Melodic Techno Leads Sounddesign Tutorial: Afterlife, Bodzin, Tale of Us

Melodic Techno Leads erstellen: Sounddesign Tutorial

Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Spätestens mit dem Album Powers of Ten von Stephan Bodzin hat sich im Melodic Techno ein charakteristischer Lead-Sound durchgesetzt. Mittlerweile ist dieser Melodic Techno Lead in unzähligen Tracks zu finden, besonders häufig bei Releases des Afterlife Labels. Wie man diesen weichen, aber zugleich kraftvollen Sound erstellt, sehen wir uns im Detail im Sounddesign-Workshop „Melodic Techno Leads erstellen“ an.

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Melodic Techno Leads wie am Anfang dieses Videos sind im Fokus dieses Tutorials

Oszillatoren

Basis-Einstellungen

Bei vielen Melodic Techno Leads hört man mindestens zwei Oszillatoren. Häufig liefert einer einen Sägezahn, während der andere eine Pulsschwingung erzeugt. Das Tuning sollte dabei im harmonischen Intervall sein, also eine Oktave zwischen den beiden, eine Quinte (Tune +5) oder eine Septime (Tune +7). Seltener findet man auch eine Terz, bei der Oszillator zwei um drei Halbtöne nach oben gestimmt wird.

Noise

Sehr häufig findet man auch weißes oder rosa Rauschen in den Melodic Techno Leads. Damit euch das Noise nicht erschlägt, solltet ihr es sparsam unter den Grundsound mischen. Alternativ könnt ihr den Rauschanteil auch per Aftertouch oder Modulationsrad steuern, um es dynamisch spielbar zu machen. Bei wichtigen Passagen im Track reißt ihr dann den Rauschanteil gemeinsam mit dem Filter-Cutoff nach oben.

Erweitertes Sounddesign Oszillatoren

Um mehr Bewegung in den Sound zu bringen, kann man die Pulsbreite von Oszillator 2 noch mit einem moderat schnellen LFO modulieren. Dadurch entstehen Schwebungen, die den Klang noch breiter wirken lassen. Ebenso lohnt es sich hier, je nach Möglichkeiten des Synths, parallel noch eine Hüllkurve auf die Pulsbreite anzusetzen.

In vielen Melodic Techno Leads ist außerdem ein Portamento (oder Legato) zu finden. Das darf gerne deutlich hörbar sein, die Geschwindigkeit sollte aber zu euren Melodien passen und jede Note weitestgehend definiert bleiben.

Filter

Melodic Techno Leads leben von smoothen Filterfahrten. Beim Filter sollte man sich für eine weichere, cremigere Variante entscheiden. Also eher Moog, SH oder Oberheim SEM statt MS-20 oder WASP. Resonanz sollte, wenn überhaupt, eher sparsam eingestzt werden. Für das Ausgangssetting startet ihr mit einem nahezu geschlossenen Filter, auf das ihr eine Hüllkurve setzt.

Modulationen

Um nun Leben in den Sound zu bringen, nutzen wir gleich mehrere Modulationen. Zum einen Hüllkurven, zum anderen LFOs.

Hüllkurven

Als erstes Filter sehen wir uns das grobe Setting der Filterhüllkurve an.

  • Attack: 10-20 %
  • Decay: 10-20 %
  • Sustain: 30-50%
  • Release: 1-2 Sekunden

Natürlich solltet ihr das Finetuning auf euren jeweiligen Synth hin abstimmen. Wichtig ist, dass ihr das Grundprinzip versteht: also ein smoothes Einschwingen einstellt, gefolgt von einem ebenso weichen Schließen des Filters. Der Sustain-Wert liegt bewusst nicht bei „0“, damit die Noten gehalten werden können, ohne dass der Sound komplett wegbricht.

Bei der Amp-Hüllkurve geht ihr anschließend recht ähnlich vor. Sollte euer Synth hier nur eine ADS-Envelope bieten, wie viele Moog-Synths, schaltet ihr ihr Decay auf Release.

In etlichen Melodic Techno Produktionen zu hören: Moog Subsequent 37

Erweitertes Sounddesign

Um den Sound noch dynamischer zu spielen, könnt ihr die Hüllkurvenintensität per Anschlagdynamik steuern. Die Modulation sollte trotzdem einigermaßen moderat angelegt sein, ansonsten wird der Sound des Melodic Techno Leads schnell zu hart.

