 lässt sich komfortabel mit einem Editor programmieren
Eigene Patches lassen sich mit dem Modal Cobalt8 Editor schnell erstellen ©Modal

Oszillatoren

Im Cobalt 8 gibt es zwei Oszillatorgruppen, in die man jeweils ein Oszillatormodell herein laden kann. Das erklärt auch das „advanced“ in der Beschreibung. Denn der Cobalt 8 bietet 34 unterschiedliche Algorithmen. Darunter finden sich klassische Schwingungsformen wie Sinus, Puls etc., aber auch komplexe Mischformen wie Morphing, Cross-Modulation, Sync, filterbares Rauschen und mehr. Und das pro Oszillatorgruppe!

Weil jeder Algorithmus natürlich auch andere Parameter bereitstellt, darf man sich für die Erkundung der Oszillatorsektion etwas Zeit nehmen. Die Modelle klingen durch die Bank weg gut, wobei ich den Sound nicht als analog beschreiben würde. Vielmehr ist es für mich eine Evolution der 90er Jahre VA-Synths auf Steroiden. Das bedeutet einerseits, dass es zwar immer etwas digital, aber gleichzeitig schön analog rundgeschliffen klingt. Probleme wie Aliasing kennt man hier nur noch in extremen Einstellungen, die man im Studioalltag aber so kaum nutzen wird. Etwas aufpassen sollte man in der Kombination von Stereo-Spread und Oszillator Drift. Ich habe mir bei höherer Dosierung einige Male Phasenschweinereien eingefangen, wodurch der Synth schwammig verträumt klingt. Das ist zwar super für Pads, aber auch Gift für Bässe. Wenn man das aber auf dem Schirm hat, ist es kein Problem.

Filtersektion

Beim Filter handelt es sich um ein virtuelles 4-Pol-Multimode-Kaskadenfilter, das sich frei morphen lässt. Etwas versteckt im Sub-Menü gibt es dann noch einen Dual-Notch-Filter-Modus (Phaser), sowie die Möglichkeit, das Filter in einen 1-Pol-Modus zu morphen.

Das Filter ist klanglich für mich eine Mischung aus viel Roland SH, etwas SEM und einem Quäntchen Moog. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: Das Filter klingt wahnsinnig musikalisch und kann auch bei hohen Resonanzwerten überzeugen. Beeindruckt hat mich hier auch die Stufenlosigkeit. Selbst bei langsamen manuellen Filterfahrten war es mir kaum möglich, Parametersprünge zu hören.

Modulationen

Um die Patches zu formen gibt es drei Hüllkurven, sowie zwei LFOs. Über eine Modulationsmatrix kann man bis zu acht Slots verknüpfen, zusätzlich stehen vier feste Ziele zur Verfügung.

Die LFOs bieten sieben Standardschwingungsformen und lassen sich zur Clock synchronisieren, frei laufen oder in den One-Shot-Modus versetzen. Verzichtet man auf die MIDI-Synchronisation reicht die Schwingungsrate bis in den hörbaren Bereich hinein: gut für FM-artige Sounds mit viel Schmutz.

Die Hüllkurvensektion ist eher rudimentär aufgebaut, aber für die meisten Anwendungen ausreichend. Zwei der ADSR-Hüllkurven sind fest Filter und Lautstärke zugeordnet, eine dritte Hüllkurve kann als freier Modulationsgenerator genutzt werden. In Submenüs versteckt sich hier noch eine sehr wichtige Funktion fürs Sounddesign: Hierüber bestimmt man die Charakteristik, wozu acht verschiedene Modelle vorhanden sind. Durch Umschalten von linearer zu exponentieller Charakteristik kann man so etwa einem relativ harmlosen Bass noch ordentlich Punch mitgegeben.

Und dann noch der Rest – Sequencer, Effekte und Arp

Ganze 512 Noten umfasst der Sequencer, der in Echtzeit eingespielt werden will. Dazu kommt noch ein weiterer polyphoner Step-Sequencer, der bis zu 64 Steps abfeuert. Zusätzlich gibt es noch einmal einen umfangreich programmierbaren Arpeggiator mit bis zu 32 Steps, sowie vier Motion-Sequencer. Hinzu kommt, dass man Arpeggiator und Sequencer noch miteinander verknüpfen kann. Das klingt echt gut, allerdings empfand ich diese Sektion als recht unzugänglich. Mit etwas längerer Praxiserfahrung sollte man sich aber auch hier gut zurechtfinden.

Abschließend komme ich zur Effektsektion. Hier gibt es drei Slots, in die jeweils ein Delay, ein Reverb- und ein Modulationseffekt geladen wird. Die Effekte klingen allesamt recht ok, wenngleich sie nicht an die hochwertigen Algorithmen eines Novation Peak oder Elektron-Synths heranreichen. Lediglich das Reverb ist nahe an der Grenze zur Unbrauchbarkeit. Wenn man sich allerdings mit etwas Fantasie einredet, es handele sich dabei um einen LoFi-Plattenhall, kann man damit seinen Frieden finden.

Modal Cobalt 8 Test Fazit

Mit dem Cobalt 8 ist Modal echt ein gut klingender Synthesizer gelungen. Der Grundklang des Cobalt 8 – abgesehen vom sehr gelungenen Filter – ist zwar nicht besonders analog. Vielmehr ist er digital-hybrid weich im besten Sinn und damit unter den hier genannten Aspekten eine klare Empfehlung.

Seine Stärken liegen klar bei atmosphärischen Flächen, tranceigen Leads und flirrenden Arpeggio-Sounds. Bässe kann er auch, aber hier würde ich im Alltag eher zu einem reinen Analog- oder FM-Synth greifen. Und so empfehle ich den Cobalt 8 auch nicht als ersten Synthesizer für Einsteiger, sondern eher als Zweit- oder Drittgerät. Denn der Cobalt 8 hat ordentlich Eigencharakter, den man sehr gezielt einsetzen kann. Das ist mir persönlich wichtiger, als eine Eier legende Wollmilchsau vor mir zu haben.

Zur Herstellerseite Modal Electronics

Weitere Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.