Source Audio Collider Test: Reverb und Delay Kombi für Synthesizer

Source Audio Collider Test. Reverb und Delay Effekt für Synthesizer

Source Audio ist seit einigen Jahren als Hersteller von hochwertigen Effektpedalen vor allem in der Gitarrenszene bekannt. Doch auch für Synthesizer hat das Unternehmen spannende Produkte im Angebot. Eins davon sehen wir uns heute im Source Audio Collider Test an. Das Stereopedal ist eine Kombination aus Delay und Reverb und scheint sich dadurch hervorragend als externes Effektpedal für Synthesizer zu eignen. Aber hören wir uns doch erstmal an, wie das Source Audio Collider klingt.

Source Audio Collider Demovideo

Source Audio Collider Test: Verarbeitung

Das Pedal bietet auf rund 11,5 Quadratzentimeter sieben Potis, zwei Kippschalter, einen Fußschalter zum Tappen der Delay-Zeit und einen weiteren für Bypass. Falls ihr schnell mal zwischen mehreren Presets umschalten müsst, findet sich dafür im unteren Bereich ein kleiner Taster. Hierüber habt ihr bis zu acht Presets im direkten Zugriff, allerdings könnt ihr über den MIDI-Eingang weitere Presets abrufen.

Source Audio Collider Test. Das Effektpedal von oben
Source Audio Collider: Gut klingende Kombination aus Delay und Reverb

Die Potis haben einen Drehwiderstand der zwar leichtgängiger ist als etwa bei einem Nord Lead oder Behringer Pro One. Allerdings vermitteln sie immer noch ein angenehmes Feedback, sodass man Werte gezielt eingeben kann. Auch sonst ist das Pedal tadellos verarbeitet und macht auf mich den Eindruck, selbst heftigere Einsätze wegzustecken.

Während die meisten Drehregler des Colliders festen Werten zugeordnet sind, bieten Control 1 und 2 über den kostenlosen Editor „Neuro App“ die Möglichkeit, eigene Parameter zuzuweisen. Das ist ein sehr guter Kompromiss, denn die Vorauswahl der anderen Regler dürfte definitiv die wichtigsten Anwendungsszenarien abdecken. Zumal gerade bei Hardware-Effekten eine klare Struktur sinnvoll ist, weil man sich so in hektischen Live-Situationen nicht erst über die Zuweisung Gedanken machen muss.

Anschlüsse

Auch bei der Anschlusssektion kann das Collider überzeugen. Denn neben Stereo-Ein- und Ausgängen gibt es hier 5-Pol-MIDI In und sogar thru, sowie zwei Steuereingänge. Dadurch lässt sich das Collider-Pedal übrigens auch rudimentär in ein modaleres Setup integrieren und etwa die Delay-Rate mit einem LFO steuern, wodurch interessante Flutter-Effekte entstehen.

Source Audio Collider: Anschlüsse auf der Rückseite
Source Audio Collider: Anschlüsse auf der Rückseite

Zusätzlich gibt es auf der Rückseite noch einen USB-Anschluss. Dieser stellt die Verbindung zu einem Mac, PC, iOS- oder Android-Gerät her. Ich habe bewusst alle Betriebssysteme erwähnt, denn der Haupteinsatz der USB-Schnittstelle ist in Kombination mit der Neuro App, die auf all diesen Systemen läuft.

Delay-Sektion

Wie eingangs bereits erwähnt, handelt es sich beim Collider um ein Kombi-Pedal, das verschiedene Delay- und Hall-Algorithmen beherbergt. Legt man den Wahlschalter auf Delay erhält man direkten Zugriff auf fünf Delay-Modelle, die von digital bis analog reichen.

Die MIDI-synchronisierbaren Delays klingen durch die Bank weg richtig gut. Wenn es clean-neutrale Standardkost sein darf, ist Digital der richtige Algorithmus, wenn es warm analog sein soll, liefern Tape und Analog Delay perfekt ab. Auch die Selbstoszillation bei hohen Feedback-Werten oder Pitch-Schwankungen, wenn man die Delay-Zeit justiert, werden authentisch reproduziert.

Mein persönlicher Favorit ist jedoch das Oil Can Delay, das eine spezielle Delay-Variante emuliert. Dabei wurde eine rotierende Metalltrommel mit Schreib-und Lesekopf eingesetzt, bei der magnetisiertes Öl als „Speicher“ arbeitet. Mehr als bei meiner sehr vereinfachten Darstellung könnt ihr hier über Oil Can Delays erfahren. Jedenfalls klingt diese Variante richtig schön schmutzig und neigt schnell zu musikalischen Verzerrungen, wenn man das Feedback aufreißt.

Reverb-Sektion

Ähnlich wie bei den Delays setzt Source Audio auch bei den Reverbs auf eine Kombination gut klingender Standards und Exoten. Beim Collider finden sich sieben unterschiedliche Modelle, die von kleinen Räumen über klassische Halleffekte bis hin zu dichten Shimmer-Algorithmen alles abdecken, was für elektronische Musik jeder Couleur nötig ist.

Klanglich ist das Gebotene ganz weit vorne und wird eigentlich nur noch vom Empress und Ventris aus dem eigenen Haus übertroffen. In beiden Fällen liegt das in erster Linie allerdings an der Flexibilität von spezialisierten Reverb-Effekten. Das Ventris nutzt sogar identische Algorithmen wie das Collider, ist aber durch die Kombination aus zwei Hallräumen in der Lage, auch komplexe Räume zu schichten.

Für Ambient-Produzenten dürften die Shimmer und Dome Reverbs des Collider interessant sein. Beide sind trotz ihres vollen Klangs nicht ganz so aufdringlich wie ihre Pendants im Strymon Big Sky, was ich auf Dauer als angenehmer empfinde.

Das im Dub so beliebte Spring Reverb weiß ebenfalls zu überzeugen: Der Metallanteil im Klang lässt sich fein dosieren und reicht auch in extreme Bereiche, wenn es richtig scheppern soll. Allerdings fand ich hier die Emulation im Empress Reverb noch etwas authentischer. Hier handelt es aber nur um Nuancen und nicht zu letzt auch um persönlichen Geschmack.

Neuro App

Wenn man tiefer ins Sounddesign einsteigen möchte, liefert Source Audio mit der Neuro App den Zugang zu weiteren Parametern. Hier nimmt man auch Zuweisungen der Drehregler vor, falls man mit den Werkseinstellungen unzufrieden ist.

Source Audio Neuro App

Die Neuro App dient zudem der Verwaltung eigener Presets, die sich in bis zu 128 Speicherplätzen ablegen und per MIDI abfrufen lassen. Die Verbindung von der Neuro App zum Gerät läuft je nach Endgerät über USB oder den Control-Eingang. Letzterer ist dann praktisch, wenn man die iOS-oder App-Variante nutzt. Für diesen Fall liefert Source Audio gleich ein Adapterkabel mit, das vom Line-Out des Smartphones direkt in den Control-In am Pedal geht.

Source Audio Collider Test: Fazit

Klanglich Oberklasse, intuitiv bedienbar und mit Delay und Reverb die wichtigsten Effekte für elektronische Musik gleich dabei: Das Source Audio Collider konnte im Test voll überzeugen. Gerade dann, wenn man mit wenig Gepäck reist oder nur überschaubaren Platz im Studio hat, ist das Collider eine gute Alternative zu spezialisierten Effekten. Der auf den ersten Blick recht hohe Anschaffungspreis von rund 400 € relativiert sich schnell, wenn man bedenkt, wie viel man für zwei klanglich gleichwertige Pedale ausgeben müsste.

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