Studio Electronics SE-3X Test und Demovideo

Studio Electronics SE-3X Test

Mit dem SE-3X bringt das US-amerikanische Unternehmen Studio Electronics einen paraphonen, vollanalogen Synthesizer auf den Markt. Dieser setzt die Tradition der erfolgreichen SE-Linie fort, die seit über zwei Jahrzehnten hochwertigen Minimoog-Sound bringt. Gleichzeitig wurde der SE-3X noch um einige Features erweitert, die den 19″-Synth spannend machen. Wie gut die Neuauflage ist, erfahrt ihr im Studio Electronics SE-3X Test.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Studio Electronics SE-3X Demovideo

Das US-Unternehmen Studio Electronics ist bereits seit Ende der 80 Jahre am Markt. Das erste Produkt war der MIDIMini, ein rackfähiger Minimoog, der mit Originalplatinen gebaut wurden, die noch aus der Insolvenzmasse von Moog stammten. In dieser Tradition stehend war der Sound sämtlicher folgender SE-Synths auch immer stark an Moog angelehnt. Trotzdem wurden immer weitere Features addiert, die es im Originalkonzept nicht gab. Darunter Speicherbarkeit, Ringmodulation und Sync, sowie umschaltbare Filtermodelle, Paraphonie und Sättigungsstufen, wie jetzt bei dem SE-3X.

Studio Electronics SE-3X Test: Schrägansicht
Studio Electronics SE-3X: 19″-Rackcharme wie in den 90ern.

Studio Electronics SE-3X Test: Erster Eindruck und Verarbeitung

Zunächst fällt einem das massive 19″-Rackgehäuse auf. Weil seit etlichen Jahren Desktopgeräte den Synthesizermarkt dominieren, kommt der SE-3X fast anachronistisch daher. Schnell fühlt man sich zurückversetzt in die Studioburgen der 90er. Und das ist auch nicht so abwegig, wenn man sich die Historie der SE-Serie ansieht.

Entsprechend robust präsentieren sich dann auch die Regler und Taster, sowie die Anschlüsse auf der Rückseite. Hier gibt es neben Mono Ein-und Ausgang lediglich ein MIDI-Trio. Wer also in einem aktuellen Studio auf USB-MIDI-only setzt, sollte bei der Anschaffung gleich ein USB-MIDI-Interface mit einplanen. Auch das Display versprüht feinstes 90er-Jahre-Flair. Ich mag das, aber wer auf bunt animierte Displays steht, wird hier nicht glücklich.

Studio Electronics SE-3X Test: Rückseite
Spartanische Ausstattung auf der Rückseite: MIDI Trio plus Audio Ein- und Ausgänge

Oszillatoren

Lassen wir die Äußerlichkeiten hinter uns und widmen uns nun den inneren Werten. Der SE-3X ist komplett diskret aufgebaut und verfügt über drei Oszillatoren. Jeder der Oszillatoren erzeugt die Schwingungsformen Dreieck (Sinus bei Oszillator 2), Sägezahn und Puls, letztere mit variabler Pulsbreite.

Per Taster lassen sich die Schwingungsformen einzeln zuschalten oder aus dem Signalweg entfernen. Bei drei gleichzeitig aktivierten Schwingungen und Oszillatoren entsteht eine ziemlich massive Klangwand, die man im Mix kaum noch zähmen kann. Aber auch solo bringt der SE-3X einiges an Tiefenschub auf den Weg.

Studio Electronics SE-3X Test: Oszillatorsektion
Pro Oszillator (de-)aktivierbar: Dreieck, Sägezahn und Puls

Zusätzlich bietet der SE-3X Sync und Ringmodulation, sowie weißes Rauschen. Dadurch sind auch experimentelle Sounds und Effekte möglich. Aber auch hölzern bis metallische Drones und Texturen liegen dem SE-3X, selbst wenn man bei der Ausstattung als erstes wohl an Bässe und Leads denkt.