Falls es das Modulations-Routing eures Synth zulässt, könnt ihr die Filter-Attack-Phase ebenfalls per Velocity oder mit dem Modulationsrad steuern. Auch hier sind subtile Wertänderungen der Schlüssel zu einem weichen, aber dennoch präsenten Sound.

LFOs

Nachdem wir unseren Soundblock grob behauen haben, wenden wir uns nun der Feinarbeit zu. Hierfür spielen bei Melodic Techno Leads LFOs eine entscheidende Rolle. Wie schon zuvor gilt auch hier die Devise: Lieber subtil als brachial. Krasse Filterfahrten sollten am besten manuell vorgenommen worden, um gezielt Übergänge und Peaks im Track zu unterstützen.

Damit der Sound aber auch über weite Teile spannend klingt, sorgen Modulationen auf Pulsbreite, Filter, oder auch dem Noise-Anteil für organische Tiefe. Falls vorhanden, kann man dabei einen LFO exklusiv auf die Pulsbreite, und einen weiteren LFO auf das Filter ansetzen. Die sehr subtile Modulation des Noise-Anteils könnt ihr entweder an den einen der beiden LFOs koppeln, oder einen weiteren LFO dafür heranziehen.

Am Ende habt ihr noch die Möglichkeit, den LFO mit dem Tracktempo zu synchronisieren: je nach Synth entweder per BPM-sync, oder ganz klassisch nach Gehör. Auch hier würde ich eher auf langsame Frequenzen setzen, damit sich der Sound stetig ändert, ohne dass die Modulation den Charakter des Leads zu stark dominiert.

Erweitertes Sounddesign LFO

In einigen Melodic Techno Leads hört man, dass Filter- oder PWM-Modulationen bei höher gespielten Noten schneller werden. Das könnt ihr recht einfach umsetzen, indem ihr die LFO-Frequenz an die Tonhöhe koppelt (Key Follow / Note). Die Intensität sollte hier etwas stärker sein, ansonsten hört ihr den Effekt kaum.

Falls euer Synthesizer diese Funktion nicht bietet, müsst ihr das manuell bei der Aufnahme machen. Die Variation der LFO-Frequenz ist dann ein fester Bestandteil eurer Lead-Spur und liefert dieser interessante Nuancen.

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Ebenfalls ein großartiges PlugIn für Melodic Techno: u-he Diva, hier mit u-he Diva Presets für Ambient und Melodic Techno

Effekte

Nachdem jetzt der Grundsound steht, werden wir ihn im letzten Schritt noch mit Effekten veredeln und für unseren Track vorbereiten. Hierbei geht es immer noch ums Sounddesign, EQs und Kompressoren sind später Teil des Mixings und damit weitestgehend abhängig vom Rest des Tracks.

Grundsätzlich empfiehlen sich für Meldoic Techno Leads Reverb, Delay und Chorus, meist sogar eine Kombination aus allen drei Effekten. Als Reihenfolge empfehle ich zuerst das Delay einzuschleifen, dann Reverb und final den Chorus, um den Sound noch einmal breiter werden zu lassen. Alle Effekte sollten dabei Stereo ausgeführt sein, selbst wenn es sich beim Eingangssignal um eine Monospur handelt. Dadurch erhalten wir einen schön schwebenden Sound, der sich breit im Stereopanorama aufstellt.

Bei sämtlichen Effekten ist es wichtig, dass ihr später im Mix die Frequenzen im Auge behaltet. Viele Delays und Reverbs können das Signal mit störenden Frequenzen anreichern, vor allem, wenn man höhere Feedbackwerte einstellt. Plant also immer gleich einen EQ mit ein, um das Signal nach den Effekten zu entschlacken.

Delay

Beim Delay empfehle ich eine analog klingende Variante wie Tape- oder BBD-Delays. Natürlich kommt man auch mit HiFi-Delays zum Ziel. Jedoch bringt der höhenärmere Sound von analogen Delays und deren analoge Unperfektheiten zusätzliche Wärme. Dabei muss es nicht zwingend ein Hardware-Delay für Synths sein. Auch VST-Delays liefern hervorragende Ergebnisse und sind zudem nahezu immer als Stereoversion ausgeführt.

Achtet beim Delay darauf, dass die Delay-Zeit zum Songtempo passt. Triolische Werte und kleine Abweichungen bringen zusätzlichen Groove in die Lead-Spur, hohe Feedback-Einstellungen sind dann reizvoll, wenn man nur sparsam einzelne Noten setzt. Spielt auch mit der Modulation der Delayzeit. Sehr moderat eingesetzt entsteht hier ein herrlich analoges Flair.

