Modular System zusammenstellen

Modular System zusammenstellen. Das sind die ersten Schritte

Modularsysteme bieten einige Vorteile gegenüber fest vorverdrahteten Synthesizern: Man kann die einzelnen Komponenten völlig frei zusammensetzen, etwa ein Moogfilter in Verbund mit Korg MS-20-Oszillatoren und Hüllkurven eines Roland SH nutzen. Zudem sind die Signalwege nicht starr vorgegeben. Dadurch lassen sich Modulatorsquellen wie LFOs oder Hüllkurven auch mal zur Klangerzeugung heranziehen, oder umgekehrt Oszillatoren zur Modulation anderer Parameter nutzen. Zudem ist das Angebot verfügbarer Einzelbausteine, der Module, im weit verbreiteten Eurorack-Format über die letzten Jahre nahezu explodiert. Die Vielfalt an Möglichkeiten ist immens, ebenso wie der preisliche Rahmen, in dem sich die Auswahl bewegt. Womit man am besten anfangen sollte, wenn man sich ein Modular System zusammenstellen möchte, geht es in diesem Artikel.

Vorweg: Modular Systeme sind konzeptionell mehr noch als normale Synthesizer auf persönliche Präferenzen zugeschnitten. Was für mich funktioniert, kann für euch vielleicht eine völlig falsche Empfehlung sein. Daher geht es hier mehr um grundsätzliche Dinge für den Start als um konkrete Modulempfehlungen. Ich werde mich auch auf das Eurorack-Format beschränken. Zum einen, weil es dort die größte Auswahl gibt und zum anderen, weil ich schlicht mit den anderen Formaten kaum praktische Erfahrungen gesammelt habe.

Semimodulare Synthesizer als Einstieg nutzen

Wieso lobe ich einleitend die Flexibilität modularer Synthesizer, um direkt nach der Einleitung wieder auf ein halb geschlossenes System hinzuweisen? Semimodulare Synthesizer wie etwa Behringer Crave, Make Noise 0-Coast oder der Erebus von Dreadbox besitzen fest vorgegebene Elemente. Im Gegensatz zu einem Modularsystem kann man also nicht mal eben einen Oszillator, Filter etc. austauschen.
Dennoch verfügen sie über Ein- und Ausgangsbuchsen, um den vorgegebenen Signalweg umzuleiten oder zu ergänzen. Für Einsteiger ist ein semimodularer Synth daher aus fünf Aspekten sinnvoll:

  1. Ein semimodularer Synth erzeugt in der Regel Töne, ohne dass überhaupt ein Patchkabel gezogen werden muss. Das Frustrationspotenzial ist anfangs nicht so hoch.
  2. Semimodulare Synthesizer laden zum Experimentieren ein: Mit den offenen Verbindungspunkten kann man erste Gehversuche beim Patchen machen. Schnell stellt man dabei fest, ob diese Art der Klangerzeugung einem überhaupt liegt.
  3. Semimodulare Synthesizer sind meistens günstiger als die Summe der einzelnen Komponenten, würde man sich ein Modularsystem zusammenstellen.
  4. Man kann semimodulare Synths später problemlos mit einem Modularsystem verbinden, möchte man sein System erweitern.
  5. Netzteil und Gehäuse wurden vom Hersteller auf die vorhandenen Möglichkeiten des semimodularen Synths optimiert. Dadurch entfällt die Rechnerei, wie groß ein Netzteil dimensioniert sein muss, um alle verbauten Module zu versorgen. Das ist zwar kein großer Akt, kann aber ein weiterer Stolperstein bei den ersten Schritten sein.

Kaufempfehlung: semimodulare Synths für den Einstieg

Update: Als relativ günstige Lösung für den Einstieg hat Behringer mit dem System 100 ein ziemlich gutes Basissystem vorgelegt. Mit rund 700 €, davon fallen 500 € auf die Module und 200 € auf das Gehäuse, ist es nicht nur preiswert, sondern klingt dabei auch hervorragend. Hier geht es zum Behringer System 100 Test.

Behringer System 100 Demo

Modular System zusammenstellen: Mischung aus Hi-End und Budgetlösungen

Wenn Geld keine Role spielt, kann man diesen Punkt getrost überspringen. Die meisten werden aber sicherlich nur ein begrenztes Budget zur Verfügung haben und stehen am Anfang vor der Frage, wo man sparen kann und wo man besser auf hochwertige Komponenten setzt.

