Behringer RD-9 Test „Rhythm Composer“: TR-909 Clone

Behringer RD-9 Test

Neben der TR-808 ist Rolands TR-909 wohl eine der wichtigsten Drum Machines für elektronische Musik. Die kräftige Kick, peitschende Snare, voluminöse Clap und die durchsetzungsfähigen Cymbals sind auf zigtausenden Produktionen zu hören. Nun hat Behringer mit der RD-9 endlich den heiß ersehnten Clone der TR-909 auf den Markt gebracht. Ob sich eine Anschaffung des Rhythm Designers lohnt, erfahrt ihr im Behringer RD-9 Test. Und wie immer gibt es zur Einstiming noch ein Demovideo.

Behringer RD-9 Demovideo

Behringer RD-9 Test: Erster Eindruck und Verarbeitung

Wer vielleicht schon die RD-8 von Behringer vor der Nase hatte weiß, wie groß die RD-9 daherkommt. Auch wenn ich die Tendenz hin zu kleineren Geräten schätze – Studioplatz ist wertvoller als ein Quadratmeter in London -, ist das Arbeiten mit so einem großen Gerät meistens deutlich angenehmer.

So auch bei der RD-9: Die Potis fühlen sich gut an und haben einen angenehmen Drehwiderstand. Ich empfand das Arbeiten mit ihnen sogar angenehmer als mit dem Original, wo mir die Potis immer etwas zu klein erschienen. Das ist natürlich Geschmacksache; ebenso wie die gummierten Taster zur Auswahl des Instruments, Transportfunktionen oder einiger Menüpunkte. Ich empfand das vermittelte Feeling bereits bei der RD-8 immer ok, allerdings verhakte sich bei der RD-9 der Gummitaster der Bass Drum gerne mal im Gehäuse. Vielleicht war das ein Fehler des Testmodells und trat nur zufällig bei meiner Unit auf. Ein kleiner Schubs nach links befreite den Taster wieder aus seiner Lage.

Behringer RD-9 Test Schrägansicht
Behringer RD-9 Rhythm Designer

Im Unterschied zur RD-8 wurden die Step-Taster denen der TR-909 nachempfunden. Die direkte Eingabe von Steps und Akzenten gestaltet sich darüber sehr angenehm. Wenn man in einer Live-Situation aber mal eben 16 HiHats „rutschend“ von links nach rechts setzen möchte, ist das aufgrund der Höhe und Abstände der einzelnen Taster zueinander kaum möglich. Ebenfalls fiel mir auf, dass man bei stärkerer Lichteinstrahlung – und damit meine ich noch nicht einmal das pralle Sonnenlicht – die LEDs kaum noch erkennt. Andererseits kann es auch ziemlich nerven, wenn zu helle LEDs einen beim Produzieren ständig blenden.

Anschlüsse

Hier hat Behringer definitiv die Hausaufgaben erledigt. MIDI wird sowohl über USB als auch 5 Pol-MIDI Trio übertragen, alternativ kann die RD-9 auch über Sync in ein vollanaloges Setup integriert werden. Dazu stehen zusätzlich noch drei weitere Trigger-Outs bereit.

Behringer RD-9 Test Anschlüsse
Behringer RD-9 Rückseite

Besonders gefreut hat mich aber die üppige Auswahl an Einzelausgängen. Wie schon beim Original kann jede Instrumentengattung über einen separaten Ausgang herausgeführt werden. Sobald ein Klinkenkabel angeschlossen ist, wird dieses Instrument aus dem Main-Ausgang herausgenommen. Dadurch profitiert es allerdings auch nicht mehr von dem praktischen Filter und WaveDesigner. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man das optional auch für die Einzelausgänge aktivieren könnte.

Wie klingt die Behringer RD-9

Damit kommen wir wohl zum wichtigsten Aspekt, dem Sound. Und hier kann ich der Behringer RD-9 nur Bestnoten verteilen. Die für einige User entscheidende Frage, wie nahe sich RD-9 und TR-909 klanglich sind, möchte ich allerdings nicht entscheiden. Zu unterschiedlich klingen bereits einzelne TR-909-Modelle (man vergleiche nur mal die Claps aus drei unterschiedlichen Modellen).