Reverb

Alternativ oder ergänzend zum Delay könnt ihr auch einen Reverb-Effekt nutzen. Als Reverbtyp eignen sich Ambiences, Room oder Plate-Effekte gut. Ziel ist es auch hier, den Effekt subtil einzusetzen, damit man ihn fühlt, der Effekt aber nicht zu dominant wird. Achtet beim Reverb wie auch beim Delay darauf, die Zeiten nicht zu lang einzustellen. Vor allem aber solltet ihr nach Delay und Reverb überflüssige Frequenzen per Low- und HiShelf absenken.

Chorus

Theoretisch könnte man bei Melodic Techno Leads auf einen Chorus verzichten, wenn der Synth ausreichend Möglichkeiten (wie PWM, leichtes Detune usw.) bereitstellt, Schwebungen in den Sound zu bringen. Ist der Klangerzeuger eher rudimentär ausgestattet, kann ein Choruseffekt diese Schwebungen liefern.

Je nach Funktionsumfang des Chorus solltet ihr darauf achten, die Modulationsrate eher langsam einzustellen. Zusätzlich könnt ihr mit einem EQ noch die Frequenzen zwischen 250 und 400 Hz um 2-4 dB absenken, wenn es im unteren Mittenbereich noch zu sehr dröhnt. Dann fügt sich der Sound besser in den Mix ein.

Equipment für Melodic Techno Leads

Bei vielen Afterlife-Produktionen hört man immer wieder einen Synthesizer heraus. Den Moog Sub(sequent) 37 (oder entsprechende Moog-Reproduktionen). Besonders deutlich ist das, wenn man sich beispielsweise Powers of Ten von Stephan Bodzin anhört. Hier wurde der Moog Sub 37 laufend eingesetzt und auch bei Live-Acts scheint ihm der Moog-Synth ein verlässlicher Partner zu sein.

Natürlich benötigt man selten genau „das“ Equipment für einen konkreten Sound. Nichtsdestotrotz können charaktervolle Sound einfach leichter mit bestimmten Modellen umgesetzt werden als mit anderen. Ich setze für diese Leads sehr gerne auch auf den Roland SH-101 (oder den SH-01a), weil ich diesen etwas einfacher im Mix unterbringen kann.

Moog Subsequent 37, Behringer Model D und Softube Model 72

Damit an alle Budgetklassen und Studiosituationen gedacht ist, stelle ich direkt drei Vertreter vor. Der Moog Subsequent 37 bleibt einfach das Original und bietet neben speicherbaren Presets, Stepsequencer und Duophonie die perfekten Ergänzungen für Melodic Techno Leads. Eine angenehme Sättigung und ein etwas weicherer Sound in den Mitten prädestinieren ihn für melancholische aber gleichzeitig kraftvolle Sounds.

Beim Model D von Behringer muss man auf eine Vielzahl an Funktionen verzichten, allerdings orientiert sich dieser Synth direkt am Vorbild Model D von Moog. Auch hier bekommt man authentische Melodic Techno Leads, muss aber auf Komfort wie Presets, Duophonie oder Step Sequencer verzichten. Für unter 300 € ist der Model D dennoch eine klare Empfehlung für Budget-Studios, wenn es unbedingt Hardware sein soll.

Als Software-Empfehlung sei noch das Model 72 von Softube genannt. Die virtuelle Nachbildung eines Moog Minimoog klingt organisch analog und bringt den legendären Sound in VST-Studios. Hier zahlt man den Preis mit einem ordentlichen Ressourcen-Hunger, aber wenn man den Sound hört, versteht man, woher dieser Anspruch kommt.

Webseite: Softube Model 72

Roland SH-101

Mit einem wunderbar melancholisch weichen Sound eignet sich Rolands SH-101 perfekt für Melodic Techno Leads. Und bis auf den zweiten Oszillator liefert der Synth alle Grundbausteine bei einer sehr intuitiven Bedienung. Das Original gibt es zwar leider nur noch gebraucht – und das zu einem recht hohen Preis -, aber Roland hat mit dem SH-01a Boutique eine sehr gute digitale Version auf den Markt gebracht. Diese bietet sogar 4-fache Polyphonie, erweiterte LFO-Modi und Speicherplätze.

Wenn es Software sein soll, gibt es ebenfalls gute Kandidaten wie den TAL Bassline 101 oder die offizielle virtuelle Nachbildung Roland Cloud SH-101.

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