Meine Philosophie ist eher wenig hochwertiges Equipment als viel Billigkram zu kaufen. Der Preis ist im Modularsegment allerdings nicht immer ein guter Indikator. Denn mit der Modulflut tummeln sich einige Unternehmen da draußen, die einem sprichwörtlich Mist für Gold andrehen wollen. Daher gibt es für mich vor allem zwei wichtige Kriterien für die Modulauswahl:

1. Soll das Modul Töne erzeugen oder aktiv Klänge verformen?

Sobald das Modul Bestandteil des Audiosignalwegs ist, sollte die Qualität entsprechend hoch sein. Man kann fast jeden Sound in Richtung LoFi und Noise verbiegen. Umgekehrt ist das schon deutlich schwieriger. Hochwertige Module sind sehr gut intern abgestimmt, das heißt die Regler reagieren effizient auf kleine Änderungen und ermöglichen selbst feinste Einstellungen. Die Haptik ist ein weiterer Faktor. Wie fühlen sich die Regler, Taster und Schalter an? Wackeln sie oder sitzen sie fest mit der Oberfläche verschraubt? Ist der Regelweg zu leichtgängig oder sind Änderungen nur unter erheblichem Kraftaufwand möglich?

Bei Modulen, die fast ausschließlich zur Modulation eingesetzt werden, kann man eher mal sparen. Hier sollten die Regler etc. natürlich ebenfalls gut verarbeitet sein – der Anspruch an die Klangerzeugung kann aber etwas in den Hintergrund geraten. Sicherlich ist es schöner, wenn die Frequenz eines im Hörbereich schwingenden LFO auch sauber an die Tonhöhe gekoppelt werden kann. Hier würde ich aber mit dem Kompromiss leben, den LFO als Klangerzeuger nur über drei bis vier Oktaven nutzen zu können und dafür etwas Geld zu sparen.

2. Die Funktionsdichte

In kleinen Systemen kommt es häufig darauf an, möglichst viele Funktionen auf engem Raum zu haben. Hersteller wie Mutable Instruments, Intellijel oder 1010music haben sich hierauf spezialisiert. Der Schlüssel liegt in komplett digitalen oder Hybridmodulen, die digitale Funktionen mit analogen Komponenten vereinen. Mitunter schlagen sich hier ein größerer Programmier-Entwicklungsaufwand und Komponenten wie Display oder Speicher auf den Preis nieder. Und auch bei rein analogen Multifunktionsmodulen oder gar kompletten Synthesizerstimmen fürs Eurorack erhöht die Funktionsdichte in der Regel auch den Preis für ein einzelnes Modul.

Andererseits ersetzt so ein Modul häufig mehrere Einzelmodule, was in der Summe dann wieder günstiger sein kann. Vor allem ist das sinnvoll, wenn man mehrere nicht häufig genutzte Einzelmodule mit so einem Schweizer Taschenmesser ersetzt.

Beim Netzteil des Modularsystems nicht sparen!

Das Netzteil des Modularsystems sollte möglichst ausreichend dimensioniert sein. Schlechte Netzteile erzeugen unter Umständen hörbare Störsignale oder „eiernde“ Tonhöhen, da die Spannung nicht gleichmäßig sauber oder unterdimensioniert ausgegeben wird.

Die Spannungsanforderung an das Netzteil ergeben sich zum einen aus der Anzahl der Module und zum anderen aus dem Stromverbrauch der ausgewählten Module. Achtet dabei sowohl auf die Werte bei der positiven (+12 V) als auch bei der negativen Stromabgabe (-12 V) und besorgt euch im Idealfall gleich ein Netzteil, das zusätzliche 5 V ausgibt.Besonders durch Verwendung von Röhren, DSPs, Displays und mechanischen Komponenten – wie etwa beim Laufwerk des T-Rex Replicator Delay – können einzelne Module erheblich mehr Strom ziehen als andere.

Ich würde daher immer den Strombedarf aller geplanten Module zusammenrechnen und anschließend noch einmal 50 % Leistung zusätzlich einkalkulieren. Selbst wenn ihr es anfangs nicht benötigt: Solltet ihr vorhaben auf ein größeres System umzusteigen könnt ihr das Netzteil gleich weiterverwenden.

Ob ihr Bus-Boards oder lose Flying Bus Cables verwendet, ist Geschmacksache. Anfangs fand ich die lose Variante besser, da man die Anschlussstecker freier im System bewegen kann. Mittlerweile bevorzuge ich Bus-Boards, da man diese besser im Gehäuse befestigen kann und das beim Austausch einzelner Module aufgeräumter wirkt.