Fest steht aber, dass man mit blinden Augen erkennt, dass hier ganz klar eine TR-909 emuliert werden sollte: Kick und Toms haben Druck, die HiHats nageln und die Ride peitscht schön pumpend durch den Track. Besonders gelungen fand ich, dass man selbst an das leichte Phasing gedacht hat, das in einigen Einstellungen entsteht, wenn Snare und Clap parallel spielen. Die Clap der RD-9 gehört übrigens zu der voluminöseren Variante und zieht eine recht ordentliche Hallfahne hinter sich her. Wenn man unbedingt einen Vergleich anstellen möchte, würde ich sagen, dass die RD-9 im Vergleich zu frühen TR-909-Modellen etwas heller klingt und auch die Kick etwas härter daherkommt.

Und spätestens mit den Features des Enhanced Mode verlässt man ohnehin die etwas ausgetretenen Pfade und erhält eine TR-909 Kick und HiHat auf Steroiden.

Mehr als TR-909: Der Enhanced Modus

Mit der Tastenkombination „Settings“ und „Preferences“ schaltet man über den Drehregler in der Menüsektion in den Enhanced Mode. In dieser Einstellung werden die zwei unteren Regler in der Kicksektion, sowie Tuning der HiHats aktiviert.

Behringer RD-9 Test: Draufsicht
Der Extended Mode bietet sinnvolle klangliche Erweiterungen der klassischen TR-909 Sounds

Für die Kick steht damit die Pitch-EG-Intensität im direkten Zugriff, sowie die Ursprungs-Tonhöhe für die Pitch-Hüllkurve. In der Praxis äußert sich das in einem stärkeren „Piu“ am Anfang der Kick. Das ist besonders dann hilfreich, wenn man der Kick zusätzlich Druck verschaffen möchte.

Ebenso wie die Erweiterung der Kick ergibt auch das regelbare Tuning der HiHats musikalisch total Sinn. Nicht nur, dass man die Instrumentengruppen noch exakter tonal aufeinander abstimmen kann. Auch im Liveeinsatz kann man das Tuning der HiHats, wie schon bei der Ride, gut für Übergänge nutzen.

Wave Designer und Filter

Im linken Bereich der RD-9 stehen mit dem Wave Designer und Filter noch zwei Funktionen fürs Sounddesign bereit, die der ein oder andere eventuell schon von der RD-8 kennt.

Wave Designer ist ein Kompressor -/ Transienten Designer, der die Summe subtil verdichtet und bei extremen Einsätzen das Ausgangsmaterial der RD-9 schön pumpen lässt, wenn man mehrere Instrumente dem Wave Designer zuweist. Trotz des simplen Aufbaus klingt der Wave Designer auch sehr ordentlich und ist damit ein sehr praktisches Feature für den Live-Einsatz.

Das Filter lässt sich sowohl als Hochpass als auch als Tiefpass betreiben. Der nahe liegende Einsatz sind wohl Tiefpassfilterfahrten auf der Summe. Im Laufe der Arbeit mit der RD-8 und jetzt auch mit der RD-9 merkte ich aber schnell, dass ich vor allem das Hochpassfilter nutze. Zum einen, um mit hoher Resonanz und tiefer Eckfrequenz den Grundton der Kick zusätzlich zu betonen. Dadurch bekommt sie noch mehr Tiefdruck, der Clubwände wackeln lässt. Oder man nimmt das Hochpassfilter einfach, um die Tom-Sektion auszudünnen und so einen cleaneren Mix über die Summe bekommt.

Beide Elemente wirken immer nur auf die Summe und auch nur über den Mono-Summenausgang und sind weder am Kopfhörerausgang noch in den Einzelausgängen der Instrumente zu hören. Sobald zum Beispiel die Kick separat herausgeführt wird, hat das auch einen starken Einfluss auf das klangliche Verhalten des Wave Designers.