Im Vergleich zum klassischen Vorbild empfinde ich den Klang des SE-3X übrigens als obertonreicher und damit etwas moderner. Vintage geht natürlich auch, aber Studio Electronics ist dann doch etwas mehr auf der aggressiveren Seite.

Filter-Abteilung

Erstmals in der SE-Reihe finden sich beim SE-3X mehrere unterschiedliche Filter. Zum Einsatz kommen neben der Moogkaskade auch Filtermodelle aus dem ARP2600, das legendäre Oberheim SEM-Filter, sowie Juno/Jupiter-Tiefpass. Waren unterschiedliche Filter vorher nur der ATC-Reihe aus gleichem Hause vorbehalten, ist das jetzt eine sehr sinnvolle Erweiterung: Denn klanglich ist das auf jeden Fall ergiebig und ein echter Zugewinn.

Warum man sich bei Studio Electronics aber nicht die Arbeit gemacht hat, die Filter wie bei der ATC-X-Reihe tiefer in die Synthesearchitektur zu integrieren, erschließt sich mir nicht. Denn die Umschaltung des Filters erfolgt lediglich auf Hardware-Seite.

Studio Electronics SE-3X Test: Filtersektion
SE-3X Filtersektion: Per Schalter wird das Filter gewechselt

Das bedeutet, dass einerseits das gewählte Filter nicht zusammen mit dem Preset gespeichert wird. Im Studioalltag und bei mehreren gleichzeitig laufenden Projekten muss man hier also den Notizblock bemühen.

Andererseits erzeugt der Filterwechsel mitunter ein hörbares Knacken im Audiosignal. Mal eben live umschalten ist also auch nicht die beste Idee. Da ich mir nicht so richtig vorstellen kann, wie SE das zukünftig mit einem Software-Update beheben soll, gibt es an dieser Stelle des SE-3X Tests einen Punktabzug.

Sättigung

Im SE-3X gibt es neben der Sättigung über die Mixerebene zwei Overdrive-Modi, die per Kippschalter aktiviert werden. Zur Auswahl stehen „Soft-Overdrive“ und ein härteres Overdrive, das von Studio Electronics als „90s-hard fuzz“ benannt wird. Der Beschreibung kann ich kaum etwas hinzufügen außer, dass beide Overdrive-Modi absolut brauchbar klingen.

Mehr Bewegung in den Klang: Die Hüllkurven und LFOs

Um Bewegung in den Sound zu bringen, bietet der Studio Electronics SE-3X insgesamt drei LFOs, sowie noch einmal vier ADSR-Hüllkurven mit linearem und exponentiellem Verlauf.

Studio Electronics SE-3X Test: Hüllkurve
Eine ADSR-Hüllkurve des SE-3X

Die Hüllkurven waren immer schon großartig bei der Studio Electronics. Sie sind schnell genug für extrem zackige Percussions und harte Bässe, liefern dabei aber stets musikalisch ab. Gegenüber dem SE-1X haben die Envelopes beim SE-3X sogar noch ein Speed-Upgrade bekommen.

Gerade für Bass-und Lead-Sounds ist das perfekt abgestimmte Zusammenspiel von Attack und Decay wichtig. In der exponentiellen Betriebsart erzeugt der SE-3X herrlich runde Bässe, die sich schnell und gezielt an den Mix anpassen lassen. Gut ist auch, dass man bei Studio Electronics an vier Hüllkurven gedacht hat. Beim SE-3X sind die ersten beiden Hüllkurven fix dem Filter-Cutoff, respektive der Lautstärke zugewiesen. Das ist praxisnah und durch die zwei zusätzlichen, frei zuweisbaren Hüllkurven ist diese Einschränkung auch verschmerzbar.

Die LFO-Abteilung liefert mit den Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn (Up/Down), Pulse, Noise und Zufall das komplette Vintage-Arsenal. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sie per Key-Trigger zu resetten, die Phasenlage zu definieren, und – was für elektronische Musik besonders wichtig ist – MIDI-Synchronität. Ist diese deaktiviert, reicht die LFO-Geschwindigkeit von sehr langsam bis moderat schnell. FM-Orgien sollte man von den LFOs aber nicht erwarten.