Das richtige Gehäuse für sein Modular System finden

Gehäuse für Modular Systeme gibt es mittlerweile reichlich. Viele Hersteller setzen auf eigene Lösungen und preislich ist vom sparsamen 70 € Rack-Mount-Kit bis hin zur leeren Modularschrankwand für einige tausend Euro alles drin. Bei den Gehäusegrößen sind vor allem drei Werte wichtig:

  • „TE bzw. HP“ gibt die Gesamtbreite an, die für den Einbau aller Module maximal zur Verfügung steht. Für die einzelnen Module geben Hersteller ebenfalls diese normierte Angabe an, sodass man sich recht gut ausrechnen kann, wie viel Platz für die Wunschkonfiguration vorhanden ist.
  • „U bzw. HE“ gibt die Höheneinheiten an. 3 U entspricht dem Eurorack-Standard für die Modulhöhe einzelner Module.
  • Tiefe des Systems.
    Hierbei muss man zwei Dinge beachten: Besonders flache Gehäuse, auch „Skiff“ genannt sehen zwar sehr stylisch im Desktopformat aus, möchte man das System aufrecht stellen, ist eine Rack-Konstrunktion oder ein spezieller Ständer notwendig. Auch ist nicht jedes Modul kompatibel zum Skiff-Format und lässt sich dann aufgrund der Modultiefe nicht mehr einbauen.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Wir planen ein System mit 10 Modulen. Zur Vereinfachung hat jedes Modul eine Breite von 8 TE. 10 Module mal 8 TE ergibt eine Mindestanforderung an unser Gehäuse von 80 TE. Ob sich diese 80 TE nun in einer Reihe (3 U, 80 TE) oder in zwei Reihen (6 U, 40 TE) aufteilen spielt keine Rolle.
Viele Modular-Cases auf dem Markt haben eine Größe von 84 TE bei einer Reihe (3U). Damit bekommen wir unsere 10 Module unter und hätten sogar noch Platz für ein schmaleres Modul mit nur 4 TE.

Worüber man sich vor dem Kauf klar sein sollte

Nachdem nun die wichtigsten Begriffe geklärt sind. sollte man sich vor dem Kauf des Cases folgende Fragen stellen:

  • Wie groß soll mein Modularsystem maximal werden?
  • Möchte ich das Modularsystem häufiger mitnehmen?
  • Plane ich eher in die Höhe oder in die Breite?

Die erste Frage hängt zum einen vom verfügbaren Budget ab, soweit logisch. Allerdings bezieht sich das nicht nur auf das Case selbst, sondern auch auf die einmal darin enthaltenen Module. Plant also großzügig. Je größer euer System wird, umso leistungsfähiger muss auch das enthaltene Netzteil sein.

Plant ihr regelmäßig mit dem System unterwegs zu sein? Wollt ihr nach jeder Session zuhause lieber ein aufgeräumt verstautes Köfferchen sehen? Dann empfehle ich gleich, etwas mehr Geld für ein transportfähiges Case auszugeben. Gerade im Tour-Alltag kommt es auf jedes Kilo an. Gute Anbieter für robuste Modularcases sind Intellijel, Make Noise und Erica Synths.

Was wird ein Modular-Case kosten?

Alle drei Cases liegen bei rund 650 € und bringen ein ausreichend groß dimensioniertes Netzteil gleich mit. Mit rund 450 € ist das A-100 P6 Travel Case von Doepfer etwas günstiger. Ein Netzteil ist hier ebenfalls enthalten und das Gehäuse ist sehr stabil. Allerdings wirkt es auch etwas grobschlächtiger und bringt mehr Gewicht auf die Waage als die anderen Vertreter.

Wenn ihr ohnehin vorhabt, das System nur im Studio zu nutzen, kann man getrost zu günstigeren Varianten greifen. Do it yourself ist ebenfalls eine gute Option. Zumindest den Rahmen kann man sich erstmal aus Kartons zurechtschneiden (selbst erprobt), die Legokiste des Neffen plündern oder vier Holzlatten aneinander schrauben. Denkt dabei nur daran, nicht beim Netzteil und den Bus-Boards zu sparen und alle Kabel und Platinen so zu verbauen, dass man im laufenden Betrieb nicht an die Kontakte kommt.

Abschließend noch ein Tipp: Sehr hilfreich ist die Seite Modulargrid. Dahinter verbirgt sich ein Modularkonfigurator inklusive gigantischer Moduldatenbank. Dort könnt ihr euer System planen, Gehäuse und -größen auswählen und bekommt sogar den Stromverbrauch eurer Auswahl angezeigt.

Die Seite Modulargrid.net hilft bei der Zusammenstellung eines Modularsystems
Die Seite Modulargrid.net hilft bei der Zusammenstellung eines Modularsystems

Ihr solltet nur die Filter so anlegen, dass a) nur verfügbare Module und b) nur fertig gebaute Module angezeigt werden, falls ihr nicht selbst den Lötkolben schwingen wollt. Eure Systemideen lassen sich speichern und jederzeit wieder aufrufen oder teilen. Letzteres ist super, wenn man sich in Foren zusätzlich Rat von anderen Usern holen möchte.

Ich hoffe, der Artikel hat euch bei den ersten Schritten geholfen. Wenn ihr weitere Fragen zum Thema Modular System zusammenstellen habt, hinterlasst gerne einen Kommentar.

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