Sequencer

Der Sequencer ist weitestgehend identisch mit dem der RD-8. Jedes Pattern kann bis zu 64 Steps enthalten und in Taktarten von 1/8 bis hin zu 1/32 inklusive triolischer Varianten wiedergegeben werden.

Durch Aktivierung von Polymetrik sind auch komplexe Rhythmen möglich, indem man zum Beispiel die Tom-Spur auf 23 Steps beschränkt, die HiHats nach 18 Steps wiederholt werden, während die Kick ein klassisches 4/4 Muster spielt.

Zufall und frei wählbare Abspielwahrscheinlichkeit der Steps bringen zusätzlich Abwechslung ins Spiel, während man mit Flam die klassischen rollenden Drums programmieren kann, die man in unzähligen House- und Techno-Tracks hört.

Der bereits erwähnte Unterschied zur RD-8 besteht darin, dass man zum einen für jedes Instrument pro Step Noten akzentuieren kann. Dazu drückt man einfach zweimal auf die Steptaste, was mit einer stärkeren LED-Intensität auch optisch wiedergegeben wird. Diese Akzentuierung bleibt vom Accent-Regler hingegen unbeeinflusst, denn dieser wirkt lediglich auf den etwas versteckten Accent-Track.

Der Master Accent wirkt wie bei der RD-8 immer auf alle Instrumente gleichzeitig, für die auf den mit Master Accent programmierten Steps ebenfalls ein Step gesetzt wurde.

Tipp: Um Master Accent Steps zu setzen, hält man einfach den Taster „Tap/Hold“ gedrückt, während man eine oder mehrere Steptaste(n) drückt. Die Taster-LED bestätigt die Programmierung mit leichtem Blaugrau

Bewegt man jetzt den Accent-Regler, werden alle Master-Accent-Steps mit zunehmender Rechtsdrehung lauter wiedergegeben.

Welche Alternativen gibt es zur Behringer RD-9?

Neben den ambitionierten Replicas Din Sync RE-909 und NAVA 909, die sich beide an erfahrene DIY-ler richten, kommen die meisten Alternativen wohl aus dem Hause Roland selbst. Die Boutique-Version TR-09 war ein gelungener Clone, der ebenfalls über einige sinnvolle Erweiterungen verfügte.

Allerdings ist dieser, ebenso wie die NAVA 909 mittlerweile nur noch gebraucht erhältlich. Und so praktisch ich kleine Synths für unterwegs finde, hat es Roland mit dem geschrumpften Boutique-Format etwas zu gut gemeint. Schnelle Performances wollten mir mit den miniaturisierten Bedienelementen einfach nicht gelingen.

Anders verhält es sich mit den Modellen Roland TR-8 und TR-8s, die nicht nur einen druckvollen Sound haben, sondern gleichzeitig neben der 909 noch weitere Drum Machines mitbringen. Klanglich ist die TR-Serie top, auch die Flexibilität übersteigt die Möglichkeiten der RD-9 um ein vielfaches. Gleichzeitig ist die TR-Serie aber auch ein gutes Stück teurer und eben nicht analog aufgebaut, was für viele User dann doch das entscheidende Pro-Argument für die RD-9 sein dürfte.

Behringer RD-9 Test Fazit

Die RD-9 kostet derzeit 349 € und wird sicherlich wie schon andere Geräte von Behringer sogar noch im Preis fallen. Und der ist jetzt schon sensationell für das Gebotene. Noch nie kam man so günstig an den authentischen Sound einer TR-909.

Die klanglichen Modifikationen des Enhanced Mode sind ein echter Mehrwert und der umfangreiche Sequencer, sowie Wave Designer und Filter stellen eine sinnvolle Evolution dar.

Selbst eingefleischte TR-909 Fans, die nicht auf das Feeling und Patina eines Originals verzichten wollen, bekommen mit der RD-9 eine gute Alternative, um ihr Schätzchen nicht beim Transport oder beim Live-Einsatz im Club zu gefährden. Insofern bleibt mir abschließend nur eine klare Empfehlung auszusprechen.

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