Die Modulationsmatrix des Studio Electronics SE-3X

Um Modulationsquellen mit ihren Zielen zu verbinden, findet sich im SE-3X im Menü versteckt auch eine Modulationsmatrix. Wobei Matrix hier übertrieben ist, denn die hier vorhandene Variante ist eher rudimentär ausgestattet.

Hier lassen sich LFO 1-3, sowie die freien Envelopes 3&4 auf folgende Ziele routen: VCOs 1/2/3 Frequenz VCO 1/2/3 Level; VCOs 1/2/3 Pulsbreite; Ringmod-level; Noise-Level; VCF Resonance; VCF Frequency; Lautstärke. Mir fehlen hier klar Möglichkeiten, auch die Modulationsquellen miteinander zu modulieren, etwa LFO-Geschwindigkeit per Hüllkurve, oder einzelne Segmente der Hüllkurven direkt anzusteuern.

Paraphonie-Modus

Erstmals ist ein Studio Electronics Synthesizer aus der SE-Reihe mehrstimmig spielbar. Wobei das nicht ganz korrekt ist: Denn einerseits stehen hier nur drei Stimmen zur Verfügung und diese werden andererseits paraphon wiedergegeben.

Kurz erklärt unterscheiden sich Polyphonie und Paraphonie darin, dass bei Polyphonie alle klangrelevanten Elemente pro Stimme vorliegen. Bei Paraphonie steuert man in der Regel die Frequenzen der verschiedenen Oszillatoren eines Synths einzeln an, wodurch Akkorde möglich sind. Der Rest der Klangerzeugung, also Filter, Hüllkurven etc. ist aber weiterhin monophon ausgelegt.

Studio Electronics SE-3X Test: Front
SE-3X Frontansicht: Auch das Display versprüht 90er-Jahre Flair

Wer sich nun einen günstigeren Omega-/Code-Synth erhofft hat, wird also enttäuscht. Trotzdem ist der Paraphonie-Mode des SE-3X eine interessante Erweiterung. Denn die Einschränkungen gegenüber echter Polyphonie können klanglich durchaus reizvoll sein. Und spätestens dann, wenn man noch Sync oder Ringmodulation aktiviert, eröffnet Paraphonie ein spannendes Soundspektrum. Übrigens: Der Paraphonie-Modus ist auch für User des SE-1X verfügbar: Mittels Eprom-OS-Upgrade für 80 $ kommen diese ebenfalls in den Genuss sämtlicher Software-Features des SE-3X.

Fazit: Studio Electronics SE-3X Test

Keine Frage: Der SE-3X kann klanglich überzeugen. Allerdings muss man das Gebotene ins Verhältnis zum aufgerufenen Preis von nahezu 2700 € setzen. Und dann sind da für mich insgesamt noch zu viele Details, die man besser machen könnte. Zum einen ist da die recht rudimentäre Modulationsmatrix, die flexibles Sounddesign abseits der Klassiker nicht zulässt.

Nun überzeugt auch ein originaler Minimoog eher durch seinen Sound als durch Modulationsorgien und der Sound stimmt auch beim SE-3X ohne Zweifel. Allerdings geht in der Synthwelt mittlerweile einfach mehr und das vielfach auch für deutlich weniger Geld.

Störend empfand ich allerdings die sehr rudimentäre Eibindung der weiteren Filtermodi. Hier hätte ich mir eine tiefere Integration gewünscht, wie sie in der Vergangenheit u.a. auch beim ATC-X zu finden war.

Trotzdem ist der SE-3X ein großartig klingender Synthesizer, auch wenn es in diesem SE-3X Test einige Punkte zu bemängeln gab. Wer einen fetten Analogsynth sucht, mit dem man schnell zum Ziel kommt, der macht mit dem SE-3X nichts verkehrt. Wer aufs Budget achtet oder umfangreiche Klangexperimente plant, sollte sich eher anderweitig umsehen. Zum Glück gibt es mittlerweile etliche gute Alternativen.

Weitere Artikel wie dieser SE-3X Test

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.